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Versicherungsmakler sieht eine "ums Überleben kämpfende Branche"

Auch wenn gegenwärtig in der Veranstaltungsbranche nichts mehr geht, bei dem Versicherungsmakler Novitas herrscht derzeit Hochbetrieb. MusikWoche fragte Novitas-Gründer Matthias Grischke nach seiner Rolle als Bindeglied zwischen Versicherungsnehmern und Versicherern.

23.03.2020 13:25 • von Dietmar Schwenger
Befürchtet auch Konsequenzen für das Versicherungsgeschäft: Matthias Grischke von der Novitas (Bild: Novitas)

Auch wenn gegenwärtig in der Veranstaltungsbranche wegen Corona nichts mehr geht, bei dem Versicherungsmakler Novitas herrscht derzeit Hochbetrieb. MusikWoche fragte Novitas-Gründer Matthias Grischke nach seiner Rolle als Bindeglied zwischen Versicherungsnehmern und Versicherern.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf das Tagesgeschäft des Unternehmens aus?

Die Corona-Krise ist nicht nur eine Krise, sondern ein Desaster für die Branche - und hiermit meine ich nicht nur die Veranstaltungsbranche, sondern auch die Versicherungsbranche. Es sind Umstände eingetreten, über die sich weder Versicherungsnehmer noch Versicherer zuvor überhaupt einen Gedanken gemacht haben. In der Vergangenheit gab es lokale Gegebenheiten, wie zum Beispiel Sars oder Ebola oder auch eine große Grippewelle, die im Jahr 2017 zehn Millionen Deutsche infiziert hat. Eine weltweite Erkrankung wie das Coronavirus mit den entsprechenden Folgen hat es in meiner Vergangenheit nicht gegeben und ist weder von Versicherungsnehmern noch von Versicherern überhaupt in Erwägung gezogen worden. Insofern wirkt sich die Corona-Krise auf unsere tägliche Tätigkeit dergestalt aus, dass wir - unabhängig von den behördlichen Verfügungen - versichererseits eine kunterbunte Vielzahl von Stellungnahmen erhalten, die wir in der Gesamtsicht nur so bewerten können, dass es jedenfalls künftig schwierig sein wird, adäquaten Versicherungsschutz zu finden.

Was fragen Versicherungsnehmer, wie antworten die Versicherungen?

Versicherungsschutz steht grundsätzlich im Einklang mit den entsprechenden anderen zivilrechtlichen und ordnungsrechtlichen Vorschriften. Da insbesondere hinsichtlich der Zeiträume der Veranstaltungsbeschränkung sowie über Art und Umfang final keine verlässliche Aussage für die Zukunft gegeben werden kann, sind die Antworten der Versicherungsgesellschaften genauso kunterbunt wie die Fragen der Versicherungsnehmer. Für die Tourismusbranche gibt es eine gesetzliche Regelung für eine Pflichtversicherung, die Reisende auch im Fall einer Insolvenz eines Reiseveranstalters absichert.

Wie steht es demnach um die Notwendigkeit einer solchen Versicherung für die Konzertbranche?

Klargestellt werden muss, dass für die Tourismusbranche lediglich für Pauschalreisen eine gesetzliche Regelung vorgesehen ist. Bei Einzelbuchungen greift die gesetzliche Regelung nicht, so dass man hier sicherlich unterscheiden muss. Der Kauf eines Konzerttickets ähnelt doch eher einer separat gebuchten Flugreise und nicht einer Pauschalreise, sodass aus meiner Sicht hier eine entsprechende Vergleichbarkeit hergestellt werden kann. Auch für die allein gebuchte Flugreise gibt es keine Sicherungslösung mittels eines Reisesicherungsscheins.

Welche Auswirkungen hat die gegenwärtige Krise auf die voraussichtliche Ausgestaltung und Modalitäten von Versicherungen für die Veranstaltungsbranche in der Zukunft?

Ungeachtet der Krise, die für keinen vorstellbar war, gehen wir davon aus, dass sich die Modalitäten für die Versicherungen künftig ändern werden. Das hängt auch entscheidend davon ab, welche Versicherer das derzeitige Szenario überhaupt »überleben«. Die Veranstaltungswirtschaft stellt von den Versicherern aus gesehen eine Randbranche dar. Die Absicherung von Sonderrisiken ist ebenfalls stets ein Sonderfall. Ob angesichts der derzeitigen Gegebenheiten auf dem deutschen Markt Versicherer diesen Bereich weiterhin fortführen werden, mag problematisch sein, kann zum heutigen Zeitpunkt aber in keiner Weise beantwortet werden.

In einem Artikel der "Süddeutsche Zeitung" heißt es: "Der Düsseldorfer Anwalt Mark Wilhelm glaubt, dass versicherte Veranstalter sich in den meisten Fällen das Geld von Versicherern wiederholen können". Handelt es sich dabei um eine zutreffende Einschätzung?

Diesen Bereich möchte ich nicht bewerten, da es eine Vielzahl von Versicherungsverträgen gibt, die inhaltlich nicht verglichen werden können. Deswegen kann eine allgemeinverbindliche Aussage nicht getroffen werden.

Welche Folgen wird die Corona-Krise in Bezug auf die Veranstaltungswirtschaft künftig noch haben?

Die Branche wird zum großen Teil ums Überleben kämpfen. Ich gehe aber davon aus, dass auch künftig Veranstaltungen durchgeführt werden, denn Lust und Freude an Konzerten und Events werden seitens der Besucher eher gesteigert als reduziert sein. Dies setzt allerdings voraus, dass die derzeitigen gesundheitlichen Aspekte abgeklungen, sind und die Freude an Veranstaltungen wieder wachsen kann.

Zur Person: Matthias Grischke ist Jurist und gründete Novitas im November 2002. Das Unternehmen ist ansässig in Ahrensburg in Schleswig Holstein und beschäftigt 15 Mitarbeiter. Novitas agiert als Versicherungsmakler und gehört in Deutschland zu einer der führenden Versicherungsagenturen für Special-Risk-Versicherungen in den Bereichen Entertainment, Medien und Sport.

Interview: Manfred Tari