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Labelservices ist kaum eine Dienstleistung fremd

Produktmanagement, Marketing, Promo, Social Media, Daten und deren Aufbereitung, Distribution - MusikWoche wollte wissen, was alles im Werkzeugkasten der Anbieter von Labelservices steckt?

17.03.2020 09:52 • von Jonas Kiß
Tina Adams (Caroline International): »Wir können unseren Baukasten nahezu beliebig skalieren.« (Bild: Caroline)

Produktmanagement, Marketing, Promo, Social Media, Daten und deren Aufbereitung, Distribution - MusikWoche wollte angesichts der Entwicklung im Dienstleistungsbereich wissen, was alles im Werkzeugkasten der Anbieter von Labelservices steckt?

Tina Adams, Label Head GSA Caroline International: Wir bilden diese Services alle inhouse ab, was ein großer Pluspunkt ist und uns von vielen anderen Anbietern in diesem Teilmarkt unterscheidet. Unsere Leistungen gehen deshalb über die eines reinen Aggregators weit hinaus - wir können unseren Baukasten nahezu beliebig skalieren.

Doris Wehser, Head of Label and Product Management GSA The Orchard: Wir wollen allen Labels und Künstlern die besten Möglichkeiten an die Hand geben. Dazu gehören neben dem internationalen Vertrieb und dem Zugang zu allen wichtigen Plattformen heute vor allem der leichte und verständliche Zugriff auf Daten zu ihrer Musik, die auch mobil erreichbar sind. Ein wachsender Bereich sind digitale Anzeigen mit zielgruppengenauem Targeting. Aber auch Sync und Performance Rights gehören dazu. Für manche Partner übernehmen wir nahezu die komplette Labelarbeit, von Grafik und Herstellung über das Produktmanagement bis zu Marketing und Promo.

Petra Husemann-Renner, Geschäftsführerin Motor Entertainment: ...all das plus Herstellung, physische Distribution, internationales Playlist- und Sync-Pitching, Spotify Ads, Administration... Alles beginnt mit einer Analyse, wo der Act steht und wo er oder sie hinwill. Dann werden gemeinsam Tools & Timings entwickelt, Daten gesammelt und ausgewertet, der Promo-Schwerpunkt gesetzt, das Team zusammengestellt, die Kampagne betreut und immer und überall geschaut, was wir noch anders und besser machen können.

Curt Keplin, CK Marketing & Consulting: Alle genannten Werkzeuge befinden sich im Kasten und werden je nach Veröffentlichung in unterschiedlicher Form eingesetzt. Produktmanagement, Daten und deren Aufbereitung, Distribution sind dabei das A und O bei nahezu jeder Veröffentlichung. Schnell kommen dann Marketing und Promotion Services in unterschiedlicher Art und Umfang hinzu. Social Media ist hier die variabelste Komponente. Generell bleibt festzuhalten, dass Labelservices nicht alle Aufgaben eines Labels ausfüllen und deshalb vielseitig, gut aufgestellte Teams seitens der Künstler einen noch höheren Stellenwert einnehmen. Management, Verlag und Booking-Agent sind essentielle Bestandteile des Setups, um die Zusammenarbeit zwischen Künstler und Labelservice so produktiv wie möglich zu gestalten.

Stefan Kleist, Sales Director Edel Distribution: Bei Edel können wir alles aus einer Hand abbilden: physischen Vertrieb via Edel Distribution, digitalen Vertrieb durch die Spezialisten bei Kontor New Media, Logistik und Fertigung bei den Kollegen von optimal media. Wir bieten verschiedene buchbare Module wie veröffentlichungsunterstützendes Produktmanagement und Marketing, Beratung und Kooperationen, Lizenzabrechnung und GEMA-Abwicklung. Natürlich sind wir auch Ansprechpartner für Social-Media- Kampagnen oder Handelsmarketing, bieten AMS- und Online-Kampagnen für Buch, CD, LP, DVD, BluRay oder Sonderprodukte - bei uns ist alles möglich!

Tina Koppelin, Senior Marketing Director GSA AWAL/Kobalt: Das passt schon mal ganz gut, trifft es aber nur zu einem Teil. AWAL setzt auf Qualität statt Quantität. Das heißt, unser Roster besteht aus Künstlern, die eine nachhaltige Karriere anstreben und wird von unserem A&R-Team kuratiert. AWAL arbeitet mit Künstlern zusammen, von denen wir glauben, dass wir ihnen helfen können. Und in der heutigen Zeit nicht wegzudenken: Going Global - AWAL ist ein globales Team und sucht weltweit nach Möglichkeiten, Musik zu platzieren. Ebenso werden Budgets oder Roll-Outs länderübergreifend koordiniert. Ein weiteres Werkzeug ist Transparenz: Mit der AWAL-App haben wir die umfassendste Plattform für Analysen in der Musikbranche aufgebaut, zu der jeder unserer Künstler Zugang hat. Auch haben wir dadurch sehr kurze Auszahlungszyklen, was besonders für jüngere Künstler ein wichtiger Faktor ist, um nicht zu lange auf ihr Geld warten zu müssen.

Feline Moje, Director Recorded Music GSA BMG: Alles. Wir nutzen gern das Bild eines gedeckten Tisches, an dem noch Plätze frei sind. Die nimmt unser Team ein. Welche Plätze das sind, hängt dabei vom Künstler und dessen Set-up ab. Wir bestimmen die Maßnahmen gemeinsam und koordinieren die Umsetzung. Runtergebrochen ist es also ein Alles-kann-nichts-muss-Szenario.

Michael Pohl, Managing Director Kontor New Media: Neben der klassischen Vertriebsarbeit sind für uns mittlerweile Bereiche wie detaillierte Datenaufbereitung und Streaming Analytics, Sales Marketing, Social Media Support und Beratung für Kampagnen, Supply Chain Management und auf Wunsch auch Produktmanagement selbstverständliche Bestandteile unseres Leistungsspektrums. Neben diesen teils auch technisch getriebenen Services steht allerdings der persönliche Kontakt zu unseren Vertriebspartnern im Zentrum der Zusammenarbeit, genauso wie die maximale Transparenz in unserem Handeln und Tun.

Stefan Strüver, General Manager PIAS Germany: Unser Werkzeugkasten stellt selbstverständlich all diese Serviceleistungen zur Verfügung. Wenn etwas fehlt, gehen wir uns das im Baumarkt nebenan besorgen. Hier gilt es, sich im Vorfeld gut abzustimmen, um das beste Set-up für eine VÖ auf die Beine zu stellen. Wir sind auf jeden Fall gerüstet!

Arne Thamer und Sebastian Król, Geschäftsführer Backseat PR & Labelservices: Alles, was in der Frage genannt wird! Zudem ein langfristiger Ansatz, der die Künstlerentwicklung in den Fokus stellt. Dazu gehört auch, durch Netzwerkarbeit Hilfestellungen zu leisten in Bereichen wie Booking und Verlag. Wir organisieren zudem Label-Showcases, um neue Acts vorzustellen. Einerseits auf dem Reeperbahn Festival, zudem mit der neuen Konzertreihe »We Need More Indie« in Hamburg und Berlin.

Horst Weidenmüller, CEO !K7: Alle »Werkzeuge«, die !K7 hat, werden auch eingesetzt. Da unterscheiden wir nicht, ob es ein Artits-Direct-Deal ist oder die Platte von einem unsere Labels kommt.

Jorin Zschiesche, Geschäftsführer recordJet: All das genannte und noch viel mehr: Die meist gebuchten Dienstleistungen sind, neben des Digitalvertriebs natürlich, interessanterweise der physische Bereich mit individuellen Pressungen, aber auch die direkte MPN-Bemusterung. Insgesamt haben wir weitreichende Pläne, den Bereich deutlich auszubauen und das Leben für selbstvermarktende Künstler und vor allem auch Labels wesentlich einfacher und noch effektiver zu machen.

Zusammenstellung: Knut Schlinger