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Komplexer Kampf gegen den Zweitmarkt

Die einstweilige Verfügung der Ärzte gegen Viagogo und die damit verbundene Frage, ob und wie man den unautorisierten Ticketzweitmarkt besiegen kann, treibt die Livebranche um. MusikWoche fragte Betroffene wie Juristen und die Politik nach Hintergründen und künftigen Strategien.

05.03.2020 11:39 • von Jonas Kiß
- (Bild: Manfred Tari)

Die einstweilige Verfügung der Ärzte gegen Viagogo und die damit verbundene Frage, ob und wie man den unautorisierten Ticketzweitmarkt besiegen kann, treibt die Livebranche um. MusikWoche fragte Betroffene wie Juristen und die Politik nach Hintergründen und künftigen Strategien.

Die nach eigenen Angaben »beste Band der Welt« hat ein Problem, genauer gesagt ein Riesenproblem mit Viagogo. Denn angesichts der finanziellen Größenunterschiede zwischen den Kontrahenten mutiert das Trio im direkten Vergleich unversehens zu einem David, der sich mit einem milliardenschweren multinationalen Goliath mit Filialen in 70 Ländern anlegt. Ob Ed Sheeran, Helene Fischer oder aktuell der Bundesligaverein Borussia Dortmund - seit Jahren wächst die Liste der Künstler und Veranstalter, die dem Geschäftsmodell von Viagogo und anderen Ticketbörsen trotzen. Das Geschäft mit dem Weiterverkauf von Eintrittskarten für Veranstaltungen jedweder Art ist jedoch äußerst lukrativ und immerhin so rentabel, dass Viagogo sich nun für umgerechnet 3,6 Milliarden Euro die Übernahme des Mitbewerbers StubHub leisten kann. Obgleich unerwünscht tragen bis auf weiteres nun auch die Ärzte und ihre Fans indirekt zur Finanzierung des milliardenschweren Deals ihren Anteil bei, wenn sie Karten bei Viagogo zu überhöhten Preisen erwerben.

Da aber weder die Ärzte, deren Konzertagentur KKT oder die Ticketplattform OPM diese Art von vermögensbildenden Maßnahmen tolerieren, beschreiten diese den Rechtsweg und haben gegenüber Viagogo eine einstweilige Verfügung erwirkt. Doch selbst bei eindeutiger Rechtslage gestaltet sich die Umsetzung dieses Anliegens aufwändig und mühselig, erfordert Geduld und verursacht Nebenkosten. Viagogo hingegen verfährt in der Zwischenzeit ganz ungeniert nach der Maxime »Divide Et Impera« (Teile und herrsche) und verdient ebenso wie Google prächtig an den Konzerten der Ärzte und anderen Acts.

Ein Geschäftsmodell wirft Fragen auf

Das verlangt nach einer Aufarbeitung über ein hemmungsloses Geschäftsmodell, das im Zeitalter marktbeherrschender Digitalgiganten in Deutschland und auf europäischer Ebene Fragen nach der Notwendigkeit gesetzlicher Neuregelungen aufwirft, die dem ungleichen Kräftemessen zwischen großen und kleinen Akteuren juristisch besser beikommen, als dies gegenwärtig der Fall ist. Es ist nicht das erste Mal, »dass sich unsere Künstler und wir uns über die Verkaufspolitik von Viagogo aufgeregt haben«, räumt Kiki Ressler, Geschäftsführer der Berliner Konzertagentur KKT, gegenüber MusikWoche ein. »Der Druck auf den Ticketvorverkauf für die erste Ärzte Tournee seit 2013 war extrem groß. Und somit, einem deutlichen Muster folgend, waren die Angebote auf Viagogo früher platziert und auch zu noch überhöhteren Preisen als sonst - im Schnitt zum dreifachen Ticketpreis des regulären Endverbraucher- Preises, obwohl die AGBs des exklusiven Ticketverkäufers der Tour, OPM, dieses klar untersagen.«

Die Ärzte, KKT und OPM erwirkten deswegen mittels der Anwaltskanzlei Schütz Rechtsanwälte unlängst beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegenüber Viagogo. Bewehrt mit einem Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro, verbietet diese dem Unternehmen »unzutreffende Originalpreise bei Verkaufsangeboten für Tickets der Band zu behaupten«. Vom Firmensitz in der Schweiz aus ließ Viagogo daraufhin MusikWoche über eine zwischengeschaltete PR-Agentur wissen, diese sei dem Unternehmen noch nicht zugestellt worden, weswegen sie wirkungslos sei und dementsprechend »keinen Einfluss auf das Nutzererlebnis von Käufern und Verkäufern auf unserer Plattform« habe.

Wie ein aktueller Blick auf die Viagogo-Website zeigt, beabsichtigt das Unternehmen, offenbar vorerst weiter an der insgesamt 26 Termine umfassenden »In The Ä Tonight Tour« mit einem Volumen von 320.000 Tickets mitzuverdienen. Auch ist die Variante mit Zustellungsproblemen von gerichtlichen Schreiben bei Viagogo kein Einzelfall. Laut eines aktuellen Gerichtsbeschlusses vom Oberlandesgericht Hamburg vom 16. Januar 2020 verfügte das Gericht Viagogo zur Zahlung eines Ordnungsgeldes in Höhe von 20.000 Euro. Anlass hierfür war, dass das Unternehmen unter Berufung auf Schweizer Gerichte eine zuvor zugestellte gerichtlich erteilte Unterlassungsverfügung für den Verkauf von Tickets für Rammstein- Konzerte in 2019 als nicht vollstreckbar erachtete. Bleibt daher die Frage, welche Anstrengungen KKT nun im operativen Betrieb unternimmt, um dem unerwünschten Weiterverkauf von Eintrittskarten entgegen zu wirken.

»Wir werden in Zukunft das Konstrukt beim Vorverkauf weiter straffen, um eine noch bessere Durchsetzbarkeit gegen Schwarzhändler zu erlangen «, so Ressler. »Bei exklusiven, kleineren Shows großer Acts werden wir nur noch mit einer harten Personalisierung arbeiten und diese vor Ort auch kontrollieren und durchsetzen. Leider zeigen Beispiele anderer Bands und Künstler, die dieses System nutzen, dass es Viagogo nicht davon abhält, auch diese Tickets anzubieten, obwohl die Käufer mit den dort zu deutlich teureren Preisen gekauften Tickets keinen Einlass zu den Shows bekommen werden.

Veranstaltern bleiben wenige Alternativen

Wir haben schon gehadert, das Problem so auf den Ticketkäufer abzuwälzen, der somit dann zum doppelt Geschädigten wird. Zum einen kauft er ein Ticket zu einem völlig überhöhten Preis, zum anderen wird ihm damit dann auch noch der Einlass in das lang ersehnte Konzert verweigert. Aber solange es keine rechtliche Regelung dieses Ticketschwarzmarkts gibt, müssen wir ja irgendwie handeln, um unsere Künstler und uns zu schützen.« Was die Beurteilung der rechtlichen Situation in diesem Zusammenhang betrifft, beschreibt Christian Karl von der mit dem Fall betrauten Anwaltskanzlei Schütz Rechtsanwälte diese wie folgt: »Unser kaum reguliertes System überlässt solche Regelungen letztlich den Veranstaltern selbst. Das ist natürlich mit Aufwand verbunden und beeinträchtigt den fairen Fan und Ticketkäufer, etwa dann, wenn Ausweise kontrolliert werden müssen und Umpersonalisierungen nur über spezielle Plattformen möglich sind.«

Zwischenzeitlich haben sich aber auch praktisch gut umsetzbare Lösungen etabliert, die gerichtlich wiederholt bestätigt wurden, befindet Karl und nennt das »Stichwort: Namensfeld zum Selbsteintragen«. Unter anderem werden durch diese »Ticketgestaltung« Ticketsperrungen möglich. Klarer Vorteil von »scharfen « Verbotsnormen, zum Beispiel im Straf- oder Ordnungswidrigkeitenrecht, sei es aber, dass »solche Verbote abschreckend wirken und konsequent durch staatliche Stellen durchgesetzt werden können. Schon das sorgt für eine hohe Akzeptanz und präventive Wirkung, sofern der Staat in der Lage ist, sich um solche Aufgaben zusätzlich zu kümmern.« Ähnlich äußert sich auch der Rechtsanwalt Sebastian Ott von der Kanzlei Lichte Rechtsanwälte, der zudem anmerkt, dass es in Deutschland »leider bisher keine besonderen Gesetze für den Bereich des Ticketzweitmarkts « gibt.

Zwar sei hierzulande die Rechtslage eindeutig, wonach nicht personalisierte Eintrittskarten auf dem Ticketzweitmarkt gehandelt werden können, während hingegen personalisierte Tickets nicht frei weiterverkauft werden dürfen. Ott, einer der Anwälte, die unter anderem die Belange von Rammstein und deren Konzertagentur MCT in solchen Angelegenheiten vertreten, betont, dass das »in Deutschland geltende Recht im Grundsatz auch angewendet wird. Dies zeigt die Vielzahl an gerichtlichen Entscheidungen im Bereich des Zweitmarkts gegen Firmen wie Viagogo und Ticketbande. Äußerst problematisch wird es jedoch, wenn es um die tatsächliche Durchsetzung dieses Rechts in Deutschland geht.« So sei die »langwierige juristische Durch setzung gegen einen bestens aufgestellten Gegner wie Viagogo mit Adresse und Briefkasten in der französischsprachigen Schweiz, der notfalls wie in Frankreich auch den Weg durch alle Instanzen und sogar an ein Verfassungsgericht nicht scheut, dann natürlich lang.« Allerdings zeigt sich Karl zuversichtlich, dass sich der große Aufwand für jedes einzelne Verfahren lohnt, denn gleichzeitig hilft »aus unserer Erfahrung jede Form der Aufklärung über das "Geschäftsmodell Viagogo" an sich, da noch immer unzählige Verbraucher gar nicht merken, wo sie da eigentlich ihre Tickets kaufen und wie erheblich die teilweise verlangten Preisaufschläge wirklich sind.«

Ordungsgelder sind Ermessungssache

Die angesprochenen Ordnungsgelder sind gerichtlich angeordnete Zwangsmittel zur Durchsetzung der zivilrechtlichen Entscheidung eines Gerichts im Einzelfall und liegen im Ermessen des jeweiligen Gerichts. Dieses Zwangsmittel wird für den Fall angedroht, dass eine beklagte Partei sich nicht an gerichtliche Vorgaben hält. Theoretisch wäre ein Betrag von bis zu 250.000 Euro pro Fall oder sogar die Verhängung von Ordnungshaft möglich. Im Vorlauf hierzu muss aber der Kläger, also ein Veranstalter, erst eine einstweilige Verfügung oder ein Urteil erstreiten und dann - im Falle von erneut festgestellten Verstößen - im Rahmen von zusätzlichen Verfahren selbst die Verhängung eines Ordnungsgeldes beantragen. Alle Verfahren laufen also auf Betreiben der jeweiligen Kläger, wobei die Ordnungsgelder am Ende in die Staatskasse fließen.

Im Gegensatz dazu wird strafrechtlich relevantes Verhalten staatlich verfolgt und sanktioniert. Was den finanziellen Rahmen anbelangt, sollte dieser natürlich in allen Fällen angemessen und möglichst abschreckend hoch sein. Die so laut Karl »bislang von uns gegen Viagogo in einigen zivilrechtlichen Verfahren erwirkten Ordnungsgelder im jeweils fünfstelligen Bereich sind zumindest ein Anfang. Bei fortgesetzten Verstößen ist davon auszugehen, dass die Ordnungsgelder auch in der individuellen Höhe rasch steigen dürften. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass Viagogo für die Übernahme von Stub- Hub gerade vier Milliarden Dollar an eBay bezahlt, muss man diese Frage allerdings ernsthaft aufwerfen«.

In Frankreich und Italien haben die dortigen Gesetzgeber längst ungleich rigidere Regelungen gegen den prosperierenden Schwarzhandel mit Eintrittskarten erlassen. So wird in Frankreich seit 2012 der nicht autorisierte Zwischenhandel von Tickets im Erstfall mit einer Geldstrafe von 15.000 Euro, im Wiederholungsfall von 30.000 Euro geahndet. Italien zog 2016 nach, wo derartige Verstöße mit Bußgeldern von 5000 Euro bis fünf Millionen Euro belegt werden können. So verurteilte bereits 2018 ein italienisches Gericht Viagogo zu einer Geldstrafe von einer Millionen Euro. »In diesen beiden Ländern hat der Gesetzgeber bereits vor einiger Zeit erkannt, dass in dem Bereich des Ticketzweitmarkts dringender Handlungsbedarf besteht«, erläutert Karl. »Dort wurden daher besondere Gesetze für diesen Bereich verabschiedet. Allerdings haben sowohl Frankreich als auch Italien - trotz der dort geltenden Rechtslage - weiter mit großen Problemen des Ticketzweitmarkts zu kämpfen. Dies zeigt, wie schwer es ist, den Bereich effektiv zu regulieren. «

Auslandssitze erschweren Prozesse

Hinzu kommt, dass die immer wieder im Fokus stehenden Unternehmen ihren Sitz im Ausland haben, wodurch sich laut Ott »Sanktionen, wenn überhaupt, nur sehr schwer und mit immensen Kosten durchsetzen lassen. Hiermit wird es diesen Firmen sehr einfach gemacht, drohende Sanktionen zu umgehen.« Am Ende führe dies »zu dem absurden Ergebnis, dass viele Anbieter des Ticketzweitmarkts regelmäßig weitgehend unbehelligt gegen deutsches Recht verstoßen, ohne ernsthafte Konsequenzen fürchten zu müssen. « Genau an dieser Stelle muss der deutsche Gesetzgeber dringend einschreiten, wünscht sich Ott. »Die Zivilprozessordnung muss in einer Weise reformiert werden, die dazu führt, dass sich Firmen in diesem Bereich nicht mehr hinter ihrem Sitz im Ausland verstecken können. An einer Reform in diesem Sinne wird der deutsche Gesetzgeber nicht mehr lange vorbeikommen. Denn dass heutzutage im Internet tätige Firmen vom Ausland aus agieren, ist inzwischen vollkommen alltäglich. Leider hinkt Deutschland hier weit hinterher. Dies zeigt auch die Entwicklung in Frankreich, Italien und insbesondere auch Großbritannien.«

Auch Otts Kollege Karl findet Gefallen an den Gesetzen in Frankreich und Italien: »Insbesondere die rechtlichen Vorgaben in Frankreich sind seit Jahren erfreulich scharf, da sie sich im Bereich des Strafund Ordnungswidrigkeitenrechts bewegen. Das heißt, dass der Staat ein Zeichen setzt, ein als verwerflich erkanntes Verhalten unmittelbar unter Strafe stellt und selbst gegen überteuerte Weiterverkäufe vorgeht, anstatt die Thematik der Selbstregulierung des Marktes und dem punktuellen Eingreifen von Verbraucherschutzverbänden oder Wettbewerbern zu überlassen.« Karl erkennt darin einen anderen Ansatz als den, der unter anderem in Deutschland gewählt wurde. Gleichwohl stehen im zivilrechtlichen Bereich »auch uns längst brauchbare Ansätze zur Verfügung - man muss sie nur konsequent nutzen.« Global gäbe es längst verschiedene regulatorische Ansätze, die nach Ansicht von Karl »alle zu begrüßen sind - viel hilft hier viel.« Die meisten Regelungen in Europa gehen zurück auf Vorgaben der EU, die allerdings national unterschiedlich streng und an unterschiedlichen Stellen umgesetzt werden.

»Mit der EU Richtlinie 2019/2161, dem New Deal For Consumers zur besseren Durchsetzung und Modernisierung der Verbraucherschutzvorschriften der Union, bekommt der Gesetzgeber in Deutschland nun weitere Instrumente an die Hand, etwa ein ausdrückliches Verbot von Bot-Bestellungen.« Sogar eine Regulierung von Weiterverkaufspreisen, etwa durch einen maximal zulässigen Zuschlag von 15 bis 20 Prozent auf den aufgedruckten Preis, wäre aus Sicht von Karl hilfreich. Ebenso wie jede Verschärfung von Transparenz-Pflichten auf Onlineplattformen. »Wünschenswert wäre auch ein gesetzlich fixierter Auskunftsanspruch gegen erkannte Weiterverkäufer, um die Dimensionen von deren Handel besser erkennen zu können.«

Damit einhergehend fallen auch die Appelle von Branchenrepräsentanten wie Scumeck Sabottka von MCT und Stephan Thanscheidt von FKP Scorpio an die Politik aus. So äußert Sabottka, es »ist absolut verständlich, dass eine politisch herbeigeführte Entscheidung und Gesetzesänderung bei einem so komplexen Thema wie dem Ticketverkauf auf dem Zweitmarkt nicht einfach herbeizuführen ist. Dennoch appelliere ich an die Volksvertreter, sich diesem Thema rasch anzunehmen, denn aufgrund dieser Gesetzeslücke wird den Fans, Künstlern und Veranstaltern sehr viel Geld aus der Tasche gezogen - und das in einem Land, welches an sich demokratisch agiert.

Es wäre im Sinne der Bundesrepublik, dies umgehend einzudämmen, so wie es zum Beispiel in unserem Nachbarland Frankreich bereits passiert ist.« Thanscheidt hingegen nimmt bereits erste Entwicklungen auf politischer Ebene wahr, »die in die richtige Richtung gehen, wie zum Beispiel die erste EU-Richtlinie zum Thema Ticketing«, wie der besagte New Deal. Aber gleichzeitig sei es auch ein Schritt zurück, dass Viagogo wieder in den Top-Suchergebnissen für Ticketangebote bei Google auftaucht. Der FKP-Scorpio-Geschäftsführer fordert daher, dass »die Öffentlichkeit noch genauer über das Geschäftsmodell von Viagogo und anderen ähnlich operierenden Anbietern informiert werden muss. Ich würde es begrüßen, wenn wir europaweit einheitliche Gesetze hätten, die den Umgang mit solchen Unternehmen regeln.«

Diskrepanz bei Google wirft Fragen auf

In der Tat wirft insbesondere die Diskrepanz zwischen dem Anspruch und der geschäftlichen Wirklichkeit von Google Fragen auf. So lautet eine der firmeneigenen Richtlinien für Anzeigen zum Weiterverkauf von Eintrittskarten von Google, es brauche ein »Schreiben mit Briefkopf, das von einem Anwalt oder einem Mitglied der Geschäftsführung des Unternehmens des Werbetreibenden unterzeichnet wurde und die Beziehung oder Partnerschaft zwischen dem Unternehmen und der mit der Veranstaltung in Verbindung stehenden Gruppe bescheinigt.« Darauf angesprochen meint Thanscheidt: »Ich bin kein Jurist und möchte nicht beurteilen, ob Viagogo diese Kriterien formal erfüllt oder nicht. Mir geht es primär um die Kunden, die das Vertrauen in unsere Produkte oder gar in die Branche verlieren, weil sie überhöhte Gebühren zahlen für Tickets, die ihnen dann noch nicht einmal immer Zutritt zu der Veranstaltung gewähren. Und da wünsche ich mir, dass mit Hilfe von Politik und Gesetzgebung die Kunden künftig besser geschützt werden.«

Auch Sabottka kommentiert das offensichtlich widersprüchliche Verhalten des Unternehmens: »Ich hatte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass ein US-amerikanisches Unternehmen wie Google Richtlinien folgt, wenn sie um die Ecke noch mehr Profit einstreichen können. Diese Firma macht in meinen Augen nichts anderes, als das, was ihnen von der momentanen politischen Mehrheit in ihrem Land vorgelebt wird - schade natürlich, aber hat mich nicht wirklich überrascht.« Gleichsam äußert sich Ressler in diesem Zusammenhang: »Nein, von Google kann man nicht enttäuscht sein. Es passt in das Bild eines ausschließlich umsatzgetriebenen Konzerns, der sich nichts anderem verpflichtet fühlt. Auch hier gilt, ohne verbindliche Vorgaben durch den Gesetzgeber wird sich nichts ändern.« Auf die Frage, was sich Ressler denn von der Politik hinsichtlich einer strikten Regulierung des Zweitmarkts erhofft, äußert dieser abschließend lediglich: »Was soll ich dazu sagen? Wir verkaufen halt nur Konzertkarten und keine Autos.«

Text: Manfred Tari