Livebiz

Coronavirus versetzt deutsche Veranstalter noch nicht in Krisenstimmung

Vor wenigen Tagen meldete Jens Michow vom BDKV bereits einen "erheblichen Einbruch" bei den Kartenverkäufen im Live-Entertainment-Bereich. In einer Blitzumfrage von MusikWoche bestätigen Veranstalter wie DEAG, CTS Eventim, FKP Scorpio, BigCityBeats und a.s.s. concerts diese Einschätzung jedoch nur bedingt.

03.03.2020 13:03 • von Frank Medwedeff
Warnt vor Hysterie: Michael Bisping von a.s.s. concerts (Bild: Elfriede Liebenow)

MusikWoche wollte in einer Umfrage von Firmen aus dem Live-Entertainment-Bereich wissen, wie sie die Entwicklung der Auswirkungen des Coronavirus auf die Branche einschätzen, und ob sie bereits Einbußen bei den Kartenverkäufen feststellen mussten. Dies sei bislang weitgehend noch nicht der Fall.

"Ganz unabhängig davon, dass ich die gesamte Angelegenheit als einen riesigen Hype betrachte, der lediglich die Menschen verunsichert, hat sie natürlich Auswirkungen auf die Branche", erklärt Michael Bisping, Managing Director ass concerts & promotion. "Wir müssen leider mit den ersten Absagen - künstler- wie veranstalterseitig - leben, und ich kann nur hoffen, dass die Mehrzahl der deutschen Behörden besonnen genug bleibt, der Hysterie nicht noch durch allgemeine Konzert- und Veranstaltungsabsagen weitere Nahrung zu geben. In den Ticketverkäufen hat sich die Situation bisher nicht wiedergespiegelt ... was hoffen lässt, dass die Majorität der Bevölkerung vernünftig bleibt", so Bisping weiter.

"Natürlich beobachten und analysieren wir die Situation im Hinblick auf die weitere Verbreitung von COVID 19 genau", erklärt ein Sprecher von CTS Eventim. "Derzeit können wir nur vereinzelte Auswirkungen auf unser Geschäft feststellen, wie zum Beispiel in (Nord-)Italien und in der Schweiz, wo Veranstaltungen und Events derzeit verschoben werden müssen. Nach unserem derzeitigen Stand gibt es in Deutschland aufgrund von COVID 19 keine Einschränkungen oder Verschiebungen im Live Entertainment. Mittelfristig müssen wir prüfen, ob und wie sich das Kundenverhalten in Bezug auf die Teilnahme an Großveranstaltungen ändern kann."

"Es gibt weder bei den Vorverkäufen noch bei der Durchführung von Veranstaltungen irgendwelche Einbrüche oder Vorkommnisse", verlautet die Deutsche Entertainment AG (DEAG).

FKP Scorpio gibt folgendes Statement ab: "Der Einfluss des Coronavirus auf die Live-Branche lässt sich derzeit noch nicht abschätzen und ist maßgeblich vom weiteren Verlauf der Neuinfektionen abhängig. Bislang spüren wir noch keine Auswirkungen in den Verkäufen. In jedem Fall beobachten wir die Situation genau und stehen in Kontakt mit den zuständigen Behörden."

"Sollte die Erde stillstehen, so werden wir alle stillstehen. Aber solange sie das nicht tut, werden wir mit Vollgas unsere Visionen umsetzen", bekräftigt Bernd Breiter, CEO bei BigCityBeats. "Momentan verzeichnen wir keine Veränderungen in den Sales. Die Fragen besorgter Gäste, ob der World Club Dome stattfinden wird, erreichen uns jedoch vermehrt nach diesem Wochenende."

Am 28. Februar hatte Jens Michow, der geschäftsführende Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), indes bereits einen "erheblichen Einbruch" bei den Kartenverkäufen gemeldet und vor einem drohenden "wirtschaftlichen Kollaps" vieler Unternehmen im Falle behördlich angeordneter Konzert- und Veranstaltungsabsagen gewarnt.