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Coronavirus bedroht Konzertbranche

Laut dem BDKV bangen angesichts der Verbreitung des Coronavirus und dadurch bedingter Veranstaltungsabsagen nun auch die deutschen Konzert- und Tourveranstalter "um ihre Existenz". Verbandspräsident Jens Michow konstatiert bereits einen "erheblichen Einbruch" bei den Kartenverkäufen und warnt vor dem drohenden "wirtschaftlichen Kollaps" vieler Unternehmen im Falle behördlich angeordneter Absagen.

28.02.2020 17:53 • von Frank Medwedeff
Schlägt Alarm: BDKV-Präsident Jens Michow (Bild: Klaus Westermann)

Wie der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) verkündet, bangen jetzt auch auch die deutschen Konzert- und Tourneeveranstalter vielfach um ihre Existenz, nachdem in Norditalien und der Schweiz größere Musik- und Sportveranstaltungen nicht mehr stattfinden dürfen, und auch in Deutschland bereits erste Messeveranstaltungen abgesagt wurden.

"Wir beobachten bereits seit einigen Tagen einen erheblichen Einbruch bei den Kartenverkäufen, und Inhaber von Karten versuchen zunehmend, diese gegen Erstattung des Eintrittsgeldes zurückzugeben", sagt Jens Michow, geschäftsführender Präsident des BDKV. "Sofern wir zukünftig Veranstaltungen aufgrund behördlicher Anordnungen ausfallen lassen müssen, droht zahlreichen Veranstaltungsunternehmen der wirtschaftliche Kollaps". Zwei börsennotierte Unternehmen des Wirtschaftszweiges hätten bereits Kurseinbrüche in zweistelliger Höhe hinnehmen müssen.

In der Veranstaltungsbranche sind, wie der BDKV angibt, rund 3.000 selbstständig tätige Inhaber von Veranstaltungsunternehmen sowie etwa 30.000 sozialversicherte und geringfügig Beschäftigte tätig. Der Wirtschaftssektor nehme somit "die Spitzenstellung innerhalb der Wertschöpfungskette der Deutschen Entertainmentmärkte ein". Gemäß der letzten Marktstudie, die von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des BDKV durchgeführt wurde, beträgt der Umsatz mit Konzert- und sonstigen Veranstaltungen hierzulande jährlich rund fünf Milliarden Euro. Die durch Musikveranstaltungen induzierten Ausgaben im Musiktourismus summieren sich auf weitere rund 5 Milliarden Euro pro Jahr.

"Selbstverständlich haben wir uneingeschränktes Verständnis für alle gebotenen gesundheitsschützenden Maßnahmen", so Michow. "Die flächendeckende Absage von Musik- und sonstigen Veranstaltungen werden viele Veranstalter allerdings wirtschaftlich nicht überleben" befürchtet der Verbandspräsident. "Die Auswirkungen für unsere Wirtschaft wären erheblich, denn betroffen wären auch die Künstler sowie die zahlreichen vom Veranstaltungsgeschäft abhängigen Dienstleister - angefangen mit Hallenbetreibern, Technik-Verleihern, Sicherheitsunternehmen sowie vielen anderen Unternehmen, die mittelbar beziehungsweise unmittelbar an der Wertschöpfungskette beteiligt sind."

Der BDKV habe sich daher an das Bundesministerium für Wirtschaft gewandt und auf die zu erwartenden Probleme hingewiesen. "Für den Fall der Fälle benötigen wir dringend ein Hilfeprogramm, welches schnell greifen muss" sagt Michow. "Vor allem aber hoffe ich, dass die maßgeblichen Behörden in jedem Einzelfall sehr behutsam prüfen, ob die Anordnung einer Veranstaltungsabsage tatsächlich aufgrund einer konkreten und nicht nur abstrakten Gefährdungslage tatsächlich zwingend erforderlich ist".