Unternehmen

Briegmann, von Löhneysen und Mushatsi-Kareba analysieren die Jahresbilanz

Der deutsche Musikmarkt schloss das Jahr 2019 mit einem Plus in Höhe von 8,2 Prozent ab. Aus dem Vorstandsgremium des Bundesverbands Musikindustrie nehmen die Spitzenmanager Frank Briegmann (Universal Music) und Konrad von Löhneysen (Embassy of Sound and Media) die jüngsten Entwicklungen im Geschäft mit Recorded Music unter die Lupe. Kurz darauf meldete sich auch Patrick Mushatsi-Kareba (Sony Music) dazu zu Wort.

27.02.2020 11:30 • von
Sehen noch weiteres Potenzial im deutschen Musikmarkt: die BVMI-Vorstandsmitglieder Frank Briegmann (links) und Konrad von Löhneysen (Bild: Laurence Chaperon und Markus Nass )

Der deutsche Musikmarkt schloss das Jahr 2019 mit einem Umsatzplus in Höhe von 8,2 Prozent ab. Aus dem Vorstandsgremium des Bundesverbands Musikindustrie nehmen die Spitzenmanager Frank Briegmann, CEO & President Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon, und Konrad von Löhneysen, Managing Director Embassy of Sound and Media, die jüngsten Entwicklungen im Geschäft mit Recorded Music unter die Lupe. Kurz darauf meldete sich auch Patrick Mushatsi-Kareba dazu zu Wort, CEO GSA Sony Music Entertainment. Warner Music wollte die Zahlen mit Verweis auf die sogenannte "Quiet Period" im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Börsengang nicht kommentieren.

MusikWoche: Wie beurteilen Sie die jüngsten Marktzahlen?

Frank Briegmann: Der Musikmarkt zeigt sich 2019 so wachstumsstark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr: Mehr als acht Prozent Plus im Gesamtmarkt und 27 Prozent bei den Streamingumsätzen beweisen, dass unser Wachstum nachhaltig und die Erwartungen an die Zukunft gerechtfertigt sind. Wachstumstreiber bleibt das Streaming, aufsetzend auf dem aktuell noch immer substantiellen CD-Geschäft mit knapp einem Drittel Umsatzanteil. Einen besonders großen Beitrag zu diesem Erfolg haben erneut die Domestic Acts geleistet. Sie belegen acht der Top-10-Plätze in den Album-Jahrescharts, von denen wiederum sechs von Universal-Music-Künstlern gehalten werden. Trotz allen berechtigten Jubels haben wir das einstige Marktniveau rund um die Jahrtausendwende noch bei weitem nicht wieder erreicht und werden daher nicht nachlassen, gemeinsam mit unseren Künstlerinnen und Künstlern für weiteres Wachstum des gesamten Ökosystems Musikwirtschaft zu kämpfen. Dazu gehört auch die nationale Umsetzung der europäischen Copyright-Direktive.

MusikWoche: Schon zum Halbjahr lag das Umsatzplus bei 7,9 Prozent, nun sind es fürs Gesamtjahr 8,2 Prozent geworden. Worauf lässt sich diese Entwicklung zurückführen?

Konrad von Löhneysen: Die Zahlen sind relativ eindeutig. Das Wachstum im Streaming ist weiterhin stabil und der physische Rückgang fällt etwas gebremst beziehungsweise in absoluten Zahlen nicht mehr so stark aus.

___"KONSUMENTEN, DIE AUSSCHLIESSLICH TONTRÄGER KAUFEN, GEBEN IM SCHNITT NUR HALB SO VIEL GELD FÜR MUSIK AUS WIE STREAMER MIT EINEM PREMIUM-ABONNEMENT." Frank Briegmann

Frank Briegmann: Immer mehr Menschen entscheiden sich für das Streaming als Quelle ihres Musikkonsums. Die Rechnung ist einfach: Konsumenten, die ausschließlich physische Tonträger kaufen, geben im Schnitt nur halb so viel Geld für Musik aus wie Streamer mit einem Premium-Abonnement. Unter dem Strich bleibt 2019 ein Umsatzplus von 27 Prozent im Streaming, das auch den Gesamtmarkt deutlich in die Wachstumszone gepusht hat. Wichtig für die Entwicklung des Gesamtmarkts ist aber auch der im internationalen Vergleich noch immer große und werthaltige Erfolg der physischen Formate. Die CD verbuchte in Deutschland mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz.

Patrick Mushatsi-Kareba: Das ist ganz klar auf das anhaltende Streaming-Wachstum zurückzuführen, aber auch auf den langsameren Rückgang der physischen Tonträger. Wir sind mit Premiumprodukten stark in allen Marktsegmenten vertreten.

MusikWoche: Die Zahl der Streams wuchs 2019 auf 107 Milliarden Abrufe, hat der deutsche Musikmarkt damit auch im internationalen Vergleich den Anschluss geschafft und sehen Sie noch weiteres Potenzial im Markt?

Frank Briegmann: 2018 lagen wir zehn Prozentpunkte unter dem globalen Durchschnitt. Diese Tatsache und auch ein Blick auf andere Regionen wie Skandinavien zeigen uns, dass im deutschen Markt noch sehr viel Potenzial für kostenpflichtiges Musikstreaming besteht. Die Nutzerfreundlichkeit und der Gegenwert, den man für ein Streaming-Abonnement erhält, sind im Digitalbereich augenblicklich unschlagbar. In Kombination mit der weiteren Entwicklung im Bereich Smart Home und Connected Car sehe ich auch weiterhin deutliches Wachstumspotenzial.

___"JETZT GEHT ES DARUM, INNERHALB UNSERES ERSTARKTEN DIGITALEN ÖKOSYSTEMS - ALSO AUF DEN LIZENZIERTEN PLATTFORMEN - FÜR GERECHTIGKEIT ZU SORGEN!" Konrad von Löhneysen

Konrad von Löhneysen: Wir sehen ja, dass in anderen Regionen - auch in großen Märkten wie Großbritannien oder den USA - das Wachstum im prozentual zweistelligen Bereich anhält, da der physische Markt einen gewissen Floor erreicht hat. In diese Phase treten wir im deutschen Markt jetzt erst ein. Trotzdem sind die Herausforderungen an die gesamte Branche weiterhin immens hoch und es bleibt keine Zeit zum Verschnaufen. Wir waren es gewohnt, Piraterie von außen zu bekämpfen. Jetzt wird es darum gehen, innerhalb unseres erstarkten digitalen "Ökosystems" - also auf den lizenzierten Plattformen - für Gerechtigkeit zu sorgen! Geschichte wird gemacht - es geht voran.

Patrick Mushatsi-Kareba: Wir gehen weiterhin von einem stetigen Wachstum aus, da der Zenit im Streaming noch lange nicht erreicht ist. Gleichzeitig arbeiten wir stetig an der Erschließung neuer Konsumentengruppen. Wir sehen uns als Company gut gerüstet, sowohl organisatorisch und strukturell als auch mit fachlicher Expertise in technologischen Wachstumssegmenten wie Voice Control.