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Deutscher Musikmarkt dreht kräftig ins Plus

Nach einer zwei Jahre währenden Flaute fuhr der deutsche Musikmarkt 2019 wieder auf Wachstumskurs. Die Umsätze im Geschäft mit Recorded Music legten im prozentual höheren einstelligen Bereich zu. Das Umsatzplus fiel sogar noch freundlicher aus, als es sich zum Halbjahr angedeutet hatte.

27.02.2020 10:05 • von
Auf Kurs zur Zweidrittelmehrheit: das Digitalgeschäft schiebt die Entwicklung im deutschen Musikmarkt an und steuert inzwischen fast 65 Prozent zu den Einnahmen bei. (Bild: Zahlen: Bundesverband Musikindustrie und GfK Entertainment; Grafik: MusikWoche)

Nach einer zwei Jahre währenden Flaute fuhr der deutsche Musikmarkt 2019 wieder auf Wachstumskurs. Die Umsätze im Geschäft mit Recorded Music legten im prozentual höheren einstelligen Bereich zu. Das Umsatzplus fiel sogar noch freundlicher aus, als es sich zum Halbjahr angedeutet hatte.

Die Einnahmen der Plattenfirmen wuchsen hierzulande im Jahr 2019 um 8,2 Prozent. Das zeigt die Jahresbilanz, die der Bundesverband Musikindustrie mit Verweis auf "ein deutliches Umsatzplus" am 27. Februar in Berlin präsentierte. Die Musikunternehmen erzielten demnach mit der Vermarktung von Musik über Streamingdienste und mit dem Verkauf von physischen Produkten und Downloads Einnahmen in Höhe von 1,623 Milliarden Euro, nach Endverbraucherpreisen und inklusive Mehrwertsteuer.

Zum Vergleich: Für das Jahr 2018 weist der BVMI in seiner aktuellen Bilanz einen bereinigten Umsatz von knapp 1,5 Milliarden Euro aus, aus der nun zum Beispiel die Hörbuch-Umsätze herausgerechnet sind. Von Anfang Januar bis Ende Juni 2019 fiel derweil ein Umsatzplus von 7,9 Prozent an - und sorgte für den höchsten Zuwachs seit 1993.

Mit dem Ergebnis für 2019 kann der deutsche Musikmarkt nach zwei Jahren mit knapp rückläufigen Einnahmen - 2018 lag das Minus bei 0,4 Prozent, 2017 bei 0,3 Prozent - wieder an die Entwicklung im weltweiten Geschäft mit Recorded Music anschließen.

"2019 war ein sehr erfreuliches Jahr", bilanziert denn auch Florian Drücke als Vorstandsvorsitzender des BVMI: "Wir sehen das größte Umsatzplus seit sehr langer Zeit, was verdeutlicht, in welch dynamischem Markt sich die Branche befindet."

Klar, dass auch hierzulande Streaming das Tempo vorgibt: "Das Geschäft hat sich mittlerweile zu zwei Dritteln in den digitalen Raum verlagert", bestätigt Drücke. "Audiostreaming allein liefert mehr als die Hälfte der Brancheneinnahmen, aber auch die CD bleibt mit knapp einem Drittel Anteil am Gesamtumsatz weiterhin ein wichtiges und nicht zu unterschätzendes Marktsegment."

Nach Marktanteilen entfielen 2019 bereits 55,1 Prozent der Gesamtumsätze aufs Audiostreaming, das seine Position als führendes Marktsegment damit weiter ausbauen konnte. Es folgten die CD mit einem gerade auch im internationalen Vergleich immer noch starken Umsatzanteil von 29 Prozent sowie Downloads mit 6,2 Prozent und Vinyl mit nunmehr 4,9 Prozent Umsatzanteil.

_DIGITALMARKT MACHT FAST ZWEI DRITTEL DER UMSÄTZE

Formatübergreifend sorgten die digitalen Geschäftsfelder im vergangenen Jahr mit 64,4 Prozent für fast zwei Drittel der Einnahmen im deutschen Musikgeschäft; das kumulierte Umsatzplus lag hier bei 20,8 Prozent. Das physische Geschäft mit Tonträgern steuerte ebenfalls über die verschiedenen Formate hinweg 35,6 Prozent zum Umsatz bei, die Einnahmen gingen hier um 8,9 Prozent zurück.

Im Gesamtmarkt trugen laut BVMI gleich mehrere Faktoren zum Umsatzzuwachs von gut acht Prozent bei: So wuchsen allein die Umsätze aus dem Audiostreaming um 27 Prozent. Hinzu kam aber auch, dass sich die Einbrüche aus dem CD-Verkauf gegenüber dem Vorjahr nahezu halbiert haben, und nun mit einem Minus von 10,5 Prozent zu Buche schlugen. Zur Erinnerung: Vor Jahresfrist fiel hier ein Minus von fast 20 Prozent an, vor allem im zweiten Halbjahr 2018 stand der physische Markt ganz erheblich unter Druck.

Deutlich aufwärts ging es derweil 2019 wieder mit der LP: Vinyl-Schallplatten fuhren 2019 ein Umsatzplus von 13,3 Prozent ein. Auch das Vinyl zeigte sich damit 2019 von einem kräftigen Durchhänger im Vorjahr erholt: Für 2018 wies die Bilanz des BVMI in der Nische Vinyl noch ein Minus von 5,2 Prozent aus, der Gesamtmarktanteil lag bei 4,4 Prozent.

Deutlich gewachsen sei "übrigens auch das Videostreaming", ergänzt schließlich Florian Drücke. "Allerdings kommend von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau: 31 Prozent Mehreinnahmen aus Premium- und werbefinanzierten Angeboten tragen zum Branchenumsatz noch immer nur 2,9 Prozent bei."

Drücke nutzt diese Zahlen für einen Appell in Sachen fairer Vergütung und als Wink in Richtung des Gesetzgebers: "In diesem Zusammenhang erklärt sich erneut eine aktuelle Priorität der Branche, nämlich die Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie, die dafür sorgen soll, dass User-Upload-Plattformen die Kreativen und ihre Partner angemessen an den Einnahmen beteiligen", sagt Drücke. "Wir wissen aus den vergangenen Jahren, wie fragil das digitale Lizenzgeschäft ist und welche zentrale Rolle dabei belastbare Rahmenbedingungen und ihre Durchsetzung spielen."

_KLASSIK UND JAZZ WEITER UNTER DRUCK

Pop stellte 2019 hierzulande mit einem Anteil von 25,8 Prozent am Gesamtumsatz erneut das umsatzstärkste Genre. Dahinter schob sich jedoch laut BVMI erstmals HipHop/Rap mit einem Anteil von 19,7 Prozent knapp am Rock mit 19,6 Prozent vorbei auf Platz zwei. Im Vergleich zum Vorjahr hat HipHop/Rap damit seine Position damit um 3,5 Prozentpunkte ausbauen können. Unter den nach Umsatz erfolgreichsten fünf Segmenten listet der BVMI zudem noch Kinderprodukte mit 9,8 Prozent und Dance mit 7,3 Prozent. Die Bereiche Klassik und Jazz standen derweil weiter unter Druck: Die Klassik kam 2019 noch auf einen Anteil von 2,2 Prozent (nach 2,5 Prozent im Jahr zuvor), die Jazz-Nische schrumpfte von 1,8 Prozent auf nunmehr noch 1,5 Prozent.

2019 sah Rammstein mit ihrem gleichnamigen Album und "Old Town Road" von Lil Nas X bei den Singles an der Spitze der Jahrescharts, in der Jahresauswertung nach Chartsanteilen ließ Universal Music dank Erfolgen von Künstlern wie Rammstein, Sarah Connor oder Capital Bra Warner Music und Sony Music hinter sich.

Text: Knut Schlinger