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UK-Gericht verurteilt Ticket-Schwarzhändler zu sechseinhalb Jahren

Weil sie zwischen 2010 und 2017 unter Einsatz verschiedener Identitäten und mit Bot-Technologie Konzert- und Theatertickets im Wert von mehreren Millonen Pfund weiterverkauft haben, verurteilte ein Gericht in London das Ehepaar Peter Hunter und David Smith nun zu sechseinhalb Jahren Haft.

26.02.2020 12:09 • von Dietmar Schwenger
Auch seine Konzerte waren von dem verbrecherischen Ehepaar betroffen: Ed Sheeran (Bild: MusikWoche)

Weil sie zwischen 2010 und 2017 unter Einsatz verschiedener Identitäten und mit Bot-Technologie Konzert- und Theatertickets im Wert von mehreren Millonen Pfund weiterverkauft haben, verurteilte ein Gericht in London das Ehepaar Peter Hunter und David Smith nun zu zusammengezählt sechseinhalb Jahren Haft: Während Hunter für vier Jahre ins Gefängnis muss, verbringt sein Ehemann zweieinhalb Jahre im Knast.

Allein in einem Jahr hätten Hunter und Smith von London aus mehr als 750 Tickets für Konzerte von Ed Sheeran erworben und sie über Zweithändler wie Viagogo, StubHub und die mittlerweile vom Markt genommenen Ticketmaster-Plattformen Get Me In und Seatwave zu deutlich erhöhten Preisen weiterverkauft.

Große Profite hätte das Paar auch mit britischen Konzerten von Lady Gaga, Blink-182, Rod Stewart und Madness sowie mit West-End-Shows wie "Harry Potter And The Cursed Child" gemacht, erläutert das Gericht. Hunter und Smith hätten mindestens 10,8 Millionen Pfund (umgerechnet 12,9 Millionen Euro) mit ihren Ticketing-Geschäften verdient. Sie hätten bei den Transaktionen mehr als 100 verschiedene Kreditkarten genutzt, die auf 37 Namen ausgestellt waren. Zudem verwendeten die Eheleute 88 verschiedene Postadressen und rund 300 E-Mail-Adressen, um die Beschränkungen der Ticketingplattformen zu umgehen.

Die Verurteilung ist die erste, seitdem sich die britischen Behörden im Jahr 2017 des Zweitmarkts angenommen und die Praxis des unautorisierten Weiterverkaufens untersucht hatten.

Die langjährigen Haftstrafen seien ein gewaltiger Rückschlag für die Zweithändler, die das Gesetz brechen und das Publikum abzocken, sagt Adam Webb, Campaign Manager der FanFair Alliance. Das Urteil sei ein fantastisches Ergebnis für Musikliebhaber in Großbritannien, "das auch Schockwellen aussenden sollte zu Firmen wie Viagogo und StubHub, deren Geschäftsmodell auf Leuten basiert, die Tickets in großen Mengen weiterverkaufen".

Webb verlangte, dass in der gesamten Angelegenheit dringend weiter ermittelt werden müsse. "Das muss zu einem Einschreiten gegen diese Plattformen führen, die von Erlösen dieser Verbrechen profitieren."

Ein Viagogo-Sprecher verurteilte die Aktivitäten auf der eigenen Plattform von Hunter und Smith als "betrügerisch" und schlug eine umfangreichere Zusammenarbeit zwischen Erst- und Zweitmarkt vor. "Wir glauben nicht, dass irgendjemand Software verwenden sollte, um sich unfaire Vorteile zu verschaffen, wenn sie Tickets kaufen. Das Verhalten von Hunter und Smith war ein klarer Bruch unser allgemeinen Geschäftsbedingungen, die klar verbieten, dass jemand Tickets verkaufen darf, die er über kriminelle Machenschaften erworben hat."

Viagogo habe Hunter und Smith von der Website verbannt, als das Unternehmen von den betrügerischen Aktionen der beiden vor ungefähr zwei Jahren erfahren habe, so der Viagogo-Sprecher weiter. Mit der Zusammenarbeit mit dem Primärmarkt und den Behörden sei es Viagogo nun möglich, "solche Vorgänge früher zu erkennen und sicherzustellen, dass sie aufhören."