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"Goldgräberstimmung im Musikbiz"

Es herrscht ganz offenbar Goldgräberstimmung im Musikbiz: Gerade erst kündigten die Eigner der Warner Music Group an, den Musikkonzern an die Börse bringen zu wollen. Nun zieht man bei Vivendi nach: Unabhängig vom milliardenschweren Verkauf von Anteilen an Universal Music sollen weitere Teile des Konzerns ebenfalls per Börsengang versilbert werden.

14.02.2020 12:05 • von Dietmar Schwenger
Auch sie waren auf der Suche nach Reichtümern: Goldgräber (Bild: Imago)

Es herrscht ganz offenbar Goldgräberstimmung im Musikbiz: Gerade erst kündigten die Eigner der Warner Music Group an, den Musikkonzern an die Börse bringen zu wollen. Nun zieht man bei Vivendi nach: Unabhängig vom milliardenschweren Verkauf von Anteilen an Universal Music sollen weitere Teile des Konzerns ebenfalls per Börsengang versilbert werden.

Zuvor hatten bereits Spotify und Tencent mit seiner Entertainment-Sparte den Sprung aufs Parkett gewagt. Und anders, als noch in den frühen Nullerjahren, als die kriselnde Musikwirtschaft damals börsennotierten Unternehmen wie Warner Music oder EMI Music quartalsweise Schreckensmeldungen entlockte, legt zum Beispiel die Spotify-Aktie an der Börse in New York eine Entwicklung hin, die eher wenig Schrecken birgt.

Kein Wunder, dass da andere nachziehen, und vom weltweit weiter anhaltenden Aufwärtstrend im Musikmarkt profitieren wollen. Das wirft indes die Frage auf, wer denn noch alles seinen Hut in den Ring werfen, beziehungsweise seine Musiktöchter oder Aktivitäten in Aktien aufwiegen wollen könnte. Ob man zum Beispiel bei Bertelsmann darüber nachdenkt, BMG an die Börse zu bringen? Was ist eigentlich mit Kobalt, wo zahlreiche Investoren darauf hoffen könnten, ihr Engagement via IPO zu versilbern? Wie sieht es bei Deezer aus, wo entsprechende Pläne vor noch gar nicht so schrecklich langer Zeit auf Eis gelegt wurden?

Und wo wir gerade in Frankreich sind, liegt auch der Gedanke an Believe nicht so fern. Klar ist aber auch, dass abseits der Corporate-Strukturen längst nicht alle Akteure im zunehmend kleinteilig sortierten Markt von der aktuellen Goldgräberstimmung profitieren - siehe die "Fair Share"-Debatte. Es dürfte durchaus interessant sein, zu beobachten, ob denn Schlagzeilen wie vom "Aufstand der Stars" gerade angesichts der Börsenpläne dazu geeignet sind, ein bisschen Bewegung in die Diskussion um die Verteilung von Geldern zu bringen.

Denn schlechte Stimmung im Maschinenraum dürfte keiner wollen, der gerade mit Börsenprospekten um die Gunst potenzieller Investoren wirbt.

Text: Knut Schlinger