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Initiative Musik arbeitet an Programmen und Preisen mit Strahlkraft

Die Initiative Musik kann 2020 erneut über mehr Gelder verfügen und bringt damit neue Förderprogramme auf den Weg. Mit dem Jazzpreis klappt es indes in diesem Jahr noch nicht, dafür aber soll es 2021 einen weiteren Musikpreis geben. Derzeit sucht man zudem eine zweite Spitzenkraft.

14.02.2020 09:32 • von
Stemmt mit dem deutschen Musikexportbüro eine Vielzahl an Aufgaben und Projekten: das nicht ganz vollzählige Team der Initiative Musik um Geschäftsführerin Ina Keßler (9. von links) und den Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Gorny (8. von rechts). (Bild: Martin Dziuba)

Die Initiative Musik kann 2020 erneut über mehr Gelder verfügen und bringt damit neue Förderprogramme auf den Weg. Mit dem Jazzpreis klappt es indes in diesem Jahr noch nicht, dafür aber soll es 2021 einen weiteren Musikpreis geben. Derzeit sucht man zudem eine zweite Spitzenkraft.

»Die Initiative Musik wird sich stark vergrößern«, bestätigt Geschäftsführerin Ina Keßler im Gespräch mit MusikWoche die laufende Suche nach einem zweiten Geschäftsführer. »Neben einer zusätzlichen Geschäftsführung freuen wir uns auf neue Fördermöglichkeiten für Bereiche der Musikwirtschaft, die wir bisher nur streifen konnten.« Im vergangenen Jahr seien viele Projekte angestoßen oder, wie das gerade Anfang Februar in Zusammenarbeit mit der LiveKomm in die erste Antragsphase gestartete Programm Live 100, »auf die richtige Schiene gesetzt« worden, bilanziert Keßler. »Mit der Kleinkonzertförderung Live 100 können wir allein in der ersten Runde schon mehr als 8500 Veranstaltungen bezuschussen«, freut sie sich über das »einzigartige« Programm. Neu im Förderspektrum der Initiative Musik ist auch die Unterstützung der sogenannten Plattformprojekte, die gerade in eine Pilotphase gestartet ist. Dabei tritt die Organisation als Kooperationspartner unter anderem für Projekte auf, die in Zusammenarbeit mit Verbänden vorangebracht werden, wie Agenda Musikwirtschaft, die Urheberrechtskonferenz der Initiative Urheberrecht oder dem jüngst in Köln ausgerichteten Pop Summit des Bundesverbands Popularmusik. Ziel der Plattformprojekte sei es unter anderem, die Popmusikförderung in allen 16 Bundesländern sowie in den Regionen und Kommunen zu stärken.

Zu Neuerungen bei den Förderprogrammen kämen weitere Vorhaben, in die im neuen Jahr noch viel Arbeit fließen müsse, »und das neben dem laufenden Betrieb zu machen, funktioniert einfach nicht«. Deshalb benötige die Initiative Musik nun »eine Ergänzung an Kompetenzen«. Entsprechend wird derzeit eine zusätzliche Kraft für die Tandem-Geschäftsführung gesucht, die sich - »so früh wie möglich«, wie Keßler betont - um Events und New Business kümmern soll. Wobei Events die Ausrichtung und Ausgestaltung verschiedener Musikpreise mit abdeckt. Denn in diesem Bereich wächst das Portfolio der Initiative Musik ebenfalls weiter: Zum längst etablierten Spielstättenprogrammpreis Applaus sollte eigentlich schon 2020 ein neuer Jazzpreis hinzukommen, inzwischen geht es aber auch um einen weiteren Musikpreis. So bestätigt Keßler, dass es künftig auch im Hinblick auf die Popmusik einen von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur (BKM) geförderten Award geben solle, allerdings auch nicht mehr im gerade angelaufenen Jahr.

_JAZZ- UND MUSIKPREIS SOLLEN 2021 STEIGEN

»Wir haben in beiden Bereichen beschlossen, die Preisverleihungen erst 2021 realisieren zu wollen«, schließlich solle »der erste Aufschlag ein guter sein«. Keßler ergänzt: »Jazzpreis und Poppreis sollen internationale Strahlkraft mitbringen, das will entsprechend vorbereitet werden.« So müssten unter anderem Teams aufgebaut und international vernetzt werden, aber auch potenzielle Auftritte von nationalen und internationalen Künstlern zum Beispiel mit deren Tourplänen in Einklang gebracht werden. Das noch für 2020 zu organisieren, sei schwierig.

Fix gefallen ist derweil die Entscheidung für den Austragungsort: Der Jazzpreis soll erstmals im Rahmen des Elbjazz Festivals verliehen werden, bestätigt Keßler. Die jazzahead! kommt hier demnach nicht zum Zug. Zum Musikpreis

seien bislang vorbereitende Maßnahmen angestoßen worden. Es gebe weder in Hinblick auf einen Termin, noch den Austragungsort des Projekts eine festgelegte Agenda. »Das ist etwas, was die neue Geschäftsführung übernehmen soll«, sagt Ina Keßler.

Darüber hinaus baut die Initiative Musik auch die Strukturen im Team aus: »Wir sind derzeit 20 feste Mitarbeiter und drei Freie«, berichtet die Geschäftsführerin. Drei weitere Stellen seien zudem noch nicht besetzt. Und für die Umsetzung der Preise würden sicherlich weitere Kräfte benötigt. Passend dazu beziehe die Initiative Musik derzeit am etablierten Standort neue Räumlichkeiten: »Wir haben uns im April 2019 bereits erweitert, ziehen nun aber im Laufe des Februars noch einmal um und verfügen künftig neben dem ersten Stock auch über Räume im Erdgeschoss.« Damit verdoppele die Initiative Musik ihre Fläche und erhalte unter anderem einen auch technisch gut ausgestatteten Besprechungsraum für ein größeres Team.

Dessen Finanzierung sei ebenfalls fixiert: »Seit 2019 werden in allen Projekten, die über die BKM laufen, auch die Personalkosten und die betrieblichen Aufwendungen mitgetragen«, so Keßler. Die Personalkosten der zentralen Stellen in Geschäftsführung, Buchhaltung, Sekretariat etc. würden zudem weiterhin von GEMA und GVL getragen.

_ERNEUTE ZUSCHLÄGE BEIM FÖRDERVOLUMEN

Erneute Zuschläge kann Keßler auch fürs Fördervolumen bestätigen: Zum Zehnjährigen verfügte die Initiative Musik im Jahr 2018 noch über rund 13 Millionen Euro, »2020 sind es nun 16,35 Millionen Euro, die wir entsprechend dem Bundeshaushaltsplan zur Verfügung haben.« Diese Summe sei auf die nächsten vier Jahre festgeschrieben, allerdings müsse die BKM jährlich entscheiden, ob denn diese vom Bundestag gewünschten Mittel im BKM-Haushalt realisierbar seien. »Ich bin mir sicher, die Popmusik ist Kulturstaatsministerin Monika Grütters auch weiterhin so wichtig, dass sie sie unterstützt.« Keßler zeigt sich hier zuversichtlich. Darüber hinaus sei stets zu hoffen, dass zusätzliche Projektmittel in weitere gute Ideen fließen könnten.

Im nun fixierten Fördertopf seien die Gelder für den Applaus sowie die Awards für Jazz und Pop im Jahr 2020 bereits enthalten, bestätigt Keßler. Was nun nicht abgerufen werde, könne aber zurückgestellt werden. »Wir haben einen übertragbaren Haushalt, das ist ein großer Vorteil.« Die Ausrichtung sei dann bereits für ein weiteres Jahr gesichert.

Der Topf für 2020 umfasst laut Keßler 4,5 Millionen Euro für die Künstler- und Infrastrukturförderung, 1,5 Millionen Euro für die Exportförderung, pro Jahr zusammen zwei Millionen Euro für die Förderung für Clubs in den Te-Sa- und Digi-Invest-Programmen, jeweils zwei Millionen Euro für Live 100 und den Applaus sowie je etwas mehr als eine Million für die beiden Preise in den Bereichen Jazz und Pop. »Wir haben in unserem Haushalt darüber hinaus auch die Förderung von c/o pop und Pop-Kultur mit einem Anteil von 600.000 Euro beziehungsweise 650.000 Euro.« Diese Maßnahmen zählen zu den bereits erwähnten Plattformprojekten.

_ZUSCHÜSSE AUCH FÜR UNTERNEHMER MÖGLICH

Neben der stetigen Zuwächse bei Budget und Team hat Ina Keßler noch ein Anliegen: »Es heißt immer wieder, es gäbe kein Exportbüro in Deutschland. Nur, weil wir diesen Titel nicht im Namen tragen«, sagt die Geschäftsführerin. Drei Mitarbeiter sind bei der Initiative Musik jedoch allein für den Exportbereich aktiv, zwei weitere für die Aktivitäten rund um die SXSW. »Und wir werden auch in diesem Jahr unsere Exportmaßnahmen erweitern.« Zusätzlich zur Kurztourförderung sollen ab März nun erstmals auch Unternehmer zum Beispiel Zuschüsse für Reisen zu internationalen Kongressen oder Showcasefestivals beantragen können. »Da passiert weitaus mehr, unter anderem auch in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt.« Darüber hinaus sei die Initiative Musik auch als deutscher Vertreter beim EU-Förderprogramm European Music Exporters Exchange (EMEE) und beim European Talent Exchange Programme (ETEP) beteiligt. Leider aber werde das hierzulande nicht genug wahrgenommen, meint Keßler, »was ich schade finde«.

Text: Knut Schlinger