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Vinylgeschäft gerät nach Brand in Kalifornien weltweit unter Druck

Ein Feuer in Kalifornien sorgt für Aufsehen im internationalen Vinylmarkt: Schließlich brannte mit Apollo Masters der größte von weltweit nur zwei Herstellern von Lackfolien aus. Bei optimal media, MPO und Celebrate aber sieht man sich bereits vorbereitet.

10.02.2020 15:01 • von
Nicht mehr alles im Lack: Im Vinylmarkt droht nach dem Brand bei einer US-Firma der Nachschub an Lackfolien knapp zu werden (Bild: pxhere.com)

Ein Feuer in den USA sorgt für Aufsehen im internationalen Vinylmarkt: Schließlich brannte am 6. Februar 2020 mit Apollo Masters der größte von weltweit nur zwei Herstellern von Lackfolien aus. Das Unternehmen aus Banning in Kalifornien, dass vor einigen Jahren aus dem Zusammenschluss von Apollo und Transco hervorging, berichtet auf seinen Onlineseiten von einem "verheerenden Feuer" in den Produktions- und Lagerstätten, die "katastrophale Schäden" davongetragen hätten. "Die beste Nachricht ist, dass alle unsere Mitarbeiter in Sicherheit sind." Derzeit sei man aber unsicher, wie es mit dem Unternehmen weiter gehe und prüfe sämtliche Optionen.

Wie Jörg Hahn, Geschäftsführer von optimal media, auf Nachfrage von MusikWoche bestätigt, werde sich der Großbrand in Kalifornien auch in Europa und im deutschen Musikmarkt bemerkbar machen. Schließlich stand Apollo Masters bislang für rund 75 bis 80 Prozent der weltweit für die Fertigung von Schallplatten benötigten Lackfolien. Als zweiter Player ist zudem noch die japanische Firma MDC in diesem Geschäft aktiv. Entsprechend wertet Hahn das Unglück in den USA als "kritisch". Es sei damit zu rechnen, dass die Preise von noch verfügbaren Lackfolien steigen würden.

Bei der Edel-Tochter optimal media arbeite man aber bereits daran, die eigenen Kapazitäten im Bereich des Kupferschnitts aufzustocken, betont Hahn, schließlich biete man in den eigenen Studios in Röbel/Müritz neben Lackfolien auch Schnitt-Dienstleistungen im DMM-Verfahren an: "Das ist ein großer Vorteil, schließlich können wir in Abstimmung mit den Kunden von Folie auf DMM umstellen."

Als Commercial & Administration Director im Hause MPO weist derweil Sandra Fritzsch darauf hin, dass bei den MPO-Partnern in Europa eher mit MDC-Folien aus Japan gearbeitet werde: "Unsere Partner sind sehr gut bevorratet und sehen die derzeitige Situation recht gelassen." Auch Fritzsch verweist zudem auf das Direct Metal Mastering (DMM) als Alternative zum Folienschnitt. Kurz- und mittelfristig habe man daher nichts zu befürchten, allerdings sei es langfristig wünschenswert, dass noch ein weiterer Folien-Hersteller zur Verfügung stehe.

"Das berührt uns wirtschaftlich nicht, aber vom Herzen schon", sagt Carsten Haupt im Gespräch mit MusikWoche. Der Geschäftsführer von Celebrate Records befürchtet Engpässe und Verteuerungen im Bereich des Lackfoliengeschäfts, sieht sein Unternehmen darauf indes längst bestens vorbereitet: Schließlich habe man in den vergangenen Jahren höchstens noch fünf Prozent der in Stollberg im Ergebirge gepressten Schallplatten über Lackfolien gefertigt, das Gros hingegen im DMM-Verfahren mit im eigenen Haus geschnittenen Kupfer-Mastern. "Wir sind unabhängig von dieser Entwicklung", sagt Haupt in Hinblick auf das Unglück bei Apollo Masters und das knapper werdende Angebot an Lackfolien.

Text: Knut Schlinger