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Schweizer Musikmarkt mit stärkstem Wachstum seit 20 Jahren

Das Geschäft mit Recorded Music wuchs im Jahr 2019 in der Schweiz um 7,5 Prozent. Damit fuhr der schweizerische Musikmarkt die höchsten Zuwächse seit 1999 ein. Bei der IFPI sieht Präsident Ivo Sacchi zwar noch weiteres Potenzial, Geschäftsführer Lorenz Haas warnt indes angesichts international dominierter Playlists vor Problemen für heimische Acts.

06.02.2020 16:03 • von
Rund 81 Prozent der Umsätze im Schweizer Musikmarkt entfielen 2019 auf digitale Erlösquellen: die Bilanz der schweizerischen IFPI (Bild: IFPI Switzerland)

Das Geschäft mit Recorded Music wuchs im Jahr 2019 in der Schweiz um 7,5 Prozent. Damit wuchs der schweizerische Musikmarkt im vierten Jahr in Folge und fuhr die höchsten Zuwächse seit 1999 ein. Das zeigt die Jahresbilanz, die der Branchenverband IFPI Switzerland am 6. Februar 2020 vorlegte, fast sechs Wochen früher als vor Jahresfrist. Passend dazu hat auch das Wachstum deutlich an Dynamik gewonnen, schließlich lag das Umsatzplus für 2018 noch bei 3,7 Prozent.

Die Musikunternehmen in der Schweiz setzten demnach 2019 mit der Vermarktung von Recorded Music 183,5 Millionen Franken um. Wachstumsmotor bleibt das Streaminggeschäft: Die Umsätze der Plattenfirmen aus Audio- und Videostreaming wuchsen laut Angaben der schweizerischen IFPI um 26 Prozent auf 124,3 Millionen Franken.

Damit entfielen bereits 68 Prozent der Einnahmen im Gesamtmarkt aufs Streaming. Das Downloadgeschäft brach hingegen um weitere 22 Prozent auf noch 24,3 Millionen Franken ein und kam noch auf einen Gesamtmarktanteil von 13 Prozent. Formatübergreifend wuchs der Digitalmarkt um 14 Prozent auf 149 Millionen Franken, rund 81 Prozent aller Umsätzen entfielen auf diesen Bereich. "Damit wird heute mit Streaming fast doppelt so viel umgesetzt wie im Downloadsegment in dessen Rekordjahr 2012", heißt es bei der IFPI Switzerland.

Im physischen Bereich sanken die Umsätze aus dem Verkauf von Tonträgern um 14 Prozent auf noch 34,4 Millionen Franken - nur noch knapp jeder fünfte Franke entfiel CDs und LPs. Das Revival der Vinyl-Langspielplatten sei zudem gebremst, meldet der Branchenverband. Der Handelsumsatz habe bei rund vier Millionen Franken oder rund zwei Prozent Gesamtmarktanteil stagniert.

Bei der IFPI sieht man zwar noch weiteres Potenzial, warnt indes angesichts international dominierter Playlists vor Problemen für heimische Acts:

"Das Jahr 2019 brachte für den Schweizer Musikmarkt das vierte Wachstumsjahr in Folge und zudem das stärkste Wachstum seit 1999", fasst Ivo Sacchi zusammen, Präsident der IFPI Schweiz und Managing Director von Universal Music Switzerland: "Man mag zwar einwenden, dass damals die Umsätze doppelt so hoch waren wie heute und danach 15 Jahre Umsatzrückgang folgten. Dennoch liegen diese schwierigen Zeiten definitiv hinter uns und wir dürfen optimistisch in die Zukunft blicken. Das Potenzial der digitalen Musikangebote ist noch nicht ausgeschöpft."

Geschäftsführer Lorenz Haas verweist indes auf die wirtschaftlichen Herausforderungen des Streamingmodells für schweizerische Labels und Musikschaffende. Schließlich sei mit den Abomodellen "praktisch das gesamte Weltrepertoire für die Musikfans so leicht wie nie zuvor abrufbar", wodurch allerdings auch der Konkurrenzdruck steige: "Hinzu kommt, dass einige Streaminganbieter kaum Schweizer Musik in ihre Playlists integrieren. Dies hat massiven Einfluss auf den Musikkonsum. Viele Schweizer Acts haben deshalb Schwierigkeiten, ihre Marktanteile im wachsenden Streamingmarkt zu behaupten."