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IHM richtet sich mit Maßnahmenkatalog an die Politik

Die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft (IHM) hat einen Maßnahmenkatalog unter dem Motto "Hamburg Music 2030" erarbeitet und fordert jetzt Unterstützung seitens der Politik ein für dessen Umsetzung. Ziel sei es, die Hansestadt innerhalb der nächsten zehn Jahre "als eine der drei wichtigsten Musikwirtschaftsmetropolen in Europa zu etablieren".

06.02.2020 16:57 • von Frank Medwedeff
Fordert "einen höheren politischen Stellenwert für die Musikbranche": Alexander SchulzAlexander Schulz (Bild: Robin Schmiedebach )

Die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft (IHM) hat einen Maßnahmenkatalog unter dem Motto "Hamburg Music 2030" erarbeitet und fordert jetzt Unterstützung seitens der Politik ein für dessen Umsetzung. Ziel sei es, damit die Hansestadt innerhalb der nächsten zehn Jahre "als eine der drei wichtigsten Musikwirtschaftsmetropolen in Europa zu etablieren".

Hamburgs Musikwirtschaft sei bereits jetzt "in vielen Bereichen tonangebend", wie die IHM, der mehr als 120 Mitgliedsunternehmen angehören, betont: Die vielen Musikunternehmen der Stadt - zumeist Firmen kleinerer und mittlerer Größe - schaffen demnach tausende Arbeitsplätze und bewirken "Ausstrahlungseffekte und Wertschöpfungen in andere Sektoren". Keine andere deutsche Stadt ziehe zum Beispiel mit Musik mehr Touristen an als Hamburg. Musik sei wesentlicher Imageträger der Elbmetropole und "ausschlaggebender Grund für den Zuzug hochqualifizierter, junger Menschen aus aller Welt". Im bundesweiten Vergleich sei Hamburg für Beschäftigte in der Medienwirtschaft die beliebteste Stadt. Und in der Stadtentwicklung seien die Akteure der Musikwirtschaft zudem "stets Pioniere bei der Gestaltung offener, urbaner Lebensräume".

Die Potenziale der Musikwirtschaft und ihre Effekte auf die Stadt und die Metropolregion Hamburg werden aber laut der IHM "politisch noch immer deutlich unterschätzt". Um die internationale Führungsposition Hamburgs im Bereich der Musikwirtschaft auszubauen, habe die IHM als Branchenvertretung "und europaweit größtes Netzwerk seiner Art" mit den örtlichen Akteuren der Musikbranche sieben Handlungsfelder definiert und einen Maßnahmenplan erstellt.

So gelte es erstens, die Musikwirtschaft "als maßgebliches Handlungsfeld in Politik und Verwaltung" in den Fokus zu rücken, unter anderem mithilfe einer Studie zur Standortbestimmung sowie zu den direkten und indirekten Effekten von Musik für die Stadt.

Zweitens geht es der IHM um die "Förderung eines modernen und zielgruppenorientierten Stadtmarketings durch Musik und Musikwirtschaft", sowohl regional als auch national und international.

Dritter Punkt sei der Erhalt und die Schaffung "musikalisch genutzter, innenstadtnaher Räume". Dies soll unter anderem durch die Etablierung der IHM als "Raumbedarfsermittlerin und Anlaufstelle für von den Bezirken und Senat gesteuerte Bauvorhaben" sowie durch "die Entwicklung eines Musikwirtschaftszentrums am Diebsteich" gewährleistet werden.

Viertens habe man eine "Fokussierung auf Qualifizierung und Bildung" im Blick. Konkret plant die IHM den Ausbau ihrer Weiterbildungseinrichtung Music Business Summer School "zum bekanntesten Weiterbildungs- und Professionalisierungszentrum für Fachkräfte der internationalen Musikwirtschaft".

Die als fünfter Bereich benannnte Unterstützung der Musikwirtschaft bei ihrer Internationalisierung soll nach Vorstellung der IHM unter anderem Maßnahmen "zur Vernetzung und Darstellung in internationalen Schlüsselmärkten" wie Markterkundungsreisen oder Exportförderungsprogramme beinhalten.

Sechstens fordert die IHM die Förderung von Innovation und Netzwerken, so etwa durch die "Weiterentwicklung eines modernen Hamburger Musikpreises" und die Unterstützung regionaler und internationaler Programme zur Innovationsförderung (zum Beispiel durch Inkubatoren oder Think Tanks).

Siebtens steht für die IHM die "Schaffung einer vielfältigen (Musik-)Medienlandschaft" auf der Agenda, wozu etwa die Etablierung eines "Förderfonds Hamburger Musikjournalismus" beitragen soll.

Weitere Forderungen enthält das Positionspapier "Hamburg Music 2030", dass die IHM als Download publik macht.

Alexander Schulz, Geschäftsführer Reeperbahn Festival und Vorstandsvorsitzender der IHM, erläutert: "Die IHM leistet wichtige Beiträge zur Vernetzung, Professionalisierung und Internationalisierung der Musikwirtschaft in Hamburg. Das damit erzeugte Wachstum wirkt sich nicht nur positiv auf andere Branchen wie Tourismus und Gastgewerbe aus, die Stadt insgesamt profitiert von messbar positiven Effekten bei Standortqualität, Ausstrahlungskraft und Image. Die Bedeutung der Musikwirtschaft für zeitgemäße urbane Wirtschaftsräume wird in der Zukunft weiter steigen, daher muss die Ansiedlung neuer Musikunternehmen gefördert werden und die Branche insgesamt einen höheren politischen Stellenwert bekommen."

Karsten Jahnke, Geschäftsführer Karsten Jahnke Konzertdirektion, gibt zu bedenken: "Für uns als Veranstalter liegt bei der zunehmenden Internationalisierung unseres Geschäfts der Fokus auf dem Erhalt einer gesunden Landschaft an Spielstätten, zu der kleine, mit viel Herzblut und Entbehrungen betriebene Clubs genauso gehören wie staatlich geförderte Konzerthäuser und große Arenen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine lebendige Konzertszene nicht nur wichtige Impulse in Sachen frischer Kultur setzt, sondern auch eine große Sogwirkung für Menschen und Unternehmen aus der ganzen Welt entwickelt."

Und Pia Hoffmann, Geschäftsführerin Pia Hoffmann Music Supervising & Right Clearance, meint: "Als Vertreterin der kleinen und mittleren Musikunternehmen sehe ich die große Bedeutung internationaler Vernetzung sowie der Arbeit in und mit anderen Märkten. Voraussetzung dafür ist eine starke Präsenz unseres eigenen musikwirtschaftlichen Standorts - dafür brauchen wir Bekenntnisse und Budgets der Wirtschafts-, Stadtentwicklungs- und Kulturpolitik."