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"Aufstand der Stars": Künstlervertreter fordern einen "Fair Share"

In den vergangenen Tagen flammte die Diskussion um die Verteilung von Einnahmen aus dem Streaming neu auf. In den Medien war bereits von einem "Aufstand der Stars" zu lesen. Nun legen die Initiatoren des Vorstoßes eine offizielle Erklärung nach. Als Sprecherin der Initiative tritt Gaby Allendorf auf.

27.01.2020 18:25 • von
Tritt für die Interessen der Künstler in der Diskussion ums Streaming in die Schranken: Gaby Allendorf (Bild: Allendorf Media)

In den vergangenen Tagen flammte die Diskussion um die Verteilung von Einnahmen aus dem Streaming neu auf. In den Medien war bereits von einem "Aufstand der Stars" zu lesen. Nun legen die Initiatoren des Vorstoßes eine offizielle Erklärung unter dem Motto "Fair Share" nach. Dabei gehe es "um Transparenz, Fairness und kulturelle Vielfalt", heißt es in einer Mitteilung, in der Künstlervertreter eine Neuordnung bei der Verteilung von Erlösen aus dem Musikstreaming fordern.

Als Sprecherin der Initiative tritt Gaby Allendorf ans Licht der Öffentlichkeit, die mit ihrer Agentur Allendorf Media im Sommer 2016 die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Peter Maffay übernahm.

Im Namen "der Managements, Musikverlage und Anwälte von so erfolgreichen Musikern wie Helene Fischer, Marius Müller-Westernhagen, Sarah Connor, Herbert Grönemeyer, Robin Schulz, Nico Santos, Andreas Bourani, Alvaro Soler, Santiano und Peter Maffay" fordere man eine gerechte Verteilung. Viele weitere Künstler und deren Vertreter hätten ihre volle Unterstützung für diese Initiative angekündigt, heißt es. Namen wie die von Rammstein, der Kelly Family, von Silbermond oder den Prinzen, die die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" in ihrer Berichterstattung noch genannt hatte, fehlen indes in der "Fair Share"-Mitteilung. Eine abgestimmte Liste der Unterstützer, so erfuhr MusikWoche auf Nachfrage, gibt es zunächst nicht.

Es gehe um die Verteilung der Einnahmen aus dem Musikstreaming, betonen die Initiatoren. Seien die Abrechnungen der Tonträgerfirmen nach verkauften Einheiten transparent und auch im Detail für jeden Künstler nachvollziehbar, so würden die Abrechnungen aus Streaming-Erlösen doch "ein Buch mit sieben Siegeln" bleiben: "Auf der einen Seite werden Beträge bis in den Bereich von Zehntel-Cent dokumentiert, auf der anderen Seite bleibt offen, wie sich die Zahlungen genau zusammensetzen", kritisieren die Künstlervertreter in ihrer Mitteilung.

Das liege auch am komplizierten Abrechnungsmodell: "Die meisten Abonnenten gehen davon aus, dass sie beim Musikstreaming für die Musik zahlen, die sie tatsächlich hören", erklärt die Sprecherin der Initiative, Gaby Allendorf. "Das ist aber nicht der Fall, denn die monatlichen Abo-Gebühren aller Kunden kommen in einen Topf. Der Gesamtanteil für künstlerische Leistungen wird dann nach einem von den Streaminganbietern selbst festgelegten Schlüssel aufgeteilt, der diejenigen Künstler überproportional begünstigt, deren Musik relativ betrachtet am häufigsten gehört wird." Für die am meisten gespielten Künstler gebe es "satte Zuschläge on top, während der musikalische Nachwuchs kaum mehr eine Chance hat, mit Musik Geld zu verdienen". Genau das aber würden die Künstlervertreter ändern wollen und fordern deshalb, "das Modell auf einen User-zentrierten Algorithmus (UCPS) umzustellen, der die tatsächliche Musiknutzung entlohnt".

Einen entsprechenden Vorstoß hatte der Streamingdienst Deezer im September 2019 präsentiert.

Zudem wolle man mögliche Manipulationen aufdecken und unterbinden, heißt es bei den Initiatoren des "Fair Share"-Vorstoßes. Die Manager, Musikverleger und Anwälte würden damit ein Thema zur Sprache bringen, das aus ihrer Sicht eine weitaus größere Dimension habe, als bloß eine rein wirtschaftliche Komponente. Schließlich habe die Musikindustrie sich stets auch einem kulturellen Auftrag verpflichtet gezeigt, und nicht nur Nachwuchstalente, sondern auch Musik jenseits des Mainstreams und Musik für bestimmte Zielgruppen wie für Kinder gefördert: "Genau das steht langfristig auf dem Spiel", sagen die Künstlervertreter. "Deshalb suchen wir den Dialog mit den Labels, also den Musikfirmen und den Streaminganbietern. Wir verstehen uns als Partner, nicht als Gegner. Künstler brauchen Vertriebskanäle, aber die Vertriebsfirmen brauchen die Künstler gleichermaßen."

Gefordert seien die Labels als Bindeglied zwischen Künstlern und Streamingdiensten. "Dass die heute überwiegend international aufgestellt sind und die Entscheidungsträger in den USA sitzen, erschwert den Austausch zwischen Künstlern und Musikindustrie zusätzlich."

Text: Knut Schlinger