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Künstlermanager wollen Verteilung der Streaminggelder überprüfen

Die deutsche Musikindustrie steuert auf eine neue Diskussion um die Verteilung von Einnahmen aus dem Streaming zu. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hat nicht weniger als einen "Aufstand der Stars" ausgemacht.

26.01.2020 12:52 • von
"Der Aufstand der Stars": Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet von einem Vorstoß von Anwälten und Managern erfolgreicher Künstler, die Verteilung der Einnahmen aus dem Streaming neu zu überdenken (Bild: "FASZ"-Ausriss mit Fotomaterial von dpa, EPA, Semmel Concerts)

Die deutsche Musikindustrie steuert auf eine neue Diskussion um die Verteilung der Einnahmen aus dem Streaming zu. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hat nicht weniger als einen "Aufstand der Stars" ausgemacht.

Demnach habe eine Gruppe von einem guten Dutzend Künstlermanagern und Anwälten hinter Künstlern wie Rammstein, Helene Fischer, Sarah Connor, Peter Maffay, Marius Müller-Westernhagen, der Kelly Family, Silbermond oder den Prinzen beschlossen, die Interessen ihrer Klienten künftig "gebündelt zu vertreten", und bereits Anfang Dezember Vertreter der Musikkonzerne Universal Music, Sony Music, Warner Music und BMG für Mitte Februar zu einem Gipfeltreffen in Berlin aufgefordert. Dabei soll es um eine "Überprüfung und Neustrukturierung des Abrechnungs- und Vergütungsmodells im Bereich des Streamings" gehen, und um eine "Angemessenheit der Vergütung".

Kritik an der Verteilung der Streamingerlöse gab es immer wieder, ein so geballtes Auftreten der Vertreter erfolgreicher Acts auf nationaler Basis aber eröffnet eine neue Dimension in der Diskussion.

Entsprechend sind die ersten Reaktionen bei den Partnern der Künstler auf Seiten der Recorded-Music-Sparte zunächst zwar vorsichtig, aber dennoch bestimmt: Man habe eine Einladung zu einem entsprechenden Meeting erhalten, bestätigt eine Sprecherin von Warner Music aus Hamburg. Die Teilnahme an diesem Meeting in der vorgeschlagenen Form habe man allerdings ablehnen müssen, "da hier sensible kommerzielle Punkte betroffen und damit wettbewerbsrechtliche Grenzen zu beachten sind". Warner Music habe "bereits bilaterale Gespräche mit den betreffenden Managements aufgenommen", in denen man "die einzelnen Punkte individuell erörtern" wolle. Grundsätzlich sei man zudem immer bestrebt, "den bestmöglichen Deal im Sinne unserer Label-Partner und Künstler" zu verhandeln, "bei gleichzeitiger Unterstützung der Entwicklung von Musikdiensten im Sinne eines Wachstums des Marktes für Recorded Music".

Bei BMG sieht man sich derweil in seiner Agenda bestätigt: "Wir begrüßen nachdrücklich den Versuch, die Ungerechtigkeiten traditioneller Plattenverträge zu beleuchten", lässt ein Konzernsprecher zu den Medienberichten über ein von führenden deutschen Künstlermanagern einberufenes Treffen wissen: Der Brief sollte ernst genommen werden. "Wir brauchen eine vernünftige und erwachsene Debatte. Wir halten es in einer Welt, in der die Plattenfirmen nicht mehr die Kosten für das Pressen und die Distribution physischer Produkte tragen, nicht für gerechtfertigt, den Löwenanteil der Streaming-Einnahmen einzubehalten. Die Welt hat sich verändert. Es ist an der Zeit, dass sich auch die Plattenfirmen ändern."

Text: Knut Schlinger