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Hamburger Club Award feierte Jubiläum

Am 23. Januar ging im Docks die zehnte Verleihung des Hamburger Club Awards über die Bühne. Preise gingen unter anderem an Nochtspeicher/Nochtwache als Club des Jahres und an Karsten Schölermann, der den Ehrenpreis entgegennahm.

24.01.2020 14:01 • von Frank Medwedeff
Hiere durfte gejubelt werden: Preisträger und Protagonisten des Hamburger Club Awards auf der Docks-Bühne (Bild: Clubkombinat Hamburg)

Am 23. Januar fand die zehnte Verleihung der Hamburger Club Awards statt. Unterstützt durch die Behörde für Kultur und Medien vergab das Clubkombinat Hamburg im Docks die Preise für herausragende Leistungen in der Livemusikszene.

Vor über 700 geladenen Gästen aus Politik, Kreativwirtschaft, Musik- und Clubszene ging der begehrte Preis für den Musikclub des Jahres erstmals an den Nochtspeicher/Nochtwache, der sich knapp vor dem Molotow und dem Gängeviertel sowie zwölf weiteren Bewerbern in der Hauptkategorie durchsetzte. Der alte Speicher der Niebuhr Schnapsbrennerei hat sich mit einem vielseitigen Livemusik- und Partyprogramm in den Genres Indie, Soul, Blues, Singer/Songwriter, Folk, Pop, Alternative, Country und Rock und vielen nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern "zu einem Epizentrum der Livemusik auf St. Pauli entwickelt", wie das Clubkombinat bekräftigte.

Geehrt mit der Trophäe für den besten Fremdveranstalter wurde Viva con Agua ARTS mit der Millerntor Gallery, die knapp vor Rap for Refugees und den Veranstalterinnen und Veranstaltern von Oll Inklusiv landete.

In der Kategorie "Festival des Jahres - klein aber fein" fand das in den Clubs Fundbureau, Astra Stube und Waagenbau ausgerichtete Sternbrücken Festival nach 2017 zum zweiten Mal die meisten Fürsprecher in der Jury und setzte sich gegen 14 weitere Festivals durch. Auf dem Treppchen landeten auch das Istanbul Music Festival von Rap for Refugees im Knust und das Stellwerk mit dem 1. Punkrock Hamburg Festival der Welt.

Zum zweiten Mal wurde auch die Kategorie "Green Club/Festival des Jahres" gekürt. Eine fünfköpfige Expertenjury ernannte das Futur 2 Festival und das Swamp Festival in Moorburg als diesjährige Doppelpreisträger. Beide Festivals seien angetreten, um zu beweisen, das Festivals ökologisch und nachhaltig umgesetzt werden können und setzen dafür zum Beispiel auf Energieautarkie, regionale Produkte und Abfallvermeidung. Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro, dass sich die beiden Gewinner teilen, sponserte der Energieanbieter Greenpeace Energy eG.

Für die beste Newcomerförderung des Jahres 2019 wurde zum fünften Mal die Astra Stube ausgezeichnet, die auch 2019 wieder über 150 Newcomer-Acts aus Deutschland, Großbritannien, den USA und vielen weiteren Ländern einen Platz auf der kleinen Musikbühne unter der Sternbrücke bot. Wie im Vorjahr landeten das Hafenklang und das Knust in dieser Kategorie auf den Plätzen zwei und drei.

Der Preis für das Konzert des Jahres ging an popup-records für das Reunion-Konzert von Blumfeld am 25. August 2019 in Altona, das sich gegen 13 weitere Konzerte durchsetzte. Auf Platz 2 landeten Neonschwarz mit ihrer Show im Gängeviertel und auf Platz drei die JazzLab Sommersause im Schanzenzelt.

Ausgezeichnet mit dem Award für den besten neuen Club wurde der TONALi Saal, der seit 2018 mit jährlich über 50 Konzerten und Kleinkunst im Grindel präsent ist und mit neuen Konzertformaten für klassische Musik experimentiert.

Auch die Clubnacht des Jahres wurde prämiert: Hier setzte sich der Monkeys Music Club mit der Inklusionsdisko "Tanzbar" vor der MS Stubnitz mit "Reflektor Nils Frahm" und dem Uebel & Gefährlich mit "Urknall" durch.

Der Publikumspreis wurde mittels eines Online-Votings ermittelt, an dem sich über 3000 Clubgängerinnen und Clubgänger beteiligten. Die meisten Stimmen erhielt hierbei erstmals das Molotow - vor dem freundlich + kompetent und dem Hafenklang.

Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten neben der Trophäe Preisgelder in Höhe von insgesamt 11.000 Euro, davon 8000 Euro bereitgestellt von der Hamburger Behörde für Kultur und Medien.

Der vom Vorstand des Clubkombinats vergebene Ehrenpreis ging an Karsten Schölermann, der nach Einschätzung des Vorstands durch sein Schaffen die Verbandsarbeit entscheidend geprägt habe. Neben dem jahrzehntelangen Betrieb des Knust habe er mit der Gründung und Führung der Clubstiftung, dem Aufbau und der Leitung des Bundesverbands LiveKomm wie auch mit seinem Engagement im Vorstand des Clubkombinats in der Vergangenheit für die Hamburger Clubkultur und ihr Fortbestehen strukturell enorm viel bewegt.

Ebenfalls in Eigenverantwortung des Vorstandes vom Clubkombinat Hamburg e.V. wurde der Negativpreis "Die zerbrochene Gitarre" vergeben. Dieses Jahr ging diese an die Weltgesundheitsbehörde (WHO). In seiner Begründung verweist der Clubverband unter anderem darauf, dass mit den im Oktober 2018 von der WHO veröffentlichten Lärmrichtlinien für die europäische Region Geräusche, die von Live-Musikdarbietungen stammen, als "schadhafte Lärmbelästigung" eingestuft werden.

Als Moderatorin führte die Hamburger Musikerin Catharina Boutari durch den Abend. Zur Gestaltung des musikalischen Bühnenprogramms wurde erstmals ein partizipatives Booking-Verfahren implementiert, bei dem die Mitglieder des Clubkombinats in den Gestaltungs- und Entscheidungsprozess eingebunden waren. Mit den auserwählten drei Live-Acts Spike (Punk-Rock), Die Cigaretten (Indie-Elektro-Punk) und Rocket Men (Jazz-Fusion-Dub-Electronic) präsentierte die Preisverleihung einen aktuellen Auszug aus der vielfältigen Hamburger Musikszene. Bei der anschließenden Aftershow legte DJ Clingony auf.

Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien, erklärte: "Herzlichen Glückwunsch allen zu Recht ausgezeichneten Preisträgern und Preisträgerinnen sowie dem Clubkombinat selbst zum zehnjährigen Jubiläum des Club Award. Der Preis schafft die verdiente Aufmerksamkeit für die Arbeit der Clubbetreiberinnen und -betreiber in Hamburg und würdigt ihr Engagement für eine vielfältige und attraktive Clublandschaft. Die Preisverleihung bietet der Livemusikszene zudem eine gute Plattform zum Austausch. Der Ehrenpreis hätte im Jubiläumsjahr nicht passender vergeben werden können: Was Karsten Schölermann gerade in der zurückliegenden Dekade in seinen verschiedenen Funktionen für die Förderung der Livemusik und Clubkultur - nicht nur in Hamburg - erreicht hat, ist beispielslos."

Susanne Leonhard, 1. Vorsitzende des Clubkombinat Hamburg e.V., resümierte: "Wer hätte, als es 2010 mit den Planungen für den 1. Club Award im Hafenklang losging, gedacht, dass wir mit der zehnten Ausgabe insgesamt 93 Preisträger auszeichnen konnten. Der Club Award hat sich neben Live Concert Account und Clubstiftung zur festen Säule in der Hamburger Musikspielstättenförderung entwickelt. Wir würdigen öffentlich Jahr für Jahr diejenigen, die sich um die Hamburger Clubkultur verdient gemacht haben. Mit kreativen Konzepten, bestem Programm und professioneller Durchführung von Live-Musik und DJ-Acts. Glückwunsch an alle Preisträger, die in diesem Jahr die Jury überzeugen konnten."