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Pop Summit stellt Weichen für die Zukunft

Am zweiten Tag beschäftigten sich die Teilnehmer des Pop Summit 2020 in Köln mit Fragen zu Exportstrategien und Haltung, nahmen aber auch das Spannungsfeld von Kultur- und Wirtschaftsförderung unter die Lupe. Zudem schien man sich darin einig, auch den Pop Summit selbst verstetigen zu wollen.

23.01.2020 15:14 • von
Zwischen den beiden Konferenztagen beim Pop Summit 2020 trafen sich Veranstalter und Förderer bei einem Empfang im Kölner Rathaus, mit dabei (von links): Andrea Rothaug (BV Pop), Manfred Janssen (KölnBusiness Wirtschaftsförderung), William Wolfgramm (Leiter des Büros der Kölner Oberbürgermeisterin), Norbert Oberhaus (BV Pop) und Moderatorin Anja Backhaus (Bild: Philipp Pongratz, Büro Pong)

Am zweiten Tag beschäftigten sich die Teilnehmer des Pop Summit 2020, ausgerichtet vom Bundesverband Popularmusik (BV Pop) am 21. und 22. Januar in den Räumen der IHK Köln, mit Fragen zu Exportstrategien und Haltung, nahmen aber auch das Spannungsfeld von Kultur- und Wirtschaftsförderung unter die Lupe.

So stellte zum Auftakt Virgo Sillamaa vom Musikexportbüro Music Estonia seine Untersuchung rund um die Aufgaben und Zielsetzungen der europäischen Musikexportförderer vor. Anschließend diskutierte er in einer von Lena Ingwersen (Music Cities Network) geleiteten Runde über die Entwicklungen und Voraussetzungen einzelner Akteure aus diesem Bereich. Unter anderem verwies dabei Daniel Winkel vom französischen Le Bureau Export auf die bald 35 Jahre währenden Erfahrungen Frankreichs in Sachen Musikexport, Neus López machte klar, dass es bei der Arbeit der Initiative Musik selbstverständlich auch darum gehe, die Position von heimischen Musikacts und Musikmanagern auf internationalem Terrain zu stärken, und Alexander Schulz erläuterte die Strategien der Veranstalter des Reeperbahn Festivals, die eigene Marke zunehmend international zu verankern und an Events in den USA, Afrika oder Asien anzudocken.

"Ja, wir hängen an der Fördernadel", sagte wenig später der Staatsakt-Labelbetreiber, Musikverleger und Musiker Maurice Summen in einer Runde, die das Zusammenspiel von Kultur- und Wirtschaftsförderung analysieren wollte. Summen machte deutlich, dass angesichts der Entwicklung weg vom Verkauf physischer Produkte hin zum Streaming die Produktion eines Albums ohne finanzielle Unterstützung oft kaum noch zu stemmen sei: "Der unbedingte Wille zur Selbstausbeutung in den Pop-Nischen ist ein Problem." Förder- und Antragsspezialistin Rosita Kürbis von der Berlin Music Commission strich heraus, dass die Leistungen der vielen Einzelkämpfer im Musikgeschäft mit den Instrumenten der unter anderem auf Wachstum und den Aufbau von Arbeitsplätzen zielenden Wirtschaftsförderung nur schwer in Einklang zu bringen seien, obwohl in den weit verzweigten Kreativnetzwerken der eine Selbstständige oftmals andere Selbstständige mit anfallenden Arbeiten beauftrage.

Claudia Nussbauer vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen zählte auf, dass im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft rund 60 Prozent der Fördermittel ihres Hauses an Projekte aus dem erweiterten Pop-Umfeld gehen würden, unter anderem an c/o pop oder SoundTrack_Cologne. Zugleich sei die Projektförderung jedoch im Vergleich zur stetigen institutionellen Unterstützung nur "eine Krücke", sagte Nussbauer. Auch wenn man viele Projekte Jahr für Jahr quasi institutionell unterstütze, müsse die Politik hier noch einmal ran. Mit dem inzwischen für die 2019 neu aufgestellte KölnBusiness Wirtschaftsförderungsgesellschaft tätigem Andreas Füser war sie sich einig, dass gemeinsame Aktivitäten im Bereich der Kultur-und Wirtschaftsförderung möglich seien, wenn man denn übergreifend miteinander im Gespräch bleibe.

"Haltung ist mehr als nur ein Lippenbekenntnis", sagte wenig später Katja Lucker, die in einer Runde unter dem Motto "Haltung, aber sofort!" unter anderem von den Problemen mit einem BDS-Boykottaufruf gegen das vom Musiboard Berlin ausgerichtete Festival Pop-Kultur berichtete. Mit dabei bei dem von Ralph Christoph (cologne on pop) geleiteten Panel waren Dana Bauers (BV Pop), Thorsten Hindrichs (Johannes Gutenberg Universität Mainz), Ben Zschorn (MusicMatch Konferenz & Festival) und Judith Sophie Schilling vom Verein Treibhaus. Dieses soziokulturelle Zentrum im sächsischen Döbeln geriet jüngst unter Druck, als Anfang Dezember nach einem entsprechenden Vorstoß der AfD die institutionelle Förderung des Trägervereins zurückgestellt wurde. Die BV-Pop-Mitglieder sagten Unterstützung zu, Moderator Ralph Christoph strich zudem heraus, dass die "Immunisierung von Förderung" im kulturellen Bereich eine zentrale Aufgabe werden müsse. In diesem Punkt war man sich schnell einig.

Ebenfalls einig schienen sich die Teilnehmer darin, auch den Pop Summit selbst verstetigen zu wollen: Norbert Oberhaus, der den Pop Summit 2020 als Geschäftsführer der c/o pop und Vorstandsmitglied des BV Pop sowie mit Unterstützung aus Stadt und Land nach Köln gelotst hatte, zeigte sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung und dem Zuspruch der zumindest am ersten Konferenztag mehr als 300 Teilnehmer: "Wir wollen daran anknüpfen", sagte Oberhaus zwischenzeitlich, und zeigte sich zuversichtlich, dass es bereits in zwei Jahren einen erneuten Pop Summit geben könne. Diese Position bestätigte dann im Rahmen bei der offiziellen Abschlussrunde Olaf "Gemse" Kretschmar (Berlin Music Commission, BV Pop). Man plane, in zwei Jahren den nächsten Pop Summit auszurichten: "Das wird schon klappen."

Text: Knut Schlinger