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Grammy-Macher stellen Chefin kurz vor der Preisverleihung frei

Eigentlich sollte Deborah Dugan die US-Branchenpreise nach dem Abschied von Neil Portnow in ein gesellschaftlich ruhigeres Fahrwasser führen. Nun aber, nicht einmal ein halbes Jahr nach Dienstantritt und nur gut eine Woche vor der Grammy-Verleihung, stellt die Recording Academy die Präsidentin mit sofortiger Wirkung frei.

17.01.2020 14:44 • von
Gerät bei den Grammys noch vor ihrer ersten Preisverleihung ins Abseits: Deborah Dugan (Bild: Recording Academy)

Eigentlich sollte Deborah Dugan als neuer President & CEO die US-Branchenpreise nach dem Abschied von Neil Portnow in ein gesellschaftlich ruhigeres Fahrwasser führen. Nun aber, nicht einmal ein halbes Jahr nach ihrem offiziellen Dienstantritt im August 2019 und nur gut eine Woche vor der 62. Grammy-Verleihung, die am 26. Januar im Staples Center in Los Angeles steigt, stellt die Recording Academy die Vorsitzende mit sofortiger Wirkung frei.

Der Aufsichtsrat der Organisation habe sich aufgrund aktueller Vorfälle zu diesem Schritt entschlossen, lässt die Recording Academy wissen. Dabei geht es unter anderem um Vorwürfe eines Fehlverhaltens gegenüber einer Mitarbeiterin der Academy. Bis die Vorwürfe geklärt seien, übernimmt Harvey Mason als Vorsitzender des Aufsichtsgremiums die Leitung der Recording Academy. Zudem habe man unabhängige Kräfte mit einer Untersuchung beauftragt.

Das US-Branchenmagazin "Billboard" berichtet von einem nach kurzer Zeit zerrütteten Verhältnis zwischen der neuen Chefin und Mitarbeitern der Academy. Auch wenn Dugan zunächst nur freigestellt ist, sei es unwahrscheinlich, dass sie auf ihren Posten zurückkehren werde.

Die Berufung von Deborah Dugan hatten die Veranstalter der Grammy-Verleihung bereits im Mai 2019 verkündet.Damit rückte zum ersten Mal eine Frau an die Spitze der Recording Academy. Deborah Dugan kann auf Erfahrungen aus mehr als drei Jahrzehnten aus dem Spitzenmanagement in der Wirtschaft und dem Non-Profit-Bereich verweisen. Vor ihrem Wechsel zu den Grammys stand die Anwältin als CEO an der Spitze der unter anderem in der Bekämpfung von AIDS aktiven Organisation (RED) und war zuvor zudem als President von Disney Publishing Worldwide oder als Executive Vice President bei der EMI Records Group/Angel Records aktiv.

Neil Portnow, der langjährige President & CEO der Recording Academy, geriet im Frühjahr 2018 bei der 60. Verleihung der US-Musikpreise im Zusammenhang mit der Diskussion ums Thema Geschlechtergerechtigkeit ins Visier der Öffentlichkeit. Damals meinte er sinngemäß, dass Frauen sich einfach mehr anstrengen müssten. Weibliche Führungskräfte aus dem Musikgeschäft forderten anschließend mehr Transparenz und Mitbestimmungsmöglichkeiten bei den Grammys. Neil Portnow trat einst als Präsident der Akademie die Nachfolge von Michael Greene an, der der sexuellen Belästigung von Mitarbeiterinnen verdächtigt wurde.