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Eurosonic Noorderslag 2020 - Neues in den Niederlanden

Erst wenn sich die Livebranche im Januar in Groningen beim Showcasefestival Eurosonic Noorderslag trifft, weiß man: Das neue Jahr hat wirklich ange fangen. 2020 warten jedoch einige Neuerungen auf die Fachbesucher.

14.01.2020 09:15 • von Jonas Kiß
Hier schlägt auch 2020 wieder das Herz von Eurosonic Noorderslag: das Tagungsgebäude De Oosterpoort in Groningen, hier eine Impression vom Vorjahr (Bild: Kai Swillus)

Erst wenn sich die Livebranche im Januar in Groningen beim Showcasefestival Eurosonic Noorderslag trifft, weiß man: Das neue Jahr hat wirklich angefangen. 2020 warten jedoch einige Neuerungen auf die Fachbesucher.

Während sich die Erfolgsformel von Eurosonic Noorderslag, das 1986 noch als eintägiges Event erstmals über die Bühne ging, mit dem Fokus auf neue europäische Bands und einer 1990 hinzugekommenen Konferenz im Grunde nicht geändert hat, sind es die Ergänzungen und Erweiterungen im Rahmenprogramm, die das Festival nach wie vor spannend machen. So richten sich die Branchenaugen in diesem Jahr, wenn die Veranstaltung vom 15. bis 18. Januar wieder in der nordholländischen Provinzhaupt- und Universitätsstadt Groningen stattfindet, vor allem auf die Premiere der Music Moves Europe Talent Awards am 18. Januar. Die Vorgängerveranstaltung, die European Border Breaker Awards (EBBAs), hatten bislang den Mittwochabend in Beschlag genommen und waren zu dem Zeitpunkt in Konkurrenz getreten mit dem eigentlichen Showcaseprogramm, das seit einigen Jahren ebenfalls an diesem Tag beginnt. Diese Terminkollision haben die Veranstalter von der Stiftung Noorderslag, hinter der die niederländische Verwertungsgesellschaft BUMA steckt, in diesem Jahr umgangen.

»Statt am Mittwoch findet die Verleihung der Music Moves Europe Talent Awards nun am Freitag, den 17. Januar statt - und zwar um 19 Uhr in der Stadsschouwburg, also vor dem Beginn der Showcasekonzerte am Abend«, erläutert Robert Meijerink als Head of Programme. Zudem wird eine Mehrheit der bei den Awards nominierten Acts an dem Abend auch im Showcaseprogramm auftreten. Darin sieht auch Marketing Manager Jildau Stoelwinder einen »Bonus« bei der Verlegung der Award Show auf den Freitag. »Auf diese Weise verlängern wie das Event über die Preisverleihung hinaus und die Musik der nominierten Band kann von Delegierten und Festivalgängern gleichermaßen genossen werden.«

Beim Reeperbahn Festivals wurden die anhand Erfolgsdaten und Empfehlungen aus der Branche nominierten 16 Bands erstmals genannt. In Groningen verteilt eine Jury nun Preise im Wert von jeweils 10.000 Euro in acht Kategorien. Zudem erhält wie bei den EBBAs ein Act einen mit 5000 Euro dotierten Public Choice Award. Die Preisgelder stammen zum Teil vom EU-Programm Creative Europe. Organisiert werden die Music Moves Talent Awards von Eurosonic Noorderslag gemeinsam mit dem Reeperbahn Festival, in Partnerschaft mit den Verbänden Yourope, Independent Music Companies Association (Impala), International Music Managers Forum (IMMF), Liveurope, Live DMA, European Music Exporters Exchange (EMEE), Digital Music Europe (DME) und der European Broadcasting Union (EBU).

_Aufwertung des Samstags

Eine weitere zentrale Änderung betrifft das Konferenzprogramm, das sich bislang vor allem auf den Donnerstag und Freitag konzentrierte. Nun wollen die Eurosonic-Veranstalter den Samstag aufwerten. Fanden bislang nur einige Panels an diesem Tag im angestammten Gebäude von Eurosonic Noorderlsag, dem Kulturzentrum De Oosterpoort, statt, so steht dieses nun am Samstag nicht mehr für die Konferenz zur Verfügung, wodurch das am Abend dort über die Bühne gehende Noorderslag Festival mit ausschließlich niederländischen Acts besser vorbereitet werden kann. Stattdessen haben die Konferenzmacher um Ruud Berends als Head Of Conference eine neue Location für die Konferenzinhalte gefunden, wie Meijerink ausführt: »Wir haben mit dem brandneuen und schönen Forum in Groningen am Samstag eine neue Spielstätte für die Konferenz gefunden.«

Dort ist nun ein um mehrere Stunden verlängertes Angebot an Panels, Vorträgen und Präsentationen geplant Zudem freut sich Meijerink auf das diesjährige Partnerland, Schweiz. »Ich bin gespannt darauf, all die Schweizer Acts vorzustellen, die dieses Jahr bei Eurosonic Noorderslag auftreten.« Dazu gehören unter anderem The Gardener & The Tree, Emilie Zoé und Sophie Hunger, die auch bei einer sogenannten Beer Crate Session im Konferenzprogramm über ihre Karriere sprechen will. Anders als andere Showcasefestivals, bei denen Livekonzerte mitunter bereits am Nachmittag stattfinden und Konferenzprogrammpunkte sowie Networking Events auch in den Abend hineinreichen, legt man in Groningen Wert auf eine strikte Trennung, wie Meijerink betont.

»Es ist wichtig, den Fokus auf die Konferenz und auch die Live-Showcases zu legen. Deswegen halten wir beide Bereiche separat und können beide für sich in den Mittelpunkt rücken. Seit den frühen Tagen von Eurosonic Noorderslag ist es uns wichtig, beide Bereiche als gleich wichtig zu behandeln.« Entsprechend hochkarätig besetzt ist das diesjährige Konferenzprogramm. Aus deutscher Sicht dürfte ein von Gordon Masson (ILMC, »IQ«) geführtes Keynote Interview mit den beiden Gründern des Wacken Open Airs, Holger Hübner und Thomas Jensen, spannend sein, das am Eurosonic- Freitag von 16:30 bis 17:30 Uhr steigt. Es ist Teil des Konferenzstrangs »ESNS Loud«, der sich wie bereits im Vorjahr um die härteren Musikgenres wie Heavy Metal kümmert.

Um die Zukunft von einer bestimmten Art von Open-Air-Events geht es auch beim »Boutique Festival Panel«. Hier wollen am 17. Januar ab 15 Uhr Rui Torrinha (Westway Lab, Portugal), Christof Huber (OpenAir St.Gallen, Schweiz), Emma Zillmann (Bluedot/Kendall Calling, Großbritannien) und Dimitris Voglis (Release Athens) über die Weiterentwicklung ihrer Festivals im Zeichen der Konsolidierung sprechen. Sie wollen auch analysieren, was es für sie bedeutet, wenn Corporate-Unternehmen mehr und mehr Festivals aufkaufen und dadurch dann in der Lage sind, Bands gleichsam auf Tourneen über diese Festivals zu schicken. Weiterhin ein wichtiges Thema bleibt auch der Kampf gegen den unautorisierten Ticketingzweitmarkt. Die 2019 bei Eurosonic Noorderslag gegründete Face-Value European Alliance For Ticketing (FEAT) präsentiert am Donnerstag um 16:30 Uhr unter dem Titel »Solving Scalping - Step 1: Build A Consensus« ein von Sam Shemtob (FEAT) moderiertes Panel, in dem Neo Sala (FEAT/Dr Music, Schweden) und Peter Kwint von der niederländischen Sozialistischen Partei über eine europaweite Lösung des Problems diskutieren wollen. Nach Groningen reist auch wieder der Analyst Mark Mulligan von Midia Research, der am Eurosonic-Donnerstag für seine Keynote ab 12 Uhr den Titel »Insurgents And Incumbents: The Remaking Of The Music Business« gewählt hat.

Unter dem Titel »The Dickins Dynasty« befragt zudem Greg Parmley (ILMC) ab 13.30 Uhr die britischen Agenten Barry, Lucy und Jonathan Dickins. Zu den weiteren Höhepunkten gehören ein von Rembert Stiewe (Orange Blossom Special) geführtes Keynote Interview mit Jonathan Poneman vom US-amerikanischen Indielabel Sub Pop und eine Keynote von Richard Wernicke (Head of Content & Editorial Deezer GSA), beide am Donnerstag. Ebenfalls an dem Tag hält Don Pawley (Senior Vice President of Marketing & Insight Ticketmaster International) eine Keynote, die um 17 Uhr nahtlos übergeht in das traditionelle Get-together von Ticketmaster bei Eurosonic. Unter dem Motto »Fiercely Independent! « will Martin Goldschmidt (Managing Director Cooking Vinyl) seinem Namensvetter Martin Elbourne (Glastonbury Festival, Great Escape) einen Tag später ein Keynote Interview geben. Goldschmidt spricht von 13:30 bis 14:30 Uhr, eine halbe Stunde später ist es wieder Greg Parmley, der den britischen Agenten John Giddings im Rahmen eines weiteren Keynote Interviews befragen soll. Ohne Moderator kommen Stephen O'Reilly und Tom Burris (beide ie:music) aus, wenn sie sich unter der Überschrift »The Marketing Beam Behind Robbie Williams' 13th Studio Album« vorstellen wollen. Die Präsentation beginnt am Eurosonic-Freitag um 16:30 Uhr. Weil die Niederlande in diesem Jahr den Eurovision Song Contest (ESC) ausrichten, spielt der Sangeswettbewerb auch eine Rolle bei Eurosonic Noorderslag. Über die Veranstaltung spricht der Executive Supervisor des ESC, Jon Ola Sand, in seinem Keynote Interview »The Last Job«.