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Stefan Zilch macht sich mit Voicd.FM selbstständig

Nach Stationen bei Spotify und Acast will Stefan Zilch seine Erfahrungen aus den Bereichen Streaming und Podcasting nun zusammenführen. Dazu gründet er mit Voicd.FM ein Podcast-Netzwerk, das sich an Musiker, Manager und Labelmacher richtet.

10.01.2020 11:55 • von
Glaubt fest daran, "dass Podcasts schon in kurzer Zeit zu einem wichtigen Bestandteil der digitalen Erlösmodelle von Künstlern und Labels gehören werden": Stefan Zilch (Bild: Spotify; Layout: MusikWoche)

Nach Stationen bei Spotify und Acast will Stefan Zilch seine Erfahrungen aus den Bereichen Streaming und Podcasting nun zusammenführen. Dazu gründet er mit Voicd.FM ein Podcast-Netzwerk, das sich an Musiker, Manager und Labelmacher richtet.

"Fast alle Content-Verticals sind mit spannenden Talenten und Inhalten im Podcast-Universum vertreten, von Comedy bis Crime", hat Stefan Zilch beobachtet. "Nur ein Genre ist nahezu komplett abwesend: Musik und Popkultur." Daher resultiere auch der Name seines neuen Unternehmens. "Ich möchte den Stimmen, die wir aus der Musikwelt kennen, eine Präsenz in der Welt der Podcasts ermöglichen." Mit Voicd.FM verspricht er Kreativschaffenden aus Musik und Entertainment sowie deren Partnern eine Rundumbetreuung von der Konzeption und Beratung über die Distribution auf alle Plattformen wie Spotify, Apple oder Deezer und bis hin zur Monetarisierung der Inhalte, zum Beispiel durch die Verbindung mit Sponsoren und Markenartiklern.

"Ich glaube ganz fest daran, dass Podcasts schon in kurzer Zeit zu einem wichtigen Bestandteil der digitalen Erlösmodelle von Künstlern und Labels gehören werden", sagt Zilch, der mit Voicd.FM vom Firmensitz in Berlin aus helfen will, entsprechende Bande zum Beispiel zwischen Bands und Werbetreibenden zu knüpfen. "Die einzigartige Kombination aus großartigen Talenten, begeisterten Fans und exklusiven Inhalten in einem persönlichen und aufmerksamkeitsstarken Medium bieten ideale Voraussetzungen für erfolgreiche Markenkommunikation", zeigt sich Zilch zuversichtlich.

_BILDERBUCH MIT LIVEPREMIERE

Podcasts seien zudem ein guter Kanal für Künstler, um mit Fans persönlicher zu kommunizieren, als über Onlinevideos oder soziale Medien, wie Zilch unter anderem mit Verweis auf eine durchschnittliche Podcast-Hördauer von 26 Minuten sagt. Zudem hätten Podcast den Vorteil, dass Kreativschaffende sich hier unabhängig und plattformneutral präsentieren können.

Zum Start des Unternehmens bringt Voicd.FM einen Podcast der Band Bilderbuch ans Netz. Die Wiener Formation, die laut Zilch auf über 100 Millionen Audio- und 50 Millionen Videostreams kommt, lanciert ihren "Bilderbuch Podcast" zudem mit einer Premiere. Schließlich sei dessen erste Folge, "Live in Schönbrunn", zugleich weltweit der erste Fall, in der eine Band ein gesamtes Livekonzert per Podcast veröffentlicht. Die Episode ist bereits auf den entsprechenden Portalen zu finden, soll aber erst in diesen Tagen über soziale Kanäle angepriesen werden.

Auch ein Sponsor steht bereit: Dabei handelt es sich zwar nicht um eine der von Bilderbuch in einem Song prominent besungenen Softdrinks, dafür will aber die Marke Orangina bei Bilderbuch-Fans punkten - "ein toller Fit zwischen Produkt und Zielgruppe", wie Zilch im Gespräch mit MusikWoche betont.

Seine eigene Rolle an der Schnittstelle zwischen Musikern, Managements, Markenartiklern und Plattformbetreibern beim Zustandekommen dieser und weiterer geplanter Aktivitäten beschreibt Zilch so: "Voicd.FM versteht sich als Dienstleistungsagentur, als Vermittler und Vermarkter für nationale und internationale Musikschaffende, die im Podcast-Bereich aktiv werden wollen." Zum Start des Unternehmens sei er nicht auf finanzstarke Partner angewiesen, erläutert Zilch zudem. Schließlich baue er keine neue App, sondern setze auf den bestehenden Plattformen auf und nutze etablierte Ressourcen.

_ZILCH BLEIBT ACAST ALS PARTNER ERHALTEN

Das bedeutet zugleich, dass Zilch seinem jüngsten Arbeitgeber Acast auch künftig als Partner erhalten bleibt. Zudem steht Zilch dem schwedischen Unternehmen in einer Übergangszeit noch beratend zur Seite.

"Wir sind immer stolz, wenn einer von uns seine Podcast-Erfahrung nutzt, um frische, innovative Ideen auf den Markt zu bringen, die die Branche vorantreiben", kommentiert denn auch Acast-CEO Ross Adams den anstehenden Abschied. "Wir haben Stefan zu Beginn des Sommers 2019 für den Launch von Acast Deutschland dazugeholt, um ein brillantes Team aufzubauen, ein branchenführendes Angebot in dieser Region zu etablieren und uns dabei zu helfen, einen echten Einfluss auf den Start im wachsenden deutschen Podcast-Markt zu nehmen." Nun, da diese Mission erfüllt sei, freue man sich, dass Zilch mit Voiced.FM "ein wichtiger Partner von uns auf dem Markt" werde: "Wir können es kaum erwarten, das nächste Kapitel unserer Zusammenarbeit gemeinsam zu beginnen". Zilch selbst wertet den Start von Acast Deutschland als "ein fantastisches Projekt für mich«, und zeigt sich »zufrieden damit, wie sich das Unternehmen so schnell auf dem deutschen Podcast-Markt etabliert" habe. "Ich freue mich, diese Erfahrung nun in eine so innovative Podcast- und Musikpartnerschaft umzusetzen und auf die Partnerseite von Acast zu wechseln. Ich möchte dem Team für die Unterstützung danken, die es mir ermöglicht hat, diese Idee zu entwickeln."

_VOM BROADCAST ZUM PODCAST

"Spotify killt das Radio nicht, Podcasts aber vielleicht schon", lautet eine These, die Stefan Zilch im Gespräch mit MusikWoche aufstellt. So habe man beim Sendernetzwerk NPR in den USA, wo Podcasting längst "riesig" sei, inzwischen festgestellt, dass Radiobetreiber wohl schon sehr bald mehr Hörer über Podcast-Formate erreichen dürften, als über den klassischen Broadcast ihrer Angebote.

_ZUR PERSON

Stefan Zilch begleitete die Podcast-Plattform Acast seit dem Frühjahr 2019 als Geschäftsführer und Regional Managing Director beim Launch in Deutschland. Zuvor kam der studierte Medienwissenschaftler und gebürtige Rostocker Anfang Mai 2012 als Country Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz zu Spotify, wenige Wochen nach dem Deutschlandstart, und blieb bis Ende 2016 beim Streamingdienst. Vor seiner Zeit als Deutschlandchef von Spotify war Zilch seit 1999 im Bereich Vermarktung und Onlinewerbung für Onlineportale und Media-Unternehmen in Deutschland und Großbritannien tätig, darunter Sportgate, T-Online International, InteractiveMedia, Madvertise und MySpace.

Text: Knut Schlinger