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Konzerttickets als Beigabe chartsfähig

Für die Offiziellen Deutschen Charts, die GfK Entertainment im Auftrag des Bundesverbands Musikindustrie ermittelt, gilt ein neues Regelwerk. Die aktuelle Systembeschreibung unterscheidet sich vom Vorgänger allerdings nur durch einen Halbsatz. Der aber macht den Weg frei für kreative Vermarktungspakete von Musikaufnahmen und Konzerttickets.

13.12.2019 09:24 • von
Leitet beim BVMI die Aktivitäten in den Bereichen Marktforschung und Entwicklung: Georg Sobbe (Bild: Markus Nass)

Für die Offiziellen Deutschen Charts, die GfK Entertainment im Auftrag des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) ermittelt, gilt inzwischen ein neues Regelwerk. Die nun aktuelle "Systembeschreibung 4.9" unterscheidet sich vom Vorgänger, der "Systembeschreibung 4.8" allerdings nur durch einen Halbsatz. Der aber macht grundsätzlich den Weg frei für kreative Vermarktungspakete von Musikaufnahmen und Konzerttickets.

Denn als Beigabe sind fortan auch "Konzerttickets beziehungsweise Konzert-Zugangsberechtigungen zulässig", wie es in Kapitel 4.5 des Regelwerks heißt, das der BVMI auf seinen Onlineseiten bereithält.

"Stand jetzt gilt hinsichtlich Konzerttickets und Konzert-Zugangsberechtigungen als Beigaben in einem Tonträger-Bundle die aktuelle Regel aus der seit 1. November gültigen Systembeschreibung der Offizielle Deutschen Charts", bestätigt Georg Sobbe, Leiter Marktforschung & Entwicklung: "Tonträger-Konzertticket-Bundles sind nach dieser Regel nur in Form von Musikprodukten, denen physisch ein Konzertticket oder eine Konzertzugangsberechtigung beiliegt, chartsrelevant."

In den USA war schon einige Male zu beobachten, dass Alben auch mehrere Monate nach Veröffentlichung wieder weit oben in den Hitlisten landeten, wenn eine Tour in den Vorverkauf ging: So profitierte zum Beispiel die Formation Metallica mit ihrem "Hardwired"-Album im Frühjahr 2017 von einer entsprechenden Marketingaktion, bei der Fans zusammen mit einem frisch erworbenen Konzertticket auch den Longplayer als Dreingabe erhalten. Ein Jahr später verbesserte sich das Album noch einmal von Platz 42 auf zwei der US-Albumcharts, als erneut eine gemeinsame Verkaufsaktion mit Tickets für die Nordamerika-Konzerte von Metallicas "WorldWired Tour" anstand. Ähnliche Aktionen gab es zudem bei Acts auf einer musikalischen Spannweite von Pink bis zu Vampire Weekend.

Ob das ein gewünschter Effekt der neuen Regelung hierzulande ist? Was den Anstoß dazu gab, Konzerttickets mit in die Beigabenliste der Chartswertung aufzunehmen? Oder man nicht angesichts der im Konzertgewerbe bei Stars längst üblichen Eintrittspreise fürchten müsse, dass das Album hier schnell zu einer Beigabe zum Liveversprechen wird? Und welcher Wert fließt hier fortan maximal in die Erhebung der Charts ein? Dazu hält man sich beim BVMI zunächst bedeckt: "Weitere Ausgestaltungen dieser Regel werden zurzeit in den zuständigen Gremien des BVMI besprochen", lässt Georg Sobbe wissen.