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GEMA nennt Details zum Zebralution-Deal

Die GEMA gab am 4. Dezember die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an Zebralution bekannt. Was die Verwertungsgesellschaft mit dem Digitaldienstleister vorhat, erläutert Thomas Theune, Direktor Sendung und Online. Dabei geht es unter anderem um die Höhe der Beteiligung und Angebote für selbstvermarktende Künstler.

04.12.2019 08:00 • von
Plant mit Zebralution neue Angebote, die sich direkt an ausübende Künstler richten, die ihre Musik ohne Label digital verbreiten wollen: Thomas Theune, Direktor Sendung und Online der GEMA (Bild: Florian Jaenicke)

Die GEMA gab am 4. Dezember 2019 die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an Zebralution bekannt. Was die Verwertungsgesellschaft mit ihren rund 74.000 Mitgliedern nun mit dem Digitaldienstleister vorhat, der über 1000 Labels und Hörbuchverlage vertritt, erläutert Thomas Theune, Direktor Sendung und Online der GEMA, auf Nachfrage von MusikWoche.

MusikWoche: Was genau bewegt die GEMA zum Einstieg in den Digitalvertrieb?

Thomas Theune: Durch die Digitalisierung des Musikmarkts agiert die GEMA in einem disruptiven Marktumfeld, das eine stete Anpassung ihres Geschäftsmodels erfordert. Die digitale Musiknutzung boomt und immer neue Geschäftsmodelle treten in den Markt. Der digitale Vertrieb von Musik sowie von Formaten wie Podcast und Hörbuch gewinnen rasant an Bedeutung. Die GEMA hat das Potenzial dieses Wachstumssegments im Musikmarkt erkannt. Mit der Mehrheitsbeteiligung an Zebralution sichert sie sich als eine der ersten Verwertungsgesellschaften die wirtschaftliche Teilhabe daran, erweitert ihr Leistungsportfolio und entwickelt ihre digitalen Services und Technologien weiter.

Damit investiert die GEMA gezielt in die Zukunftsfähigkeit der Verwertungsgesellschaft und steigert ihre Relevanz im digitalen Musikmarkt. Nach der Gründung des internationalen Joint Ventures ICE und dem Ausbau ihres digitalen Serviceangebotes, geht sie den nächsten strategischen Schritt in Richtung Wachstum und Digitalisierung.

Zudem kann sich die GEMA mit der Beteiligung an Zebralution in der Musikwirtschaft und Digitalszene sichtbar platzieren. Sie stärkt damit auch ihre Präsenz in der Musikhauptstadt Berlin, in der inzwischen alle relevanten Unternehmen der Musik- und Kreativszene angesiedelt sind.

MusikWoche: Passt das zusammen, die Verwertungsgesellschaft als Treuhänderin ihrer Mitglieder hier, der auf Umsatz und Gewinn schauende Akteur im Digitalmarkt da?

Thomas Theune: Die GEMA und Zebralution passen gut zusammen, da sie ein gemeinsames Ziel verfolgen: Die effiziente Wahrnehmung der ihnen jeweils übertragenen Rechte sowie eine vollständige und transparente Verteilung der von ihnen jeweils erzielten Lizenzvergütungen. Für die GEMA ist dabei ihre Rolle als fairer und unabhängiger Vertreter der Interessen ihrer Mitglieder zentral und die Basis der künftigen Zusammenarbeit mit Zebralution.

MusikWoche: Hat die GEMA eigentlich für einen solchen Schritt von ihren Mitgliedern ein entsprechendes Mandat?

Thomas Theune: Der mehrheitliche Erwerb der Zebralution GmbH wurde vom Aufsichtsrat der GEMA beschlossen.

MusikWoche: Liegt die erworbene Mehrheitsbeteiligung eher bei 50,1 Prozent, oder eher bei 99 Prozent?

Thomas Theune: Die GEMA hat eine Mehrheitsbeteiligung von 75,1 Prozent der Geschäftsanteile an der Zebralution GmbH erworben.

MusikWoche: Wo soll der Standort sein?

Thomas Theune: Der Hauptsitz von Zebralution in Berlin bleibt bestehen.

MusikWoche: Wie sieht die Berichtslinie für die Zebralution-Geschäftsführer aus?

Thomas Theune: Zebralution wird als eigenständiges Unternehmen unter dem Dach der GEMA agieren. Beide Unternehmen werden mit Blick auf die Entwicklung neuer Geschäftsfelder eng zusammenarbeiten. So plant die GEMA mit Zebralution neue Angebote, die sich - Business2Artist - direkt an ausübende Künstler richten, die ohne Label oder Plattenfirma ihre Musik über digitale Musikanbieter an die Hörer bringen wollen. Dies ist besonders interessant für die Singer/Songwriter unter den GEMA-Mitgliedern, die künftig ihre Urheberrechte gemeinsam mit anderen relevante Rechten unter dem Dach der GEMA wahrnehmen lassen können.

Sowohl im operativen Geschäft als auch im Hinblick auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens wird es einen engen Austausch zwischen der GEMA und der Geschäftsführung von Zebralution geben. Daneben ist künftig eine direkte Vertretung der GEMA in der Geschäftsführung von Zebralution vorgesehen.