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Berliner Clubs KitKat und Sage vor dem Aus?

Die Berliner Clubs KitKat und Sage Club, die sich die Räumlichkeiten an der Köpenicker Straße teilen, droht angeblich die Schließung im Juni 2020. Die Clubcommission setzt sich für deren Erhalt ein und begrüßt die Forderung des CDU-Abgeordneten Christian Goiny nach Einrichtung einer Koordinierungsstelle, die zwischen Clubs, Hauptverwaltungen und Bezirksämtern vermitteln könnte.

29.11.2019 11:30 • von Frank Medwedeff
Hofft noch, dass es für die bedrohten Clubs weitergeht: Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubcommission (Bild: Clubcommission Berlin)

Die Berliner Clubs KitKat und Sage Club, die sich die Räumlichkeiten an der Köpenicker Straße im Bezirk Mitte teilen (Sage Club unter der Woche, KitKat am Wochenende), drohe die Schließung im Juni 2020, wie mehrere Berliner Zeitungen melden. Die Clubcommission Berlin sieht dies als Alarmsignal, nachdem in den vergangenen Jahren bereits diverse Clubs in der Hauptstadt zumachen mussten wie etwa 2018 die Location Jonny Knüppel auf der Lohmühleninsel oder in diesem Jahr der Farbfernseher in Kreuzberg.

Der Verbund von Clubbetreibern und Veranstaltern in Berlin setzt sich noch für einen Erhalt der beiden Clubs ein. Lukas Drevenstedt, der Geschäftsführer der Clubcommission, äußerte gegenüber der "Berliner Zeitung" die Hoffnung, "dass man sich zusammenfindet". Ein Investor aus München soll planen, im hinteren Teil des Geländes, das die Clubs beherbergt, ein Hotel zu bauen. Clubcommision-Sprecher Lutz Leichsenring, erklärte gegenüber dem "Tagesspiegel", dass dem Investor indes nicht das ganze Grundstück gehöre und ein Weiterbetrieb der Clubs in einem kleineren Bereich theoretisch möglich wäre. "Allerdings ist völlig klar, dass das keine Option für uns oder die Gäste sein kann."

"Spiegel Online" berichtet indes, dass der Hausverwalter Henry Neil Howe mitgeteilt habe, dass man sich mit den Betreibern des KitKat Clubs in Verhandlungen befände, dass dieser als Hauptmieter den Mietvertrag weiterführen könnte, nachdem bislang der Sage Club Hauptmieter sei. Sascha Disselkamp, Betreiber des Sage Clubs und zugleich geschäftsführender Vorstand der Clubcommission, sagte dem "Spiegel" jedoch, dass er von solchen Verhandlungen nichts wisse. Lutz Leichsenring vermutet "eine PR-Strategie" des Gelände-Eigentümers, der letztlich einen Verkauf des Geländes ohne die Clubs plane. Die Clubcommission sei selbst Untermieter der Sage-Gruppe und aufgrund der für Sommer 2020 erfolgten Kündigung bereits auf der Suche nach neuen Räumen.

Angesichts des grassierenden Clubsterbens begrüßt die Clubcommision den Vorschlag von Christian Goiny, dem medienpolitischen Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, eine Koordinierungsstelle einzurichten, die zwischen Hauptverwaltungen, Bezirksämtern und den Clubs vermitteln könnte. Staatliche Förderung sei auf jeden Fall notwendig, bekräftigte Goiny, der bemängelt, dass etwa die Linke mit Hinweis auf eine zu starke Kommerzialisierung der Clubkultur eher die Ansicht vertrete, "die Leute einfach machen zu lassen".

Kultursenator Klaus Lederer von der Linkspartei betonte indes, wie ihn der "Tagesspiegel" zitiert, dass KitKat und Sage Club "Ikonen der Berliner Clubkultur" seien, "an deren Erhalt uns sehr gelegen ist". "Wie die Clubcommission setzen auch wir darauf, dass es hier noch Einigung mit dem privaten Eigentümer geben kann."

Die Berliner Clubszene ist für die Stadt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Laut einer Studie, die im Frühjahr 2019 veröffentlicht wurde, generiert die Clubszene mit den damit zusammenhängenden Tourismuseinnahmen einen Jahresumsatz von fast 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Zuletzt fanden demnach in den Berliner Clubs jährlich fast 58.000 Veranstaltungen mit 71.000 auftretenden Künstlern statt. Die Studie weist zudem aus, dass jeder dritte Tourist wegen der dortigen Clubkultur nach Berlin komme.