Handel

Vinyl gewinnt im deutschen Musikmarkt wieder an Dynamik

Rosiges Bild: Zum Start der Plattenladenwoche ziehen der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) und GfK Entertainment eine Zwischenbilanz des Vinylgeschäfts. Demnach legten die Umsätze und Verkaufszahlen von LPs in den ersten neun Monaten hierzulande schneller zu als noch im Vorjahr.

25.11.2019 16:34 • von
Stellen die erfolgreichste LP-Veröffentlichung der ersten drei Quartale 2019: Rammstein (Bild: Jens Koch)

Während es bei den Initiatoren der Plattenladenwoche von Aktiv Musik Marketing angesichts der jüngsten Umbauarbeiten beim Handelsverbund zum Start in die Aktionswoche am 25. November ruhig blieb, ziehen der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) und GfK Entertainment eine Zwischenbilanz des Vinylgeschäfts. Demnach legten die Umsätze und Verkaufszahlen von LPs in den ersten neun Monaten hierzulande schneller zu als noch im Vorjahr - die Schallplatte befinde sich damit seit mehr als zwölf Jahren fast ununterbrochen im Aufwind, heißt es aus Berlin und Baden-Baden. Einzig 2018 habe es "eine kurze Verschnaufpause" gegeben.

Nach den von den Marktforschern ermittelten Zahlen legten die Umsätze im Vinylbereich in den ersten drei Quartalen 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent zu. Zugleich wuchs die Zahl der von Anfang Januar bis Ende September verkauften Schallplatten von 2,02 Millionen Stück im Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent auf nunmehr rund 2,17 Millionen Einheiten. Zur Erinnerung: Zum Halbjahr ging es in der Nische Vinyl nach Umsätzen noch um 7,4 Prozent bergauf.

Parallel baute das Vinyl seinen Umsatzanteil am physischen Markt auf inzwischen 12,9 Prozent aus. Im Gesamtmarkt, also inklusive Streaming und Co., kam die LP im Jahr 2018 und zum Halbjahr auf einen Umsatzanteil von 4,4 Prozent.

"Das Vinyl-Comeback ist weitaus mehr als nur eine schöne Geschichte für Nostalgikerinnen und Nostalgiker, sondern ein Beispiel für die Formatvielfalt, die die Branche anbietet", streicht Florian Drücke heraus, der Vorstandsvorsitzende des BVMI: "Es zeigt auch, dass in der digitalen Zeit das analoge Produkt für viele einen großen Wert hat." In Deutschland seien Menschen bereit, "mehr Geld sowohl für ein physisches Album als aber auch für ein Digitalalbum auszugeben", umreißt Drücke die Lage am Markt. "Damit ist die Wertschätzung für Musik insgesamt gestiegen, und auch das ist mehr als nur eine schöne Geschichte!"

Auch Mathias Giloth, Geschäftsführer GfK Entertainment, bestätigt, dass Musik, "die dadurch entsteht, dass eine Metallnadel in Polyvinylchlorid eingeritzten Tonspuren folgt und dann verstärkt wird", wieder Konjunktur habe: "Die empfundene Wärme dieses Tonträgers fasziniert trotz oder gerade wegen der Begleitgeräusche nicht mehr nur eine kleine Fangemeinde, sondern die breite Masse von Konsumenten und Musikern." Auch deutsche Künstler seien in diesem Bereich des Geschäfts sehr beliebt: "So stammt die Hälfte der 20 erfolgreichsten Schallplatten im laufenden Jahr von hiesigen Acts wie Rammstein oder den Toten Hosen." In den Top 20 (pdf) der in den ersten drei Quartalen erfolgreichsten LP-Veröffentlichungen sei "die Mischung aus nationalen, internationalen, neuen und älteren Alben breit gefächert".