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Max Raabe: Ein Bariton zieht den Stecker

Max Raabe hat in seiner Karriere schon oft für Überraschungen gesorgt. Nun hat der Sänger zusammen mit dem Palast Orchester und vielen prominenten Gästen wie Herbert Grönemeyer, Namika, Samy Deluxe, Lea, Mr. Lordi und Lars Eidinger ein ungewöhnliches "MTV Unplugged"-Album eingespielt.

25.11.2019 09:05 • von Norbert Schiegl
Überzeugende Umsetzung einer reizvollen Idee: das "MTV Unplugged"-Album von Max Raabe zusammen mit dem Palast Orchester (Bild: Universal Music)

Max Raabe hat in seiner Karriere schon oft für Überraschungen gesorgt. Nun hat der Sänger zusammen mit dem Palast Orchester und vielen prominenten Gästen wie Herbert Grönemeyer, Namika, Samy Deluxe, Lea, Mr. Lordi und Lars Eidinger ein ungewöhnliches "MTV Unplugged"-Album (We Love Music/Deutsche Grammophon/Universal Music) eingespielt.

Im ersten Moment mag die Entscheidung des Musikers, sich auf so ein Projekt einzulassen, überraschen. Doch Max Raabe hat sich nicht ohne Grund vom Interpreten klassischer Songs aus den 1920er-Jahren zum Schreiber eigener, moderner Stücke entwickelt. "Ich fand die Idee reizvoll, für ,MTV Unplugged' Leute einzuladen, auf die man nicht kommt, wenn man an Max Raabe und das Palast Orchester denkt. Daraus entstand für mich auch der Reiz, mir konkret über dieses Projekt Gedanken zu machen", erklärt der Künstler. "Am Anfang gab es noch keinen richtigen Plan für das Programm, sondern eher ein sachtes Vortasten und irgendwann fügten sich die Dinge dann eben zusammen. Man darf auch nicht vergessen, dass die Leute, die wir angefragt haben, selbst wenn sie Interesse hatten, ja auch ihre eigenen Projekte haben und noch gar nicht sagen konnten, ob sie zum Zeitpunkt der Aufnahme überhaupt verfügbar sein würden. Je weniger Leute an einem Projekt mitmachen, desto klarer kann man planen, und je mehr dabei sind, desto verrückter wird es dann. Umso erstaunlicher, dass es am Ende doch geklappt hat."

Bei der Konzeption des Albums spielte auch ein weiterer Grund eine große Rolle: "Der Reiz lag für mich nicht zuletzt auch an der großen Bandbreite, die die Gäste abdecken. Dass gerade der stillste und zarteste Moment des ganzen Albums von der wildesten Erscheinung der Hardrock-Szene, Mr. Lordi, gestaltet wird, zeigt, was mir an diesem Projekt besonders wichtig war."

Eingespielt wurde die Platte im Spiegelsaal von Clärchens Ballhaus in Berlin. "Die besondere Atmosphäre dieses Orts, der intime Rahmen und diese große Privatheit des Ganzen zeigt sich besonders deutlich auf der DVD. Seit der Kaiserzeit ist in diesem Raum kein Pinselstrich mehr gemacht worden. Er wurde nach dem Krieg lange Zeit als Lagerraum benutzt und ist erst vor einigen Jahren aus dem Dornröschenschlaf geholt worden."

Besonders viele Testläufe haben die Musiker vor der Aufzeichnung des Programms nicht absolviert. "Mit den Gästen haben wir eine Woche davor einmal geprobt", erzählt Max Raabe. "Mit Herbert Grönemeyer haben wir sozusagen telefonisch geprobt. Er ist ein absoluter Profi und hat aus dem Stand genau diese Version von ,Du weißt nichts von Liebe' vorgetragen. Es ist unglaublich, mit welcher Intensität und Klarheit er dieses Stück gestaltet hat." In Bezug auf Herbert Grönemeyer gibt es noch eine weitere Besonderheit auf der Platte: "Er ist auch der einzige Künstler, von dem wir auf dem Album mit dem Song ,Mambo' ein Stück interpretiert haben. Da wir ja auch oft lateinamerikanische Titel im Programm haben, erschien uns das ganz naheliegend."

Über den besonderen Aufnahmeort, der maßgeblich zum Gelingen des Projekts beitrug, schwärmt Max Raabe auch nachträglich noch: "Wir haben an den beiden Aufnahmetagen für ,MTV Unplugged' ein nahezu komplett unterschiedliches Programm dargeboten. Wenn etwas danebenging, haben wir es wiederholt. Das war der Vorteil des kleinen, intimen Saales in Clärchens Ballhaus, weil es das Publikum auch spannend fand, zu sehen, wie geht man damit um, wenn etwas bei der Aufzeichnung nicht gleich klappt. So etwas wäre in einem großen Saal gar nicht machbar gewesen. Erstaunlicherweise ist bei den Aufnahmen insgesamt nur ganz wenig danebengegangen."

Insgesamt waren die Aufnahmen für alle Beteiligten eine Herausforderung, wie Max Raabe festhält: "Bei einem Song wie ,Guten Tag, liebes Glück' war aber ich derjenige, der die Fehler gemacht hat, obwohl ich das Stück schon seit einem Jahr auf der Bühne singe, weil ich einfach Lea zugehört habe und dabei ganz vergessen hatte, dass ich jetzt mit meinem Einsatz dran bin."

Der große Aufwand für dieses Projekt hat sich für Max Raabe durchaus gelohnt. "In aller Demut muss ich sagen, es ging bei diesem Album alles sehr geschmeidig ineinander über. Wenn man anfängt, zum ersten Mal über so ein Projekt zu reden und dann beim nach Hause gehen denkt, oh Gott, was soll daraus überhaupt werden? Umso schöner ist es, wenn man sich einfach darauf einlässt. Man muss sich auch mal trauen, etwas auszuprobieren und eben nicht den gewohnten Pfaden folgen."

Tourdaten 2019

27.11. Erding

28.11. Rosenheim

29.11. Erlangen

30.11. Bad Hersfeld

01.12. Wetzlar

02.12. Mainz

06.12. Chemnitz

07.12. Chemnitz

08.12. Jena

09.12. Regensburg

10.12. Augsburg

11.12. München