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Kontroverse Debatten bei BDKV-Tagung

Kürzlich fand in Berlin die erste Mitgliederversammlung des fusionierten Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) mit öffentlichem Kongress der Livebranche statt. Dabei standen Diskussionen zur Abgabepflicht ausländischer Künstler für die Künstlersozialkasse und zum Zweitticketmarkt im Fokus - und der BDKV-Musikpreis ging ans Duo Hannah & Falco.

15.11.2019 16:28 • von Frank Medwedeff
Die BDKV-Verbandsgrößen mit dem Musikpreisträger-Duo (von links): Pascal Funke, Jens Michow, Hannah, Falco und Ehrenpräsident Michael Russ (Bild: Daniel Braun)

Die Mitglieder des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) trafen sich am 11. November 2019 im Hotel Maritim proArte in Berlin zu einer Premiere: Der Verband hatte erstmals nach der Fusion von bdkv und VDKD zum BDKV zur Mitgliederversammlung und im Anschluss zu einem öffentlichen Kongress für die Livebranche geladen.

Über 200 Vertreter von Mitgliedsunternehmen des Verbands nahmen daran teil. Unter dem Motto "Blickwinkelerweiterung" standen nicht nur branchenspezifische Probleme, sondern auch aktuelle Gesellschaftsthemen wie ein Vortrag zur bisher erfolgten Umsetzung von Beschlüssen der UN-Klimakonferenz 2015, Maßnahmen zur Ressourcen-Nutzung durch Nachhaltigkeit sowie etwaiger Handlungsbedarf im Zusammenhang mit der #MeToo-Debatte auf der Tagesordnung.

Ina Keßler, Geschäftsführerin der Initiative Musik, informierte die Teilnehmer über die Vielfalt der angebotenen Förderprogramme der Institution.

Johannes Ulbricht, Justiziar des BDKV und Geschäftsführer der Gesellschaft zur Wahrnehmung von Veranstalterrechten (GWVR) präsentierte den Vorschlag der Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt zur Angemessenheit des von der GWVR 2017 veröffentlichten Tarifs zur Vervielfältigung von Veranstaltungsmitschnitten auf Ton- und Bildtonträgern.

Besondere Aufmerksamkeit erzielten laut BDVK die Podiumsdiskussionen mit dem Direktor der Künstlersozialkasse (KSK), Uwe Fritz, sowie den Betreibern der Ticketzweitmarktplattformen Ticketbande, Twickets und TicketSwap.

In der Diskussion in Sachen KSK ging es vornehmlich um die Bedeutung der sogenannten A1-Bescheinigung für die Abgabepflicht der Veranstalter bei Konzerten internationaler Musiker. "Zunehmend sehen sich Veranstalter mit der Aussage ihrer ausländischen Vertragspartner konfrontiert, dass ihre Künstler ausweislich einer von ihnen vorgelegten A1-Bescheinigung Arbeitnehmer seien und daher keine Abgabe gezahlt werden müsse" beklagte Jens Michow, geschäftsführender Präsident des BDKV. Der Direktor der KSK, Uwe Fritz, erläuterte, dass es nach Auffassung der Künstlersozialkasse bei der Beurteilung der Abgabepflicht stets darauf ankäme, ob der Auftritt des internationalen Künstlers auch nach deutschem Recht tatsächlich als unselbstständige oder als selbstständige Tätigkeit zu behandeln sei. Die Veranstalter wiesen darauf hin, dass Ihnen eine solche rechtliche Kenntnis als Voraussetzung zur Beurteilung nicht möglich sei. "Die Bedeutung der A1-Bescheinigung wird im europäischen Ausland anders interpretiert als bei uns. Das führt derzeit in der Branche zu erheblicher Verwirrung", konstatierte Michow. "Sofern Künstler über eine A1-Bescheinigung verfügen, weigern sich ihre ausländischen Tourveranstalter, dass ihnen die Künstlersozialabgabe als Produktionskosten weiterbelastet wird. Konflikte sind da vorprogrammiert. Die KSK muss hier dringend Klarheit schaffen." Uwe Fritz sagte zu, dass die KSK zeitnah transparente Abgrenzungskriterien erarbeiten werde, die dann auch den internationalen Vertragspartnern vorgelegt werden könnten.

Aufgeheizte Stimmung entfachte die Diskussion mit dem Geschäftsführer der Ticketplattform Ticketbande, Frank Laurini. Während Laurini beteuerte, dass Ticketbande nicht selbst Eintrittskarten aufkaufe oder aufkaufen lasse, warfen die Kongressteilnehmer dem Betreiber vor, selbst Aufkäufer und Anbieter von Tickets mit erheblichen Preisaufschlägen zu sein. Es schädige Künstler, Veranstalter und Kartenkäufer gleichermaßen, wenn gewerbliche Händler Tickets mit enormen Preisaufschlägen ohne eigene Leistung und eigenes wirtschaftliches Risiko weiterverkauften, und das Publikum dann die Kosten durch Verzicht auf den nächsten Konzertbesuch einsparen müsste.

Die sogenannte BDKV-Klausel, mit welcher der gewerbliche Weiterverkauf von Eintrittskarten verboten wird, hielten Laurini und sein Rechtsanwalt für unwirksam. Außerdem könnten derartige "Regulierungen" nicht im Interesse der Wirtschaft liegen. Die anwesenden Repräsentanten von Twickets und TicketSwap erläuterten, dass bei den Angeboten auf ihren Websites entweder gekennzeichnete Aufschläge auf den Nominalpreis des Tickets erfolgten beziehungsweise maximal ein Aufschlag von bis zu 20 Prozent gefordert werde.

Pascal Funke, der Co-Präsident des BDKV, zog eine positive Bilanz der Veranstaltung: "Alle Beteiligten konnten erleben, dass in einem großen Verband im doppelten Wortsinn Raum für jedes Anliegen aus den verschiedenen Bereichen der Konzert- und Veranstaltungsbranche ist, und es mehr Gemeinsamkeiten gibt, als mancher vielleicht zuvor vermutet hat. Präsidium und Vorstand haben neben der Bestätigung wertvolle Anregungen und Handlungsaufträge erhalten, so dass wir gemeinsam maßgebende Projekte weiterverfolgen oder neu entwickeln können - es bleibt spannend, auch ein Jahr nach der Fusion!"

Im Rahmen einer festlichen Abendveranstaltung verliehen die BDKV-Präsidenten Pascal Funke und Jens Michow nach einer Gratulationsansprache des Ehrenpräsidenten Michael Russ den mit 10.000 Euro dotierten Musikpreis des BDKV an das Singer/Songwriter-Duo Hannah & Falco.

Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft wurde zum 1. Januar 2019 durch Fusion der beiden Organisationen Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv) und Verband der Deutschen Konzertdirektionen (VDKD) gegründet. In dem Berufsverband der deutschen Live-Entertainment-Branche sind mehr als 500 Agenturen, Tournee- und Konzertveranstalter zusammengeschlossen. Die Veranstaltungsbranche erwirtschaftete zuletzt nach Angaben des Verbands mit 113,5 Millionen verkauften Tickets einen Gesamtumsatz von rund fünf Milliarden Euro jährlich.