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Was macht eigentlich: Erhard Grundl, Handelsvertreter und Bundestagsabgeordneter

Was Tim Renner für die SPD in Berlin nicht gelang, schaffte Erhard Grundl für die Grünen im niederbayerischen Straubing: Er zog bei der jüngsten Bundestagswahl in den Bundestag ein. Grundl bringt unter anderem langjährige Erfahrungen aus dem Musikgeschäft mit. So betreute er unter anderem den Außendienst Süd für Cargo Records.

07.11.2017 10:09 • von
Gerade noch Cargo-Außendienstler, nun Grünen-Bundestagsabgeordneter: Erhard Grundl (Bild: Stefan Kaminski)

Was Tim Renner für die SPD in Berlin nicht gelang, schaffte Erhard Grundl für die Grünen im niederbayerischen Straubing: Er zog bei der jüngsten Bundestagswahl in den Bundestag ein. Grundl bringt unter anderem langjährige Erfahrungen aus dem Musikgeschäft mit. So betreute er unter anderem den Außendienst Süd für Cargo Records.

"Der Bundestag ist kein Part-Time-Job", schrieb Erhard Grundl nun aber Anfang November in einer Rundmail an die Handelspartner. "Und darum übernimmt ab dem 7. November der sehr kompetente und engagierte Tobias Leitmann mein Verkaufsbüro Süd für Cargo Records." Mit diesen Worten verabschiedete sich der als selbstständiger Handelsvertreter aktive Erhard Grundl nach Berlin, kündigte aber auch an, seinen ebenfalls seit vielen Jahren im Musikgeschäft tätigen Nachfolger im Hintergrund natürlich weiterhin unterstützen zu wollen.

Erhard Grundl kam am 7. Januar 1963 in Mallersdorf zur Welt, einem Ort in Niederbayern zwischen Straubing, Regensburg und Landshut. Nach dem Abitur ging Grundl in den 80er-Jahren an die Staatliche Fachoberschule Straubing, studierte Sozialpädagogik an der Uni Bamberg und der FH Regensburg, allerdings ohne Abschluss.

Parallel war Grundl musikalisch aktiv, zunächst bei einer Formation namens Sex Trash, von 1987 an sang er dann bei deren Nachfolgeband Baby You Know. Deren drittes Album, "Clear Water", produzierte 1992 Robert Forster; den Mitbegründer der Go-Betweens begleiteten Baby You Know zudem als musikalische Unterstützung bei seinen Solo-Tourneen und auch darüber hinaus: Karin Bäumler-Forster, die bei Baby You Know sang und Geige spielte, lebt längst mit ihrem Ehemann Robert Forster in Australien. Baby You Know lösten sich 1997 nach vier Alben und im Anschluss an eine Tournee in den USA auf, ihr letztes Konzert hatte die Band in Memphis im Bundesstaat Tennessee gespielt.

Da war Erhard Grundl bereits seit 1991 als Vertriebsmanager im unabhängigen Musikgeschäft unterwegs, eine Aufgabe, die er seit 2003 als Selbstständiger erfüllte.

Daneben aber bestimmt auch die Politik sein Leben: 2004 kam Erhard Grundl zu den Grünen, war von 2004 bis 2008 als Kreisvorsitzender, seit 2008 als Stadtrat in Straubing, seit 2012 als Bezirksvorsitzender der Grünen in Niederbayern und von 2014 bis 2017 als Fraktionsvorsitzender im Stadtrat für die Partei aktiv. Zur Bundestagwahl 2017 trat er nun als Direktkandidat für Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Straubing/Regen an. Das "Straubinger Tagblatt" bezeichnet Erhard Grundl im Umfeld der Wahlberichterstattung als "Bär von einem Mann: 1,90 groß, stattlicher Umfang, kräftige, warme Stimme. Nicht die grimmige Sorte Grizzlybär, sondern eher der gutmütige Balu."

"Ich komme aus der Kommunalpolitik", sagt Grundl im Anschluss an die für ihn erfolgreiche Bundestagswahl in einer YouTube-Videobotschaft der Bündnisgrünen unter dem Motto "Neues Grün im Bundestag". Da sei er es gewohnt, sich in vielen Feldern einarbeiten zu müssen - das wolle er nun auch im Bundestag machen. "Mich begeistert kulturelle Vielfalt", sagt Grundl aber auch. "Ich finde es großartig, wen man - egal ob in der Großstadt oder auf dem flachen Land - mit verschiedenen Menschen zusammenkommt, wenn man Kulturen und Gebräuche kennenlernt, das bereichert mein Leben und das finde ich ganz fantastisch." Diese Begeisterung kann er sich im politischen Berlin hoffentlich lang erhalten.

3,6 PROZENT

Im Wahlkreis 231 Straubing holte Erhard Grundl bei der Bundestagswahl Ende September 2017 ein Wahlkreisergebnis von 3,6 Prozent der Stimmen. In den Deutschen Bundestag zog er über die Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen ein, wo er auf Platz acht stand.

Text: Knut Schlinger