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Opus Klassik setzte ein Ausrufezeichen

Am 13. Oktober verlieh der Verein zur Förderung der Klassischen Musik in Berlin den Opus Klassik. Die Zuschauer erlebten eine durchaus vertraut wirkende Show mit eindrucksvollen Künstlern wie Sol Gabetta oder Andreas Ottensamer. Igor Levit setzt zudem mit einer engagierten Rede ein Ausrufezeichen. Mariss Jansons konnte indes die Auszeichnung für sein Lebenswerk nicht persönlich in Empfang nehmen.

14.10.2019 16:32 • von
Erhielt für seine engagierte Rede den lautesten und längsten Applaus des gesamten Opus-Klassik-Abends: Igor Levit, hier mit seiner Trophäe (Bild: Markus Nass, Verein zur Förderung der Klassischen Musik)

Am 13. Oktober 2019 verlieh der Verein zur Förderung der Klassischen Musik den Opus Klassik. Rund 1000 Gäste kamen ins laut den Veranstaltern ausverkaufte Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt. Die Zuschauer erlebten, obwohl es den Opus Klassik nun erst zum zweiten Mal gab, eine durch frühere Echo-Jahre durchaus vertraut wirkende Show mit eindrucksvollen Künstlern und Highlights von Sol Gabetta, Andreas Ottensamer oder Igor Levit. Der Pianist setzt zudem mit einer engagierten Rede ein Ausrufezeichen.

"Wir alle tragen Verantwortung", sagte Levit zum Abschluss einer Ansprache, in der er einen Bogen schlug von Kollegah und Farid Bang bis zu den jüngsten Opfern des rechtsextremen Terroranschlags in Halle. "Vor zwei Jahren zerfiel der Echo", erinnerte Igor Levit zunächst. Schon damals habe man eine zunehmende Verrohung der Sprache erkennen können. Nun, wenige Tage nach Halle, gelte es, zwei Tote zu beklagen. "Das ist keine Überraschung", machte der Künstler deutlich. Vielmehr sei hier eine Entwicklung zu beobachten, die "auf dem Boden der Sprachverrohung" gedeihe, und über eine stetig wachsende Zahl an Anfeindungen und Angriffen nun zu diesem Attentat geführte habe. "Wir alle tragen Verantwortung, für dieses Land, für seine Zukunft", unterstrich Levit, der seinen Preis schließlich all denen widmete, "die seit Jahren still oder laut gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Islamophobie und Antifeminismus kämpfen".

Igor Levit erhielt dafür den lautesten und längsten Applaus des gesamten Opus-Klassik-Abends; Standing Ovations wären an dieser Stelle durchaus angebracht gewesen.

Auch Christian Gerhaher nutzte seinen Auftritt beim Opus Klassik für ein engagiertes Statement und warnte vor den möglichen Folgen, wenn eine politische Riege mit "Alternative Facts" ihre eigene Sicht der Wahrheit verkaufe oder Verbrechen der Nazizeit als "Fliegenschiss" bezeichne. Klaus Florian Vogt erinnerte daran, dass die "Meistersinger" thematisch sehr viel mit Toleranz einerseits und mit Ausgrenzung andererseits zu tun hatten, und sprach sich in diesem Zusammenhang eben genau für Toleranz und gegen Ausgrenzung aus.

Eigentlich aber ging es beim Opus Klassik um die Musik. Und die kam zum Glück nicht zu kurz.

Das Konzerthausorchester Berlin unter seinem neuen Dirigenten Christoph Eschenbach spielte zunächst ein Stück von Korngold: "Das wird so etwas wie unsere Erkennungsmelodie", meinte Moderator Thomas Gottschalk, bevor er dann den ZDF-Intendanten Thomas Bellut und den ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler sowie den Moderatoren Markus Lanz begrüßte. Man solle jedoch nicht meinen, dass er selbst nur noch dann moderieren dürfe, wenn zwei Doktoren und ein potenzieller Ersatzmann bereit stünde, schmunzelte Gottschalk, und kündigte an, dass er dieser Gala noch so lange begleiten wolle, bis er endlich einmal die große Orgel im Konzerthaus zu hören bekäme. Anschließend traten Nadine Sierra, Andreas Ottensamer, Igor Levit, Anneleen Lenaerts, Klaus Florian Vogt, Christian Gerhaher, Konstantin Reinfeld mit Unterstützung von Benyamin Nuss und Sol Gabetta auf. Bei den Laudatoren setzten vor allem Max Raabe mit seiner Lobrede auf Christian Gerhaher und Chilly Gonzales für Igor Levit Glanzlichter. Der Auftritt von "heute-show"-Außenreporter Lutz van der Horst und Thomas Gottschalk, die zusammen mit Konstantin Reinfeld Mundharmonika spielten, hätte auch in eine klassische Samstagabendshow gepasst.

Dass Mariss Jansons, der erst kürzlich aus gesundheitlichen Gründen zahlreiche Konzerte absagen musste, die Auszeichnung für sein Lebenswerk nicht persönlich in Empfang nehmen konnte, sorgte in Hinblick auf die Dramaturgie der Show leider für einen Bruch - anstelle der auch hier allemal angebrachten Standing Ovations für einen verdienten Künstler spielte das Konzerthausorchester zum offiziellen Finale.

Thomas Gottschalk führte bis hierin als souveräner und schlagfertiger Moderator durch eine Gala, der im Anschluss an den TV-Teil bei der längst traditionellen Übergabe der weiteren Auszeichnungen allerdings ein wenig der rote Faden verloren ging. Das lag indes weniger an der für die kurzfristig angekündigte Wiederholung eines Auftritts fehlenden Musikerin, die Gottschalk immerhin die Vorlage für mehrere Späße über Harfenistinnen lieferte. Vielmehr fielen die Würdigungen bei der Verleihung einzelner Preise durch die - fürs Gelingen der Show auf diesem Niveau selbstverständlich unerlässlichen - Sponsoren doch ziemlich ausführlich aus. Zusammen mit den bereits seit der Pause durchs Konzerthaus ziehenden Düften der Waffelbäckerei im Foyer sorgte das unterm Strich für Abzüge in der Stimmungsnote.

Text: Knut Schlinger