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Amazon Music will bessere Klangqualität für den Massenmarkt

Kürzlich brachte Amazon den neuen Streamingdienst Amazon Music HD in den USA, Großbritannien, Deutschland, Österreich und Japan ans Netz. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Michael Hoeweler Ziele und Perspektiven des Angebots.

10.10.2019 10:44 • von Jonas Kiß
Schaut bei der Entwicklung des HD-Angebots auf die Interessen der Kunden: Michael Hoeweler (Bild: Musikwoche)

Am 17. September brachte Amazon den neuen Streamingdienst Amazon Music HD in den USA, Großbritannien, Deutschland, Österreich und Japan ans Netz. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Michael Hoeweler Ziele und Perspektiven des Diensts.

»Deutschland ist ein wichtiger Markt für Amazon Music«, erläutert Michael Hoeweler, der hierzulande als Head of Label Relations Amazon Music fungiert, warum Deutschland gleich zum Start des hochauflösenden Angebots mit an Bord ist. Das liege auch daran, »dass es hier trotz der Zuwächse im Marktsegment noch immer viele Menschen gibt, die Streaming noch nicht für sich entdeckt haben«. Diese Zielgruppe will man bei Amazon Music nun auch mit dem Versprechen einer klangtechnisch besseren Auflösung locken. So bietet Amazon Music HD den Nutzern ab sofort mehr als 50 Millionen Songs in High Definition (HD) und weitere Millionen von Songs in Ultra High Definition. Dabei entspreche die HD-Variante der Klangqualität von CDs, während das Ultra-HD-Angebot noch darüber liege.

Amazon vermarktet das HD-Angebot hierzulande als eigenständiges Musikabo zu einem Preis von monatlich 14,99 Euro, Mitglieder von Amazon Prime zahlen für den Service 12,99 Euro im Monat. Nutzer von Amazon Music Unlimited mit Standard- oder Familienmitgliedschaft können den neuen Dienst für zusätzliche fünf Euro im Monat beziehen. Zur Einführung wirbt der Konzern zudem mit einer 90-tägigen Testphase. »Wir haben das Pricing so ausgerichtet, dass bisherige CD-Käufer, die Wert auf Klangqualität legen, Streaming zunächst einmal ausprobieren können«, sagt Hoeweler. »Denn Qualität ist in den Märkten, in denen wir das HD-Angebot starten, und ganz besonders in Deutschland, ein wichtiges Kriterium für viele Kunden.« So folge die Frage nach dem Klang bei potenziellen Nutzern spätestens an dritter Stelle, direkt nach Kriterien wie dem Umfang des verfügbaren Katalogs und der komfortablen Nutzung über die App oder die Alexa-Sprachsteuerung.

»Wenn wir HD-Streaming für den Massenmarkt machen wollen, müssen wir das zu einem attraktiven Preis machen.« Mit dem nun vorgestellten Modell will Amazon hochauflösende Musikstreams aus der Nische herausführen und eine große Zahl an Kunden anzusprechen: »Die Audiophilen wollen wir ebenso abholen wie Kunden, die bei Amazon bislang Amazon Music Unlimited gehört oder CDs gekauft haben«, fasst Hoeweler zusammen. Darüber hinaus wolle man selbstverständlich auch Deutschrap-Fans ansprechen, die »bislang vielleicht noch nie Musik in verlustfreier Qualität gehört haben«. Erreichen will Hoeweler die angepeilten Zielgruppen unter anderem mit Hilfe der Reichweite von Amazon unter Käufern von CDs und LPs. »Daneben haben wir mit Amazon Music bereits eine Vielzahl von möglichen Marketingkanälen aufgebaut«, sagt Hoeweler mit Verweis unter anderem auf die Bereiche Out Of Home und Social Media. Amazon begleitet die Einführung des hochauflösenden Angebots zudem mit redaktionell erstellten Playlists wie »Best Of Ultra-HD«.

Dabei informiere man seine Nutzer stets über die in der Kombination aus Gerät, Netzwerk und Auflösung tatsächlich verfügbare Songqualität. Amazon habe bei der Entwicklung des Angebots weniger auf den Wettbewerb geschaut, sondern vielmehr auf die Interessen der potenziellen Kunden, streicht Hoeweler heraus. Dennoch setzt sich Amazon mit dem Vorstoß von Wettbewerbern wie Spotify oder Apple Music ab, die bislang keine verlustfreie Versionen offerieren. Amazon Music HD ist mit Desktop-Computern, Smartphones (iOS & Android), ausgewählten Echo-Geräten, Fire TV und Fire Tablets kompatibel. Der Dienst ist zudem auf einigen Geräten von Anbietern wie Denon und Marantz, Polk Audio, Definitive Technology, Sonos, McIntosh und Sennheiser verfügbar.

Zwar sei der HD-Dienst als komplexes Projekt von der Konzernmutter in den USA initiiert worden, »wir in Deutschland sind aber von Anfang an mit involviert«, betont der Amazon- Manager. Man habe hier viele Gespräche mit Labels, Produzenten und Künstlern geführt, dabei habe das Thema Klangqualität stets eine besondere Rolle gespielt. »Der Kern dieses Projekts ist der Slogan >We Care About Music<«, sagt Hoeweler: »Wir wollen, dass unsere Kunden die Erfahrung eines guten Sounds machen. Das ist ein Angebot für alle.«