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Grönland setzt auf nachhaltige Zusammenarbeit mit Künstlern

Grund zum Feiern hat Grönland Records derzeit gleich doppelt. Jüngst gewann die Firma auf dem Reeperbahn Festival in der Kategorie »Bestes Label 2019« einen VUT Indie Award (VIA). Zudem zelebriert Grönland dieses Jahr bereits sein 20. Jubiläum.

21.10.2019 09:44 • von Jonas Kiß
Leiten das Tagesgeschäft von Grönland in Berlin (von links): Fine Sträter, Mareike Hettler und Lenz Hein (Bild: Liv Toerkell)

Grund zum Feiern hat Grönland Records derzeit gleich doppelt. Jüngst gewann die Firma auf dem Reeperbahn Festival in der Kategorie »Bestes Label 2019« einen VUT Indie Award (VIA). Zudem zelebriert Grönland dieses Jahr bereits sein 20. Jubiläum.

Als Herbert Grönemeyer das Label 1999 ins Leben rief, hätte man vermutlich nicht mit einer derart langen Erfolgsgeschichte gerechnet. Ursprünglich war Grönland nämlich dafür gedacht, um »Pop 2000« zu veröffentlichen, eine acht CDs umfassende Compilation zur gleichnamigen Fernsehreihe. Der Legende nach stieß Grönemeyer bei der Zusammenstellung des Samplers auf die Musik der Band Neu! von Michael Rotherund Klaus Dinger und stellte fest, dass sie nicht mehr erhältlich war. Um diese Lücke zu schließen, kam Grönland mit Neu! zu seinem ersten Signing. Seitdem pendelt das Label zwischen der musikalischen Geschichte Deutschlands seit den 70er-Jahren und gegenwärtiger Popmusik. Grönland begleitete die Karrieren von Künstlern wie Philipp Poisel, Boy oder William Fitzsimmons und bringt regelmäßig Wiederveröffentlichungen von Acts wie Holger Czukay oder DAF auf den Markt.

Zeitenwende in Berlin

Durch den Umzug von London nach Berlin habe sich für das Label zwischen 2008 und 2010 noch einmal eine ganz neue Richtung ergeben, wie Label Manager Lenz Hein berichtet, der bei Grönland Records zusammen mit Mareike Hettler und Fine Sträter arbeitet. »Das ist eine Zeitenwende gewesen. Das erste Album von Philipp Poisel war 2008 ein Achtungserfolg, die darauf folgende Reissue-Box von Neu! war auch erfolgreich, dann kam das zweite Album von Poisel und das Debüt von Boy sowie "Gold In The Shadows" von William Fitzsimmons.« Das seien viele sehr lukrative Veröffentlichungen gewesen.

Grönland habe durch den Gründer zwar schon immer einen etwas größeren Namen gehabt, aber durch diese tollen Veröffentlichungen sei das Label noch einmal ganz anders ins Rollen gekommen, wie Lenz Hein erklärt. Er setzt bei Grönland auf langfristige und nachhaltige Künstlerbetreung: »Wir sind ein kleiner Kreis und arbeiten mit den meisten Künstlern schon über viele Jahre zusammen.« Diesen Ansatz hebt auch Herbert Grönemeyer hervor: »Wir sind ja keine großen Kreuzfahrer, sondern eher ein kleines, wendiges Schiff, und ich glaube, es wird immer wichtiger für Künstler, dass sie das Gefühl haben, sie werden liebevoll betreut, es wird mit ihnen mitgedacht, es werden ihnen Vorschläge gemacht - ob sie sie nun annehmen oder nicht. Das hat mehr von einer liebevollen Pension als einem 50 Stockwerke hohen Hotel, und ich glaube, das macht Grönland aus.«

Lenz Hein hat nicht das Ziel, die Labelstruktur zu vergößern. »Die Künstler, die ich und Mareike an der Hand haben, betreuen wir persönlich und sehr direkt. Deswegen ist die Anzahl der Künstler auch limitiert«, erklärt Hein: »Weil wir in den letzten Jahren sehr erfolgreich gearbeitet haben, sind das Labelfundament und der Backkatalog ausgesprochen stabil. Dadurch sind wir in der privilegierten Lage, nur die Platten veröffentlichen zu müssen, von denen wir persönlich überzeugt sind.« Jüngster Neuzugang im Hause Grönland ist übrigens Oehl, ein Duo, das aus dem Wiener Liedermacher Ari Oehl und dem isländischen Multiinstrumentalisten Hjörtur Hjörleifsson besteht. Entdeckt hat Oehl in diesem Fall der Labelchef Herbert Grönemeyer selbst, als er die Musik im Radio hörte und Lenz Hein daraufhin fragte, ob man die Band bei Grönland aufnehmen kann. Im September spielte das Duo dann bereits im Vorprogramm der Tour von Herbert Grönemeyer.

Über seine Rolle bei Grönland sagt Grönemeyer: »Ich gebe dem Label eher von außen Rückhalt. Allein aufgrund meines Alters bringe ich auf der einen Seite sehr viel Erfahrung mit, auf der anderen Seite gehöre ich natürlich auch einer Generation an, die zwei von denen entfernt ist, die das Label leiten, denke aber, dass ich schon ab und zu eine gewisse Sicherheit geben kann, auch die ein oder andere Meinung zu Künstlern, oder auch vor Dingen warnen kann.«