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Fachbesucherzahl auf der Reeperbahn wächst um sieben Prozent

Nach 5500 Fachbesuchern im Vorjahr kamen dieses Jahr 5900 Delegierte zum Reeperbahn Festival. Damit hat sich der Anstieg von 20 und 17 Prozent in den Vorjahren auf einen Zuwachs von sieben Prozent reduziert. Die Besucherzahlen des öffentlichen Bereichs kletterten derweil um 11,1 Prozent.

23.09.2019 15:02 • von Dietmar Schwenger
Setzten die Agenda des Reeperbahn Festivals 2019: Alexander Schulz (links, Reeperbahn Festival) und Kultursenator Carsten Brosda, hier bei Doors Open (Bild: Robin Schmiedebach)

Nach 5500 Fachbesuchern im Vorjahr kamen dieses Jahr 5900 Delegierte aus 52 Nationen zum Reeperbahn Festival, dessen 14. Ausgabe vom 18. bis 21. September 2019 wieder in Hamburg stattfand. Damit hat sich der Anstieg von 20 und 17 Prozent in den Vorjahren auf einen Zuwachs von sieben Prozent reduziert. Die Besucherzahlen des öffentlichen Bereichs kletterten derweil um 11,1 Prozent.von 45.000 auf 50.000. Zu sehen gab es diesmal rund 600 Konzerte von 412 Acts, nachdem 2018 ebenfalls etwa 600 Shows von rund 450 Bands und Solkünstlern aus über 50 Ländern über die Bühne gegangen waren.

Der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda hatte bereits bei der Doors-Open-Eröffnungsgala im Stage Operettenhaus das zentrale Thema vorgegeben. "In den vier Festivaltagen wurde die Vielschichtigkeit von Musik und ihrer narrativen Kraft als wichtiges Mittel gegen Populismus genauso spür- und erlebbar wie bei den rund 300 Programmen für Fachbesucher, die unter anderem Gender Equality sowie andere gesellschaftliche Themen bot", teilten die Veranstalter nun mit.

Das Thema Gender Equality zog sich durch die gesamte Veranstaltung. Zunächst gaben im Rahmen einer Keychange 2.0 Pressekonferenz "Pitchfork"-Chefredakteurin Puja Patel, die Musikerinnen Kate Nash, Peaches und Reeperbahn Festival-Geschäftsführer Alexander Schulz die neuen Ziele und den Maßnahmenkatalog der zweiten Phase der internationalen Gender-Balance-Initiative in der Musik bekannt.

Unter anderem wird die Absichtserklärung, die sogenannte "50/50 Pledge", bis zum Jahr 2022 ausgeglichen besetzte Programme zu präsentieren, von Festivals auf viele andere Organisationen in der Musik wie Labels, Spielstätten, Radiosender, Klangkörper und Konservatorien erweitert.

Im Verlauf des Reeperbahn Festivals wurde die Geschlechtergleichheit in der Musik in nahezu allen Formaten und Einzelveranstaltungen verhandelt - darunter auch bei der von MusikWoche präsentierten und von MusikWoche-Redakteur Dietmar Schwenger moderierten Runde "Electro Ladyland" über das Gender-Thema in der Dance- und Elektronikszene.

Beim diesjährigen Länderschwerpunkt des Reeperbahn Festivals präsentierte das australische Musikexportbüro Sounds Australia 17 Bands und Künstler. Darüber hinaus war Australien über die Mitwirkung von TV- und Radiomoderatorin Zan Rowe in der Jury und Maria Amato, Geschäftsführerin des australischen Verbandes unabhängiger Plattenlabels, im Board des Anchor Awards 2019 vertreten.

Siegerin des Anchor Awards wurde die ukrainische Rapperin Alyona Alyona, die sich gegen fünf weitere Nominierte durchsetzte. Sie nahm den Preis bei einer unterhaltsamen Gala im St. Pauli Theater entgegen.

Neben dem Anchor 2019 wurden im Rahmen des Festivals weitere Auszeichnungen verliehen: So ging der New Music Award der jungen ARD-Wellen in der Kategorie "Newcomer des Jahres" an Majan, in der Kategorie "Durchstarter des Jahres" an Giant Rooks.

Beim Helga! Festival Award gab es mehrere Preise. Als "Bestes Festival" wurde das Open Flair Festival ausgezeichnet, das "Feinste Booking" hat Haldern Pop gemacht. In der Kategorie "Bestes Einbeziehen" gewann das Zurück zu den Wurzeln Festival, bei "Größtes Glück für den kleinsten Geldbeutel" setzte sich das Watt en Schlick Fest durch. Das Artlake Festival holte sich eine Helga für "Bestes-Sich-Neu-Erfinden" ab, die "Inspirierendste Festival-Idee" war alínæ lumr.

Bei den ISA - International Sound Awards setzten sich Axel Springer Audio Branding, Healing Music, Dear Reality, ICT - The Sounds of Costa Rica, Kultur Barrierefrei e.V., Loopfree, die Aalto University, die Idee und Klang GmbH, Lexter Ljuddesign und Weav Music durch. Die Sieger des IMJA - International Music Journalism Award standen größtenteils bereits zuvor fest.

Neu in diesem Jahr beim Reeperbahn Festival waren in diesem Jahr unter anderem zwei Eröffnungskonzerte von Dope Lemon und Feist sowie die Abendpräsentation der BBC und das Showcase der Country Music Association (CMA) mit unter anderem Blanco Brown, Ilse DeLange und Rachel Wammack mit begleitender Panel-Session für Fachbesucher.

Erstmals boten die Reeperbahn-Organisatoren den Themenstrang Film & Future an - unter anderem mit zwei Keynote-Interviews von Schauspieler Matt Dillon. Zudem gab es ein Filmprogramm, in dem zum Beispiel die Dokumentation "Creating Woodstock" mit Woodstock-Mitbegründer Joel Rosenman, der beim Konferenzteil auch ein Keynote-Interview gab, als Europa-Premiere gezeigt wurde.

Die neuen Spielorte waren in diesem Jahr das Planetarium Hamburg mit der "Ekki Hugsa 360°"-Show von Ólafur Arnalds und der Spielertunnel des Millerntorstadions. Ebenfalls Premieren waren im Festival Village der Future Playground mit der Präsentation nachhaltiger Gesellschaftsvisionen und der UN-Nachhaltigkeitsziele sowie der Music Makers Playground: Hier stellten Instrumentenhersteller ihre Produkte vor.

Erstmals richtete sich mit dem "Next Generation"-Modul ein Programmangebot gezielt an 16- bis 21-jährige Besucher des Reeperbahn Festivals, die sich am Festival-Samstag einen Einblick in die Musikbranche verschaffen konnten.

Nach der Länderpartnerschaft mit Australien liegt im kommenden Jahr der Fokus auf Dänemark. Vor dem Hintergrund des ersten Deutsch-Dänischen Kulturellen Freundschaftsjahres soll Dänemark 2020 Künstler und Branchenrepräsentanten in Hamburg präsentieren. Das Reeperbahn Festival 2020 steigt vom 16. bis 19. September.