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Universal bot heimische Erfolgsgeschichten und zahlreiche Klassiker

Bei der Vertriebstagung Universal Inside ging es am 5. September vor 1200 Gästen in der Berliner Verti Music Hall um jüngste Erfolge und anstehende Schwerpunkte, um Stars und Newcomer, vor allem aber auch um die Vielfalt der Genres.

19.09.2019 12:17 • von Jonas Kiß
Fahren derzeit mit Vertigo Capitol auch international Erfolge ein (von links): Martin Lanzerath (Label Head VEC Director A&R), Tom Bohne (President Music Domestic Universal Music), der schottische Künstler Lewis Capaldi und Christian Meine (Label Head VEC Director Marketing) (Bild: Stefan Hoederath)

Bei der Vertriebstagung Universal Inside ging es am 5. September vor 1200 Gästen in der Berliner Verti Music Hall um jüngste Erfolge und anstehende Schwerpunkte, um Stars und Newcomer, vor allem aber auch um die Vielfalt der Genres.

Diese Agenda, die Frank Briegmann als CEO & President Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon bereits in seiner einleitenden Rede gesetzt hatte, zog sich als roter Faden durch die Präsentationen der verschiedenen Repertoiredivisionen, spiegelte sich aber auch in den zahlreichen Auftritten etablierter und aufstrebender Künstler. »Wir hatten ein tolles Jahr«, sagte Dirk Baur, der als President Marketing Labs zusammen mit Nanja Maung Yin, Head of Marketing New Repertoire Deutsche Grammophon, als Moderatoren-Duo durch den Tag führte.

Das Team von Universal Music habe die Firma »mit Volldampf« umgebaut, die selbst gesteckten Ziele erreicht und dabei gelernt, die Fans in den Fokus des Handelns zu rücken, ganz offenbar aber auch die eigenen Mitarbeiter: Denn damit alle aus dem Hause Universal Music an den aktuellen Entwicklungen und Erkenntnissen teilhaben können, habe man unter anderem sogenannte Townhall Meetings eingeführt, berichtete Baur.

Als erste Repertoiredivison kam dann nach den einleitenden Worten und einem Auftritt von Sarah Connor, die mit »Ich wünsch dir« ihre neue Single im Gepäck hatte, und quasi im Gegenzug ein Album-Gold und ein Single-Platin mitnehmen durfte, Polydor/Island (PIL) zum Zug: Der für A&R-Fragen verantwortliche General Manager Daniel Schmidt strich hier heraus, dass man bei PIL weiterhin mit etablierten und neuen Acts wie Tochter arbeite, die er als »tolles Signing« lobte.

Dass sich das auszahlen kann, belegte der als General Manager fürs Marketing zuständige Frank Engel unter anderem mit Verweis auf Erfolge wie Sarah Connor, von deren Album »Herz Kraft Werke« man in der ersten Woche nach Veröffentlichung 15 Prozent mehr habe verkaufen können als vier Jahre zuvor vom Vorgängerwerk. Passend dazu und der ab Mitte Oktober anstehenden Tournee der Künstlerin bringt Universal Music dann Anfang Dezember ein Livealbum von Sarah Connor auf den Markt. Zu den weiteren anstehenden Schwerpunkten bei PIL gehört unter anderem ein Album von Marius Müller-Westernhagen mit neu interpretierten Versionen des »Pfefferminz«-Klassikers.

Dass man bei PIL auch mit internationalen Acts arbeitet, zeigte dann der anschließende Auftritt der britischen Singer/Songwriterin Freya Ridings mit ihrer Single »Lost Without You«, die Schmidt und Engel als »Weltstar im Wartestand« ankündigten, und die mit ihrem jüngsten Album im britischen Heimatmarkt auf Anhieb auf Position drei landete, nur hinter Lewis Capaldi und Ed Sheeran - »ein gutes Umfeld - für die beiden«.

Im Anschluss rückte bereits die Klassik in den Fokus. Clemens Trautmann, President Deutsche Grammophon, konnte hier berichten, dass seine Sparte im Plus liege und nach Marktanteilen im Vorjahresvergleich um drei Prozentpunkte habe zulegen können. Trautmann bat zunächst den isländischen Pianisten Víkingur Ólafsson auf die Bühne, der live ein Stück von Johann-Sebastian Bach spielte, um dann darauf zu verweisen, dass die von Trautmann auf zwei Jahre taxierte gemeinsame Geschichte der Deutschen Grammophon mit dem Künstler aus dessen Sicht sehr viel länger sei: »Für mich begann die Reise mit euch bereits im Alter von fünf Jahren.«

50 MIllionen Streams für ein Klassik-Debüt

Víkingur Ólafsson dürfte für die Deutsche Grammophon zu den Künstlern gehören, die der Klassik helfen, eine Brücke ins Streamingzeitalter zu schlagen: So berichtete Clemens Trautmann von 50 Millionen Streamingabrufen (Update: hier stand zunächst 15 Millionen) der Titel des Debütalbums, das sei in der Klassikwelt eine »signifikante« Hausnummer. »Das ist auch in meiner Welt eine signifikante Zahl«, scherzte Víkingur Ólafsson, »bei gerade einmal gut 350.000 Isländern.«

Neben verschiedenen Veröffentlichungen zum anstehenden Beethoven-Jubiläum arbeitet das Team der Deutschen Grammophon derzeit unter anderem an dem ersten gemeinsamen Album mit Agnes Obel, das Anfang 2020 in den Handel kommen soll, am aktuellen Nummer-eins-Album der Klassikcharts, »Across The Stars« von Anne-Sophie Mutter und John Williams, an einer ersten Best-Of-Zusammenstellung mit Musik von Max Richter, aber auch am »MTV Unplugged«-Album von Max Raabe und dem Palast Orchester, das am 22. November erscheinen soll. Max Raabe stellte dann zusammen mit Samy Deluxe die Unplugged-Version des Songs »Der perfekte Moment « live bei Universal Inside vor.

Shirin David saß lange in der ersten Reihe

Für gute Momente sorgte auch Shirin David, die mit Tom Bohne, President Music Domestic, über ihr kommendes Debütalbum, »Supersize«, sprach und sich bei ihrem Team und Universal Music bedankte. Das die Influencerin das Lob durchaus ernst meinte, zeigte sich unter anderem in ihrem weiteren Engagement: Auch nach ihrem Auftritt verfolgte sie die Veranstaltung noch lange aus der ersten Reihe. Mit weiteren Schwerpunkten aus heimischer Produktion meldeten sich später Jörg Hellwig, Managing Director Electrola, und Joe Chialo, Managing Director Airforce 1 Records, zu Wort. Electrola habe im bisherigen Jahresverlauf nur vergleichsweise wenige Veröffentlichungen auf den Markt gebracht, räumte Hellwig dabei ein, »aber jetzt setzen wir den Blinker und gehen auf die Überholspur«.

Zum Beweis holte Hellwig zunächst Malik Harris live auf die Bühne, das erste Signing des neuen Labels Better Now Records, mit dem das Electrola-Team sein Portfolio am Standort München um Pop-Acts mit internationalem Potenzial erweitern will. Auf der Agenda stehen aber auch eine Best Of von Andreas Gabalier (13. September), mit »Feuervogel flieg« ein neues Album der Kastelruther Spatzen (4. Oktober), ein »MTV Unplugged« von Santiano (18. Oktober) sowie neue Werke von Künstlern auf einer Bandbreite von Howard Carpendale (25. Oktober) über Maite Kelly (1. November) bis Voxxclub (2020).

Aus dem Hause Airforce 1 Records brachte Joe Chialo als Livegast die Metalband Beyond The Black mit, die jüngst noch in Wacken zu sehen war und für den Mai 2020 ein neues Album plant. Aktueller Schwerpunkt bei Airforce 1 ist Ben Zucker, zudem gibt es noch Veröffentlichungen von unter anderem Oonagh und Sarah Jane Scott, am 25. Oktober folgt zudem eine Jubiläumsveröffentlichung zum 25. des Albums »Over The Hump« der Kelly Family, samt Tour Ende November.

Darüber hinaus stand der Nachmittag ganz im Zeichen der jüngsten Erfolge der heimischen Repertoiredivisionen. So strich Moderator Dirk Baur heraus, dass das von Neffi Temur geleitete Urban-Label mit einem kumulierten Chartsanteil von rund 15 Prozent bei den Singles im bisherigen Jahresverlauf das erfolgreichste heimische Label sei. »Wir bleiben demütig«, kommentierte Neffi Temur die Lorbeeren. Am Ende seien es schließlich die Künstler, die für diese Erfolge verantwortlich seien. Bei Urban angekündigt sind unter anderem potenzielle Renner wie »Berlin lebt 2« von Capital Bra & Samra (4. Oktober) oder »Corleone« von Fler (13. Dezember).

Um Rap ging es auch bei Labelhead Ramin Bozorgzadeh von Chapter One und einem Auftritt von Rapper Sugar MMFK, aber auch bei der Abteilung Family Entertainment, für die General Manager Andreas Maaß unter anderem für den 22. November mit »Helikopter« ein neues Album von Deine Freunde ankündigte, das die Formation ebenfalls live vorstellte. Beim Kinderrepertoire vollziehe sich der digitale Wandel nun doch viel schneller, als zuvor gedacht, sagte Maaß, man habe hier die gesamte Marktentwicklung in nur zwei Jahren nachgeholt.

Vertigo legt Lindemann unter den Baum

Für Virgin Records sprachen die Labelheads Ali Neipp und Daniel Schmidt unter anderem über jüngste Erfolge mit Nico Santos, aber auch über die langfristig verlängerten Verträge mit Felix Jaehn und dem Produzenten R3hab, der anschließend mit Unterstützung von Sängerin Clara Mae ein kleines Medley seiner Hits und zweier unveröffentlichter Tracks präsentierte. Das Label war »eine Maschine« in den letzten Monaten, sagte Dirk Baur dann, als die Reihe an die Repertoiredivision Vertigo/Capitol kam, wo man es unter anderem dank der Erfolge mit Rammstein oder Volbeat im Ranking der Marketingdivisionen auf einen kumulierten Chartsanteil von mehr als 20 Prozent brachte.

Ebenfalls mit zum Abschneiden beigetragen hatte Lewis Capaldi: Der als Brillen-Fan geltende schottische Sänger, der bei Vertigo/ Capitol in Deutschland unter Vertrag genommen wurde, erhielt passend zu seinem Liveauftritt einen besonderen Award für bereits mehr als 1,5 Milliarden Streamingabrufe seiner Songs: Man sei mit dem Produzieren von Gold- und Silber-Auszeichnungen nicht mehr hinterhergekommen, meinten die Labelheads Martin Lanzerath (Director A&R) und Christian Meine (Director Marketing).

Weiter gehen soll es unter anderem mit Veröffentlichungen von Deichkind (27. September), Max Herre (8. November) oder einem Livewerk von Element Of Crime (11. Oktober). Zudem kündigte Martin Lanzerath noch eine Überraschung an: So soll noch vor Weihnachten ein neues Album des Lindemann-Projekts von Rammstein-Sänger Till Lindemann und dem schwedischen Musiker Peter Tägtgren erscheinen - »nicht auf Englisch«, wie Lanzerath betonte. Die österreichische Band Wanda, die direkt im Anschluss an die Vertriebstagung das Album »Ciao!« veröffentlichte, sorgte für den musikalischen Abschluss von Universal Inside: »Das Album soll Menschen zusammenführen, nicht trennen «, sagte Wanda-Sänger Marco Fitzthum.