Medien

Hamburger Musikwirtschaft macht sich für musikjournalistisches Radio stark

Im Frühjahr schrieb die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein einen Großteil des UKW-Spektrums in Hamburg neu aus. Die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft (IHM) setzt sich nun für mehr Vielfalt im Radio ein.

26.08.2019 12:37 • von
Hält eine "vielfältige Radio- und Kreativlandschaft" als "unabdingbar" für "die herausragende Standortattraktivität Hamburgs": IHM-Beirat und Warner-Music-Spitzenmanager Bernd Dopp. (Bild: Katja Ruge)

Im Frühjahr schrieb die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein einen Großteil des UKW-Spektrums in Hamburg neu aus. Dabei geht es um die Versorgungsgebiete, in denen derzeit die Radioprogramme Energy Hamburg, Radio Hamburg, Rock Antenne Hamburg, 917XFM und Hamburg 2 verbreitet werden, und deren Frequenzzuweisungen zwischen Juli 2020 und September 2022 enden. "Trotz der unterschiedlichen Laufzeiten" habe der Medienrat der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein entschieden, die fünf Versorgungsgebiete gemeinsam auszuschreiben, teilte die Organisation im Februar mit: "Das Ziel ist, durch eine einheitliche Entscheidung größtmögliche Meinungs- und Angebotsvielfalt im Hamburger UKW-Hörfunkmarkt zu gewährleisten."

Auch die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft (IHM) setzt sich nun für mehr Vielfalt im Radio ein, und empfiehlt, die Frequenz im Versorgungsgebiet Hamburg Innenstadt "an ein Unternehmen zu vergeben, das moderiertes musikjournalistisches Radio mit lokalem Bezug anbietet", wie es aus der Hansestadt heißt.

Die private Hamburger Radiolandschaft sei "von Formatradios mit schwer unterscheidbaren Klangfarben geprägt" und von einer auf "Durchhörbarkeit" getrimmten Musikauswahl, weiß man bei der IHM. Auch "der Großteil der öffentlich-rechtlichen Programme" ordne sich mittlerweile diesem Prinzip unter. "An Sendern, die als Begleitmedium geeignet sind, mangelt es also nicht. Hinsichtlich musikjournalistischer Inhalte klafft dagegen seit vielen Jahren - insbesondere im Tagesprogramm - eine Versorgungslücke", kritisiert man bei der IHM, und zeigt sich überzeugt, "dass qualitativer Musikjournalismus kein Auslaufmodell" sein dürfe.

Passend dazu wollen die IHM-Offiziellen das Thema "Schaffung und Bewahrung einer vielfältigen Musikmedienlandschaft für die Musikstadt Hamburg" am 19. September auch beim "Soundcheck Hamburg" auf die Agenda hieven, einem politischen Frühstück, das die IHM gemeinsam mit der Kulturbehörde im Rahmen des Reeperbahn Festivals ausrichtet.

"In einer Zeit, in der der digitale Ozean an neuer Musik kontinuierlich wächst, etablierte Medien wegbrechen und zunehmend Algorithmen darüber entscheiden, welche Musik wir als nächstes hören, ist engagierter Musikjournalismus unerlässlich", betont Karsten Jahnke, der sich als Gründer der Karsten Jahnke Konzertdirektion auch im Beirat der IHM engagiert. "Nicht nur für die Hamburger Medienlandschaft ist ein musikjournalistischer Sender eine absolute Notwendigkeit", sagt Jahnke.

"Eine vielfältige Radio- und Kreativlandschaft ist für die herausragende Standortattraktivität Hamburgs unabdingbar", streicht auch Bernd Dopp heraus, der als CEO Warner Music Central Europe im Beirat der IHM sitzt. Auch in Zeiten von Algorithmen hätten automatische Empfehlungen den Beruf des Musikjournalisten nicht hinfällig werden lassen, sagt Dopp: "Ganz im Gegenteil. Der Musikjournalist bringt neben seiner Expertise Leidenschaft ins Spiel, die seine Hörer im besten Falle dazu anstiftet, auch solchen Titeln eine Chance zu geben, die keinerlei Ähnlichkeiten mit bisherigen Vorlieben aufweisen. Denn mit guter Musik verhält es sich wie mit gutem Essen: Sie benötigt eine feine Auswahl der Zutaten und Zeit, um beim Hörer anzukommen. Deshalb spreche ich mich auch weiterhin deutlich für ein musikjournalistisches Radio in Hamburg aus."