Unternehmen

Rola Music bringt US-amerikanische Bands nach Europa

21.08.2019 09:28 • von Jonas Kiß
Bilden das Team von Rola Music (von links): Anton Löbbert, Eva Oswald, Dominik Schmidt, Simone Feichtinger und Hele Maurer (Bild: Rola Music)

Die Geschichte von Rola Music reicht bis ins Jahr 2010 zurück. Während Dominik Schmidt in Wien Soziologie und Kulturmanagement studierte, gründete er in seinem letzten Studienjahr mit Rola Music ein eigenes Unternehmen. »Am Ende meines Studiums habe ich gemerkt, dass ich nicht für eine Firma arbeiten kann, sondern mein eigenes Team aufbauen will« , erzählt Schmidt: »Das war einer der witzigsten Momente in meiner Studienkarriere: Ich sitze in einem Seminar, und es schießt mir auf einmal durch den Kopf, dass ich das alles über die Wissenschaft nicht mehr hören kann und selber etwas kreieren muss. Das weckte ein ganz starkes Gefühl in mir, das mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.«

Anfangs übernahm Schmidt das Booking für Künstler des Wiener Labels Pate Records. Der erste große Erfolg stellte sich mit der österreichischen Band Giantree ein. »Gianttree habe ich ein Jahr nach der Firmengründung gesignt« , berichtet Schmidt: »Alle Singles liefen auf Rotation in Österreich und waren beim ORF-Radiosender FM4 auf Platz eins. Mit der Band haben wir die wichtigsten Venues und alle großen Festivals gespielt.« Nachdem sich für Schmidt durch diesen Erfolg einige Türen geöffnet hatten, erweiterte er das Geschäft, indem er zuerst Bands aus der Schweiz und dann aus ganz Europa nach Österreich brachte. Der entscheidende Schritt war jedoch der Umzug in die USA.

2012 wanderte Schmidt in die Vereinigten Staaten aus, weil seine damalige Frau von dort kam, und siedelte schließlich nach Portland, Oregon, über. »Ich habe das Potenzial gesehen, hier in Amerika viele tolle Künstler vor Ort entdecken zu können, bevor eine andere große Bookingagentur die Hände drauf hat.« Parallel weitete Schmidt seine Kontakte in der Medien- und PR-Landschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Mittlerweile bucht Rola Music pro Jahr 800 Konzerte im GSA-Raum. Zusätzlich zu den Konzerten, Festivals und Clubtourneen übernimmt die Firma die PR-Arbeit in diesem Markt und verknüpft sich dafür mit Musikmedien wie Flux FM, Ego FM oder dem »Rolling Stone«.

»Über die letzten Jahre habe ich die Firma auf ein ganz anderes Niveau gehoben, weil ich amerikanische Bands nach Europa holen möchte. Ich habe gemerkt, was für eine Fülle an Bands es hier gibt, und wie hoch die Qualität ist« , sagt Schmidt: »Gerade in Amerika gibt es so viele Bands und so wenig Bookingagenturen, die sich ein Herz dafür nehmen.« Inzwischen besteht Rola Music aus einem fünfköpfigem Team. Hele Maurer und Eva Oswald kümmern sich von Wien aus um PR und Tourproduktion. Anton Löbbert arbeitet für das Booking in Hamburg und Simone Feichtinger übernimmt in Wien Booking und Social Media Marketing. Für viele amerikanische Bands sei es laut Schmidt ein Traum, in Europa auf Tour zu gehen. Aber durch Ausgaben für Flugtickets, einen Tourbus und Hotelkosten sei das sehr teuer. »Diese Kosten übernimmt unsere Agentur. Da kommt einiges zusammen. Deshalb versuchen wir natürlich auch schon bei der ersten Tournee, möglichst viele Gagen rauszubekommen und so die Ausgaben zu decken. Die meisten Bands erleben bei ihrer zweiten Tournee dann den Break-Even und bei der dritten Tournee machen sie schließlich Geld.«

Künstleraufbau bis zu ausverkauften Shows

Die meisten Bands und Solo- Künstler, die zum Repertoire von Rola Music gehören, seien nach wie vor Aufbauthemen. »Aber es gibt ein paar Künstler, die ich von null aufgebaut habe und mittlerweile Shows in Wien oder Hamburg ausverkaufe« , sagt Schmidt. »Was ich mache, ist das härteste im Musikbusiness. Nämlich einen Künstler von Grund auf zu entwickeln, also das Artist-Development zu machen.« Seit einiger Zeit denkt Schmidt deshalb auch darüber nach, Rola Music noch weiter auszubauen und mehr als den klassischen PR- und Bookingjob zu machen, indem die Firma den Bands etwa zusätzlich Vorschüsse für ihre Tourneen zahlt: »Die Grenzen verschwimmen sowieso schon oft, und wir übernehmen zum Beispiel Management-Aufgaben für die Künstler. Es wäre interessant für uns, wenn wir auch noch ein Label aktivieren.«