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Musikstadt Berlin: "Berlin ist der absolute Hotspot der Musikszene"

15.09.2019 10:33 • von Jonas Kiß
Maximilian Kolb (BMG): »Es gibt zurzeit kaum einen spannenderen Ort, um mit Künstlern zusammenzuarbeiten.« (Bild: Barbara Dietl)

Für den Berliner Wirtschaftssenat ist die Situation klar: Nirgendwo sonst in Deutschland leben mehr Menschen von der Musik. MusikWoche wollte von in der Hauptstadt ansässigen Akteuren der Branche wissen, was Berlin für Unternehmen aus dem Musikgeschäft so interessant macht.

Maximilian Kolb, Managing Director GSA BMG: Berlin ist groß. Und Berlin ist in ihrem kreativen Output so vielfältig wie ihre Bewohnerinnen und Bewohner. Die Stadt lebt ihre Subkulturen und hat gleichzeitig eine starke, historisch gewachsene Musik- DNA. Es gibt zurzeit kaum einen spannenderen Ort, um mit Künstlern zusammenzuarbeiten.

Andreas Brandis, Geschäftsführer ACT: Berlin ist sicher die Stadt in Deutschland, in der sich das Musikschaffen konzentriert wie nirgendwo sonst. Berlin ist - zumindest noch - die bezahlbarste unter den großen europäischen Metropolen und bietet zahllose Auftritts- und Entfaltungsmöglichkeiten in wirklich alle Richtungen, umfangreiche Optionen der musikalischen oder medialen Ausbildung und einen starken, inspirierenden Austausch unter Musikern und Musikschaffenden, aber Andreas Brandis, Geschäftsführer ACT: Berlin ist sicher die Stadt in Deutschland, in der sich das Musikschaffen konzentriert wie nirgendwo sonst. Berlin ist - zumindest noch - die bezahlbarste unter den großen europäischen Metropolen und bietet zahllose Auftritts- und Entfaltungsmöglichkeiten in wirklich alle Richtungen, umfangreiche Optionen der musikalischen oder medialen Ausbildung und einen starken, inspirierenden Austausch unter Musikern und Musikschaffenden, aber auch Künstlern anderer Disziplinen. Das alles zieht viele Kreative aus aller Welt nach Berlin und in das entsprechende Unternehmensumfeld. Künstlerisch charakterisiert die Musiklandschaft in Berlin das, was auch die Stadt so besonders macht: Hier ist alles stets im Wandel. Nichts scheint je richtig fertig zu werden, überall wächst und verändert sich etwas. Es ist ein Klima, in dem vermeintlich ständig etwas Neues passiert. Und doch gibt es gleichzeitig auch diverse etablierte Kulturinstitutionen und Unternehmen von Weltrang in der Stadt sowie gewachsene Strukturen. Diese Mischung aus ständig Neuem und dem Etabliertem macht es so interessant, inspirierend und abwechslungsreich. Das Publikum in Berlin, ob es nun in der Stadt lebt oder zu Besuch ist, interessiert sich für diese Vielfalt und den Wandel und ist besonders offen für Neues oder auch bewusst auf der Suche danach. Das und die vielfältige Infrastruktur schafft den Nährboden dafür, dass sich Dinge entwickeln können und ausprobiert werden. Und damit ist Berlin auch für uns als Musikunternehmen einer der zentralen Orte, dieses Neue zu entdecken, mitzugestalten und erfahrbar zu machen.

Tina Funk, Managing Director Concord Music GSA: Wenn man Städten Attribute zuordnen möchte, dann ist Berlin für mich die »neugierige Stadt«. Ich liebe es, dass Deutschland so viele unterschiedliche Kreativzentren mit jeweils ganz eigenem Charakter hat - für die Musikbranche hat dieses sich stets im Wandel befindende, offene Berlin die größte internationale Anziehungskraft, und Talente aus aller Welt treffen sich gern in dieser deutschen Metropole des »chacun à son goût«, wo so Vieles geht, und man leicht Kontakte knüpft mit Kreativen aus aller Herren Länder.

Jorin Zschiesche, Geschäftsführer recordJet: Berlin ist der absolute Hotspot der Musikszene, die weit über die Landesgrenze hinaus bekannt ist. Um Künstler und neue Strömungen zu entdecken, gibt es nur wenig Vergleichbares weltweit. Wenn man die deutsche Musikindustrie insgesamt betrachtet, ist nicht nur der prozentuale Umsatz enorm, der auf Berlin entfällt, sondern auch die Wege zu so vielen wichtigen Akteuren unfassbar kurz, so dass das Persönliche im People's Business tatsächlich gelebt werden kann.

Klaus Zemke, Geschäftsführer Ticketmaster Germany: Berlin ist mit seinen multikulturellen, internationalen Talenten ein lebendiger Spiegel der Zukunft, und das macht diese Stadt so spannend. Die Berliner sind der beste Indikator für das Kaufverhalten, den Musikgeschmack und das Livepublikum von morgen - in ganz Deutschland und darüber hinaus.

Reinhardt Grahl, Geschäftsführer MSK Meistersinger Konzerte & Promotion: Berlin bietet hervorragende Netzwerkmöglichkeiten. Die bedeutendsten Unternehmen der Branche sind in der Stadt. Aber was noch viel wichtiger ist: Berlin ist die Künstlerstadt Deutschlands. Nirgendwo ist der persönliche Kontakt zu unseren Klienten so unkompliziert möglich wie hier.

Patrick Thomas, Geschäftsführer ALVdigital: Wir sind 2014 von München nach Berlin gezogen, weil hier das Herz der Musikindustrie schlägt. Ob Verbände wie BVMI, VUT, DMV, die Initiative Musik, das Musicboard, die BMC, die halbe GEMA, Majors, Indies, Top-Musikverlage und innovative Music-Tech-Firmen: sie sind alle hier, »le tout Berlin«.

Tim Böning, Geschäftsführer Der Bomber der Herzen: Nun sind am Ende ALLE hier, die Wege sind kurz, man kann sich gar nicht aus dem Weg gehen und hat somit den Bauchladen der Musikindustrie jeden Tag vor der Nase. Was hilft - aber auch irritieren kann. Und ja: sicherlich überzeugt hier und da auch monetäre Unterstützung all die Unternehmensumzüge.

Patrick Strauch, Managing Director Sony/ATV Music Publishing Germany: Musik spielt seit jeher die erste Geige in Berlin, von den unzähligen Clubs bis zum Stadion und vom Ein-Mann-Label bis zum Major-Verlag. Daher gehören Musik und die dazugehörige Industrie zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für Berlin. Auch perspektivisch wird Musik für Berlin eine immer größere Rolle spielen, nicht zuletzt durch die stärkere Präsenz der Sony Music Group.

Peter Schwenkow, Vorstandsvorsitzender DEAG: Berlin ist unumstritten der größte deutsche Markt: Uns stehen hier zahlreiche gute Venues von Club- bis Arenagröße zur Auswahl, und wir haben zwei Open- Air-Bühnen. Außerdem zeichnet sich Berlin durch ein sehr internationales, heterogenes Publikum aus, zu dem natürlich auch die große Anzahl Touristen beiträgt.

Ralph Böge, Geschäftsführer Paradise Distribution: Für uns als Paradise hat der Standort Berlin mehr Benefits als Nachteile, ganz einfach aus dem Grunde, weil wir uns als Firma stetig weiterentwickeln, technisch wie inhaltlich. Das ist ein zur Stadt passendes Mindset, eher europäisch gedacht, weniger deutsch.

Matt Schwarz, COO & Managing Director Live Nation GSA: Berlin ist eine der wichtigsten Metropolen weltweit. Alle Künstler - insbesondere neue, internationale Acts - möchten hier auftreten. Hier entstehen und manifestieren sich Trends. Dazu ist die Anzahl und Vielfältigkeit an Clubs und Spielstätten in Berlin bundesweit unerreicht. Mit der Rückkehr der Labels nach Berlin wird die Stadt umso mehr zur europäischen Hauptstadt für Musik. Besonders die Vielseitigkeit der Stadt ist ein Standortvorteil, dieser interkulturelle Schmelztiegel, der die kreativen und musikbegeisterten Menschen aus aller Welt magisch anzieht und zum Taktgeber für Kreativität macht. Hier sitzt das Start-up neben dem börsennotierten Unternehmen, und beide kooperieren und können voneinander lernen. Das geht auf musikalischer Seite nirgendwo so gut wie in Berlin. Tendenz: weiterhin steigend.

Sybil Franke, Geschäftsführerin Velomax Berlin Hallenbetriebsgesellschaft: Es hat ja eine Weile gedauert, bis Berlin wirklich interessant wurde für das Musikgeschäft, und manche Ansiedlungsentscheidungen wurden und werden so ja auch nach Jahren wieder überdacht und bringen Änderungen mit sich. Die Ballung und die Vielfältigkeit der Player sind es wohl, die mittlerweile einen wahren Musikkosmos haben entstehen lassen. Außerdem ist Berlin wohl noch immer ein verhältnismäßig günstiger Lebensraum, was ja insbesondere für Künstler selbst am Anfang häufig entscheidend ist.

Thomas Thyssen, Senior PR Manager Schubert Music, Hardbeat Promotion & Celsius Management: Auch wenn es mittlerweile, nach dem andauernden Berlin-Hype der letzten Jahre, etwas abgeschmackt klingen mag, aber die - immer noch - große Bandbreite an kulturellen und künstlerischen Angeboten, die - immer noch im Vergleich - erschwinglicheren Lebenshaltungskosten für eine Großstadt dieses Kalibers und die - ebenfalls immer noch - breite Diversität an Infrastruktur, vom totalen Under-ground bis hin zum großen Mainstream-Arena-Event, locken nach wie vor die unterschiedlichsten kreativen Akteure in die Stadt: von den Selbstständigen über die weiterhin rapide anwachsende Start-up-Szene bis hin zum großen internationalen Player beziehungsweise zweiten Major-Label. Und das ist auch - immer noch - gut so.

Carsten Stricker, Geschäftsführer verstärker medienmarketing: Ich persönlich vermisse zwar ein wenig die Zeiten, in denen Köln, Berlin und Hamburg - und oft auch München - als Standorte miteinander konkurrierten, und man überlegen musste, wo man den effizientesten Interviewtag oder die spannendste Aktion realisieren sollte. Das war natürlich abwechslungsreicher. Aber für unser Roster gilt mittlerweile: Berlin ist konkurrenzlos. Allein hier kann man zumeist binnen kürzester Zeit alle Print- und Onlinemedien erreichen, die für unsere Acts relevant sind. Und das ist ja auch besser für den CO2-Fußabdruck. Unsere oft internationalen Kunden finden es fast immer gut, ihre Agentur in der Hauptstadt zu haben. Auch, weil sie die Destination und Ausgehkultur schätzen. Das kulturelle, musikalische Angebot der Stadt ist einzigartig - hoffen wir, dass es so bleibt.

Benjamin Budde, Geschäftsführer Budde Music: Berlin ist Urgestein und Trendsetter der Musikszene zugleich. Wir haben hier eine Menge interessanter Kräfte, die den Musikmarkt aktiv und innovativ gestalten - Majors, Indies, Netzwerke, Vereine, Bands, einzelne Künstlerinnen. Spannend sind die Räume, die immer wieder neu entstehen, und die Einflüsse, die aus verschiedenen Richtungen strömen, sodass es immer in Bewegung bleibt. Hier kann man als Unternehmen wirklich kreativ sein, Dinge erproben, ausbauen, verbinden, neu erfinden. Das ist nicht nur harte Arbeit, sondern macht auch riesigen Spaß!

Thomas Quenoil, Head of Partnerships GSA, Northern & Eastern Europe Reed Midem: Berlin ist neben der gelebten kulturellen Vielfalt der Stadt besonders aus zweierlei Gründen ein sehr strategischer Ort für Reed Midem. Zum einen aufgrund der geografischen Lage, als Tor zu Nord- und Osteuropa, zum anderen, da sich Berlin zu einem der wichtigsten Standorte im weltweiten Musikmarkt entwickelt. Nicht nur in den Bereichen Produktion, Publishing, Clubs, Venues und bei den Künstlern an sich, sondern auch hinsichtlich Musik-Tech. So haben in den letzten vier Jahren mit Jambl, Skoove und Stagelink drei Berliner Musik-Start-ups unseren Musik- Tech-Wettbewerb MidemLab in Cannes gewonnen. Vor zehn Jahren sahen wir hier Soundcloud als Sieger. Bei der Midem geht es um Künstler, Kreativität, Networking, Innovation und Inspiration. All diese Bereiche zeichnen Berlin aus und machen die Stadt zu dem, was sie ist. Ein Teil des Berliner Musikgeschäfts zu sein, bedeutet für uns, am Puls der globalen Marktentwicklung zu sein. Deshalb haben wir uns entschieden, im Januar 2019 ein Midem Büro in Berlin zu eröffnen. So können wir intensiver und direkter mit unseren Kontakten in der Berliner Musiklandschaft zusammenarbeiten und Partnerschaften entwickeln.

Ina Keßler, Geschäftsführerin Initiative Musik: Wir sind in Berlin, da wir eine Fördereinrichtung der Bundesregierung und der Musikwirtschaft sind, und der Bundestag und viele unserer Ansprechpartner aus der Bundesverwaltung hier ihren Sitz haben. Mir ist aber ganz wichtig, dass wir von Musikunternehmen und Musikerinnen aus dem ganzen Bundesgebiet wahrgenommen werden. Daher sind wir viel in ganz Deutschland unterwegs.

Christoph Lange, Co-Founder und CPO Idagio: Vom Anbieter von Audio-Technologien über die Vielfalt der Musikkultur bis hin zu beeindruckenden Spielstätten und eben auch wir als Streamingservice: Das Netzwerk in den Bereichen Musik, Technologie und Design ist in Berlin einzigartig, auch was Talente betrifft. Idagio ist ein internationales Team aus über 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Musik-, Technologie-, und Business-Expertise verbinden. Kurt Thielen, Geschäftsführer Zebralution: Berlin ist mit Sicherheit die am internationalsten ausgerichtete Stadt Deutschlands, und daher befruchten sich hier deutsche und internationale Talente zu einer spannenden Szene. Zudem ist es ganz praktisch so, dass man in Berlin am einfachsten Termine mit interessanten Partnern aus dem In- und Ausland vereinbaren kann - nach Berlin kommen alle gern!

Ralph Pighin, Senior Vice President Europe, Asia & Africa Deezer: Berlin bietet eine vielseitige Kreativ-, Medien- und Tech-Szene und gehört in diesen Bereichen inzwischen zu den führenden Städte Europas. Dazu kommt ein riesiges Kulturangebot und gerade, was Musik betrifft, eine spannende Mischung aus innovativen Start-ups, Indies, Aggregatoren und Distributoren neben den etablierten Majors und Musikverlagen. Auch gibt es zahlreiche renommierte Orte von Clubs über Konzert- und Opernhäuser bis hin zu Studios und Hochschulen, an denen Musik in ihren verschiedenen Formen stattfi ndet. Die im Vergleich mit anderen Metropolen immer noch recht niedrigen Mieten und Lebenskosten haben außerdem dazu beigetragen, dass in Berlin inzwischen Menschen aus aller Welt leben. Diese Strahlkraft macht die Stadt für uns als internationales Streamingunternehmen so attraktiv, da wir hier leichter Talente fi nden und gleichzeitig auf eine für uns relevante Infrastruktur zurückgreifen können.

Ole Feltes, Senior Manager Strategic Partnerships Eventbrite: Berlin ist für mich die einzige internationale Metropole in Deutschland, da neben der großstadttypischen hohen Einwohnerzahl und ethnischen Pluralität, hier vor allem ein Schmelztiegel für Kunst und Kulturschaffende ist. Berlin steht in vielen Bereichen auf einer Stufe mit Metropolen wie New York oder London. Immer noch ziehen jedes Jahr insbesondere jene Künstler und Kreativschaffende aus der ganzen Welt nach Berlin, die sich mit den Besten messen wollen - und aber auch müssen. Wenn du in München-Garching auf einem Bein balancierend Trompete spielen kannst, reicht das für gewöhnlich für eine Selbstständigkeit, während du dir in Berlin in der U8 die eigene Frisur anzünden kannst, ohne dass dich die Oma neben dir mit dem Arsch anschaut. Du musst hier halt schon echt am großen Rad drehen, um aus dem ganzen Gewusel und Überangebot herauszustechen, was eben der Kreativität und der Intensität zuträglich ist.

Michael Schallert, Booking Magnifi cent Music: Berlin ist symbolträchtig. Aufgrund ihrer Geschichte ist die Metropole nicht erst seit dem Mauerfall Anziehungspunkt und Kreativpool für Künstler und Unternehmen. David Bowie und Iggy Pop lebten Ende der 70er-Jahre in einer WG in Schöneberg und ließen sich von den Gegensätzen und der - im positiven wie negativen Sinne - »Abgefucktheit« Berlins inspirieren. Wer kreativ sein wollte, fand hier genug günstigen Raum, um Ideen zu entwickeln und umzusetzen - manche Künstler kamen und gingen, einige blieben dauerhaft. Das ist natürlich ein großer Vorteil für Musikunternehmen. In dieser vielfältigen Musik- und Clubszene gibt es bis heute immer wieder spannende Künstler zu entdecken. Außerdem machen die meisten Bands auf ihren Touren Halt in Berlin. Die Strukturen, die hier über die Jahrzehnte gewachsen sind, sind ein Vorteil von Berlin. Labels wie Universal Music haben hier einen Standort, Sony Music zieht demnächst von München nach Berlin. Promo-Agenturen, Verlage und Bookingagenturen wie Magnifi cent Music sind hier angesiedelt. Man kann sich schnell ein Netzwerk aufbauen, sich austauschen und ist nah am Puls. Auch die Bundesregierung, das Land Berlin selbst und viele freie Träger tragen durch eine Reihe von Förderinstrumenten - unter anderem Initiative Musik, Musikpool Berlin, Musicboard - zum Musikstandort Berlin bei.