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Frank Briegmann: "Die Lage und das Branchenumfeld sind hervorragend in Berlin"

16.08.2019 09:15 • von Jonas Kiß
Sieht die Musikbranche als kulturell und wirtschaftlich wichtigen Faktor für die Bundeshauptstadt: Frank Briegmann, hier bei einer Veranstaltung zum Jubiläum der Deutschen Grammophon im Jahr 2018 (Bild: Universal Music/Stefan Hoederath)

Anfang des neuen Jahrtausends zog Universal Music nach Berlin. Frank Briegmann, CEO & President Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon, erläutert die Vorteile des Standorts und spricht von einer wechselseitig positiven Beziehung zwischen der Hauptstadt und der Musikwirtschaft.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin: Was macht Berlin für Unternehmen aus dem Musikgeschäft so interessant?

Da gibt es viele Faktoren: die Nähe zu Entscheidern und anderen Playern aus der Branche, zu neuen Trends, die unglaublich vielfältige Musikszene, die Anziehungskraft auf Kreative, das kontinuierlich wachsende Ökosystem Musikwirtschaft, die Lage mitten in Europa und vieles mehr. Und - das möchte ich in aller Bescheidenheit hinzufügen - auch die Anwesenheit von Universal Music als Arbeit- und Auftraggeber dürfte für den Musikstandort Berlin nicht eben abträglich gewesen sein.

Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach Musik als Wirtschaftsfaktor für den Standort Berlin?

Die Unternehmen der Musikwirtschaft mit Sitz in Berlin tragen mit knapp 1,9 Milliarden Euro Umsatz zu Berlins Bruttoinlandsprodukt bei. Nicht mitgerechnet sind sonstige ökonomisch relevante Effekte zum Beispiel durch Menschen, die als Fans nach Berlin kommen, oder die in Berlin von der Musikwirtschaft leben. Über 250 Veranstaltungsorte und Clubs, zehn renommierte Orchester, zwei Konzerthäuser, vier Opern, 100 klassische Ensembles und 880 Chöre, 1000 Bands aus dem Rock-Pop-Bereich, 1000 Jazzmusiker und 1200 DJs - die Musikwirtschaft hebt die Attraktivität der Stadt auch im Ganzen und unterstützt somit andere Branchen. Sie ist damit ein nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich wichtiger Faktor für die Bundeshauptstadt.

Mitte 2001 fiel die Entscheidung für den Umzug von Universal Music nach Berlin, 2002 war es dann soweit. Wie fällt die konzerninterne Bilanz seit dem Umzug aus?

Unter dem Strich sicher positiv. Auch wenn ich mittlerweile häufig international im Einsatz bin, freue ich mich doch immer wieder sehr, wenn ich zurück in Berlin bin - auch weil Berlin von Jahr zu Jahr kompletter wird. Immer mehr Stakeholder aus der Branche entscheiden sich für die Hauptstadt. Und so ist Berlin nicht nur spannend und kreativ, sondern - aus Sicht einer Musik- und Entertainment- Company - auch effizient.

Und wie sehr kann ein Standort wie Berlin von der Strahlkraft eines international agierenden Wirtschaftsunternehmens wie Universal Music profitieren?

Natürlich profitiert die Stadt von den nationalen und internationalen Stars, die wir nach Berlin bringen. Inzwischen aber wird Universal Music in Berlin auch immer öfter von internationalen Künstlern als Hub für ihre Karriere gewählt, darunter etwa Lewis Capaldi, Dua Lipa oder Lana Del Rey, um nur einige wenige zu nennen. Hier hilft uns sicher auch das Image Berlins als große europäische Kreativmetropole und als Heimat liberaler, toleranter und offener Menschen. Es ist also eine wechselseitige, positive Beziehung.

Man soll ja nie nie sagen, aber könnten Sie sich das Unternehmen heute an einem anderen Standort vorstellen?

Sowohl die Lage als auch das Branchenumfeld sind hervorragend in Berlin und in Bezug auf meine Central- Europe-Verantwortung sogar geradezu perfekt. Ein Umzug in eine andere Stadt stand und steht daher nicht zur Debatte.

Konkurrenz soll ja das Geschäft beleben, aber wird es nicht selbst in einer Stadt wie Berlin zu einem Problem, wenn so viele Player im Wettbewerb um die künstlerischen Talente und die Mitarbeiter stehen?

Das stimmt, Konkurrenz belebt das Geschäft; und wenn alle einen guten Job machen, wächst der Markt und damit die Opportunitäten. Ich begrüße ganz grundsätzlich jedes Engagement, das den Musikstandort Berlin stärkt und freue mich auf den dann innerstädtischen Wettbewerb.

Interview: Knut Schlinger

Der Text ist Bestandteil des Dossiers "Musikstadt Berlin" in MusikWoche Vol. 32/2019.