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EU stattet Keychange-Initiative mit 1,4 Millionen Euro aus

Die 2017 auf dem Reeperbahn Festival erstmals vorgestellte Initiative Keychange zur Gleichstellung der Geschlechter in der Musik geht ab September mit Joy Denalane als neue Botschafterin für Deutschland in die nächste Runde. Die EU-Kommission hat das Programm bis 2023 mit 1,4 Millionen Euro ausgestattet.

08.08.2019 13:15 • von Dietmar Schwenger
Die neue Keychange-Botschafterin für Deutschland: Joy Delane (Bild: Reeperbahn Festival)

Die 2017 auf dem Reeperbahn Festival erstmals vorgestellte Initiative Keychange zur Gleichstellung der Geschlechter in der Musik geht ab September mit Joy Denalane als neue Botschafterin für Deutschland in die nächste Runde. Die EU-Kommission hat das Programm dafür bis 2023 mit 1,4 Millionen Euro ausgestattet. Damit wollen die Initiatoren das Ziel für ein ausgeglichenes Geschlechter-Verhältnis vom Live Entertainment auf angrenzende Bereiche in der Musikwirtschaft wie Recorded Music, Publishing oder Musikradio inhaltlich und räumlich ausweiten.

Beginnend mit einer Präsentation der neuen Partner und Maßnahmen am 19. September 2019 unter anderem durch Kate Nash, Joy Denalane, Barbara Gessler (EU-Kommission) und Alexander Schulz (Mitgründer Keychange, CEO Reeperbahn Festival) stehen anschließend unterschiedliche Panels zur Gender-Balance in der Musik auf dem Programm des Reeperbahn Festivals 2019 - unter anderem das von MusikWoche präsentierte Panel "Electric Ladyland" über die Gleichberechtigung von Frauen in der elektronischen Musik ebenfalls am 19. September.

"Seit Jahren diskutieren wir in geschützten Räumen über die Unterrepräsentanz von Frauen im popkulturellen Kontext", klagt Joy Denalane als Keychange-Botschafterin. "Dabei gibt es so viele Frauen, die großartige Musik machen oder auch ein feines Gespür für das Business haben. Einzig in ihren Erfolgen schlägt es sich nicht nieder. Männer dominieren nach wie vor die Kunst und ihren Markt. Die Initiative Keychange birgt nun die Riesen-Chance, dieses Ungleichgewicht aufzuheben."

Durch ihre analytische und faktenorientierte Herangehensweise habe sich Keychange europaweit ein fantastisches Netzwerk aufbauen können, so die frischernannte Keychange-Botschafterin weiter. "Und das ist für mich die Grundlage für eine Sensibilisierung dieses Problems und einen öffentlichen Diskurs über notwendige Veränderungen. Wir haben hier die Chance, dass wir als Künstlerinnen, Unternehmerinnen oder Führungskräfte wahrgenommen und bewertet werden."

Die britische PRS For Music Foundation hat Keychange 2017 ins Leben gerufen. Seitdem haben sich über 250 Musikorganisationen aus Europa und Kanada angeschlossen. Das Reeperbahn Festival ist als Mitbegründer von Anfang an dabei und übernimmt ab 2019 die Leitung der europäischen Initiative, die im Juli 2019 von der EU-Kommission für vier weitere Jahre (von September 2019 bis September 2023) mit 1,4 Millionen Euro ausgestattet wurde.

Das erklärte Ziel von Keychange sei es, eine globale Debatte über die Repräsentation von Frauen anzustoßen, die eine nachhaltige Veränderung in der Musik nach sich ziehe, heißt es aus Hamburg.

Das Reeperbahn Festival leitet diese zweite Phase in enger Zusammenarbeit mit der PRS for Music Foundation (UK), Musikcentrum Öst (Schweden), Iceland Airwaves (Island), Tallinn Music Week/Shiftworks (Estland) und BIME Festival (Spanien). Als neue Partner sind die Ireland Music Week/First Music Contact (Irland), das Oslo World Festival (Norwegen), Linecheck Festival/Innovation Hub (Italien) und SACEM (Frankreich) mit an Bord.

Als Hauptsponsoren fungieren die GEMA, Gorwelion Horizons, SOCAN Foundation, SoundCloud, STIM, STEF, IMRO, Songtrust, Fundación SGAE, Factor, Ableton, Smirnoff Equalising Music und das Roskilde Festival.

Mit der vom Reeperbahn Festival 2017 ausgerufenen Absichtserklärung, der sogenannten Pledge, Veranstaltungsprogramme bis 2022 in ausgewogener Geschlechterverteilung zu präsentieren, lag der Fokus zunächst auf dem Bereich Live Entertainment. Über 180 internationale Festivals haben sich hier bislang angeschlossen. Seit dem Sommer 2019 weitet Keychange die Pledge auf angrenzende Bereiche sowie Institutionen und Firmen in der Musik wie Konservatorien, Orchester, Radioprogramme, Spielstätten, Konzerthallen, Streaming Sevices, Labels, Publisher und weitere Organisationen aus.

In Deutschland haben sich der erweiterten Pledge jüngst ByteFM, ferryhouse und c/o pop Festival & Convention angeschlossen. Alínæ Lumr, Berlin Jazz Experiment, Dice Festival, Jazzfest Berlin, Most Wanted: Music, Operation Ton, Pop-Kultur, punkd Festival und die VUT Indie Days sind schon länger Unterzeichner.

"Die realitätskonforme Anpassung der inneren Strukturen in allen Organisationen in der Musikwirtschaft sowie ihrer Kataloge und Roster und der Programm-Angebote auf Bühnen, im Streaming und im Airplay führt mittelfristig zu veränderten Rezeptionsgewohnheiten aller Hörer und Konzertbesucher", sagt Alexander Schulz als Mitgründer Keychange und CEO Reeperbahn Festival.

"Schon die nächste Generation Hörer soll ganz selbstverständlich gender-balanced musikalisch sozialisiert werden, denn schon die nächste Generation Musiker wird so divers sein wie unsere Gesellschaft", ist sich Schulz sicher. "Und ganz nebenbei wird sich die Qualität der Musik insgesamt erhöhen, weil bisher unentdeckte Talente dann ganz natürlich in den Markt gelangen werden."

"Die zugesprochene Unterstützung der EU-Kommission gibt uns die Möglichkeit, diese Ziele mittels der unterschiedlichen neuen Maßnahmen in Keychange 2.0 gemeinsam mit unseren Partnern aus neun europäischen Ländern und aus Kanada hartnäckig zu verfolgen", so Schulz weiter.

Christina Schäfers, Leiterin des Kunstprogramms beim Reeperbahn Festival, wurde zudem jüngst zur Projektleiterin Keychange auf der Reeperbahn ernannt. "Die transformative Kraft von Keychange ist sichtbar und nimmt zu: Talentierte, smarte und extrem gut vernetzte Leute und Organisationen haben sich zusammengetan, um die gemeinsame Idee zu verfolgen, dass Diversität kulturell bereichernd und wirtschaftlich erfolgreicher ist."

In den nächsten vier Jahren wolle man sich auf konkrete Ziele und Maßnahmen fokussieren, um eine bessere und inklusivere Musikindustrie zu schaffen. "Weil Kultur schon immer eine Inspirationsquelle für notwendige Veränderungen war, freuen wir uns darauf, zu inspirieren und ein Teil der Zukunft unserer Gesellschaft zu sein", so Schäfers weiter.