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TikTok vertraut im Lizenzstreit auf früheren ICE- und GEMA-Anwalt

In Großbritannien haben die Betreiber von TikTok in der Auseinandersetzung mit ICE, GEMA, PRS und STIM die zuständige Schiedsstelle angerufen. Vor diesem Hintergrund dürfte es als ein strategisch interessanter Schachzug gelten, dass kurz zuvor ein promovierter Jurist die Seiten wechselte.

01.08.2019 10:46 • von
Inzwischen für das ByteDance-Netzwerk TikTok tätig: der früher für GEMA und ICE aktive Jörn Radloff (Bild: GEMA)

In Großbritannien haben die Betreiber des TikTok-Netzwerks in der Auseinandersetzung mit dem ICE-Gemeinschaftsunternehmen von GEMA, PRS und STIM die für Urheberrechts- und Lizenzstreitigkeiten zuständige Schiedsstelle, das Copyright Tribunal, angerufen. Vor diesem Hintergrund dürfte es als ein strategisch interessanter Schachzug gelten, dass kurz zuvor ein promovierter Jurist die Seiten wechselte, und von der Lizenzplattform der Verwertungsgesellschaften zum chinesischen Konzern Beijing ByteDance Technology ging.

Wie zunächst "Music Business Worldwide" berichtete, ist Jörn Radloff inzwischen für ByteDance tätig. Laut LinkedIn fing Radloff im Juni 2019 in London als Senior Counsel Corporate Development Music, Content, Intellectual Property bei ByteDance an, seit Juli führt er den Titel als Head Counsel Music Licensing, EMEA / Corporate Development IP EMEA.

Der promovierte Jurist war nach einem Studium in Köln, Lausanne und Oxford zunächst für PwC aktiv und ab dem Februar 2013 als Rechtsanwalt und Repertoiremanager in der Direktion Sendung/Online der GEMA tätig. Anfang 2016 übernahm Radloff dann als Head of Rights & Repertoire Aufgaben beim ICE-Joint-Venture.

Beim Wechsel von der GEMA zu ICE hatte der GEMA-Vorstandsvorsitzende Harald Heker Radloff als "erfahrenen Mitarbeiter" gelobt, den man nun ins "Herzstück von ICE" entsende. Bereits in der Projektphase von ICE sei er maßgeblich für die Definition und Ausgestaltung von Anforderungen an das paneuropäische Rechtemanagement zur grenzüberschreitenden Lizenzierung zuständig gewesen.

"Die TikTok-Plattform ist nicht lizenziert, und wir bei ICE sind enttäuscht, dass bislang keine Einigung über die Nutzung der Millionen von Musikwerken der von uns vertretenen Songwriter, Komponisten und Verleger erzielt werden konnte", hatte ein ICE-Sprecher die anstehende Auseinandersetzung mit TikTok am 23. Juli auf Nachfrage von MusikWoche bestätigt. Kurz darauf meldeten sich die TikTok-Macher zu Wort, und verwiesen in einer ersten Reaktion gegenüber "Music Ally" unter anderem auf den Promotion-Effekt und den Faktor Aufmerksamkeit: Nach offenbar für die Betreiber unbefriedigenden Verhandlungen mit der ICE-Lizenzplattform habe man das britische Copyright Tribunal als neutralen Dritten gebeten, "uns zu einem vernünftigen Ergebnis zu verhelfen."