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TikTok spielt im Zwist mit GEMA, ICE & Co die Promo-Karte

Die Betreiber des TikTok-Netzwerks haben in Großbritannien die Schiedsstelle für Urheberrechts- und Lizenzstreitigkeiten angerufen, um einen Zwist um Tantiemen mit PRS, STIM und GEMA und deren Plattform ICE zu klären. In einer ersten Reaktion verweist TikTok nun auf den Promotion-Effekt.

24.07.2019 12:24 • von
"Jede Sekunde zählt", wirbt TikTok auf seinen Onlineseiten, doch für die Autoren, Textdichter und Musikverleger hinter der eingesetzten Musik auf der Videoplattform gilt das bislang nur bedingt. (Bild: tiktok.com, Screenshot)

Die Betreiber des TikTok-Netzwerks von Beijing ByteDance Technology haben in Großbritannien die Schiedsstelle für Urheberrechts- und Lizenzstreitigkeiten angerufen. Vor dem Copyright Tribunal wollen sie einen Zwist um Tantiemen mit den Verwertungsgesellschaften PRS, STIM und GEMA und deren Lizenzplattform ICE klären lassen.

"Die TikTok-Plattform ist nicht lizenziert, und wir bei ICE sind enttäuscht, dass bislang keine Einigung über die Nutzung der Millionen von Musikwerken der von uns vertretenen Songwriter, Komponisten und Verleger erzielt werden konnte", bestätigte ein ICE-Sprecher den Vorgang am 23. Juli auf Nachfrage von MusikWoche.

Inzwischen melden sich auch die TikTok-Macher zu Wort, und verweisen in einer ersten Reaktion gegenüber "Music Ally" unter anderem auf den Promotion-Effekt und den Faktor Aufmerksamkeit: TikTok sei schließlich eine "spannende Möglichkeit", Songs und aufstrebende Künstler einem breiten und vielschichtigen Publikum zu präsentieren und somit zu etablieren, heißt es dort. Als Plattform für "einzigartige und originelle Inhalte" lege man großen Wert auf die Wahrung geistiger Eigentumsrechte und arbeite zudem bereits eng mit Rechteinhabern im Musikbereich zusammen, um eine Musikbibliothek für die Nutzung in Kurzvideos bereitzustellen.

In diesem Zusammenhang habe man auch mit der ICE-Lizenzplattform tiefergehende Verhandlungen geführt. Ganz offenbar aber verliefen diese nicht im Sinne der chinesischen TikTok-Mutter: "Wir haben das britische Copyright Tribunal als neutralen Dritten gebeten, uns zu einem vernünftigen Ergebnis zu verhelfen", heißt es denn nun auch entsprechend. Man freue sich darauf, die Gespräche mit ICE fortzuführen und eine Einigung zu erzielen, die "die Möglichkeiten für Künstler und Songwriter auf der Plattform erweitert".

Musik spielt für die Kurzvideo-Plattform TikTok durchaus eine bedeutende Rolle. Das belegen zahlreiche Lip-Synch-Clips oder Tanz-Challenges zu ausgewählten Songs und deren Musikvideos. Die Plattform startete 2016 unter dem Namen Douyin in China, 2017 kam es zur Übernahme des Mitbewerbers Musical.ly, der bald danach unter dem Namen TikTok neu positioniert wurde.

Die Aufsichtsbehörden in UK wollen sich zunächst ein umfassenderes Bild machen: Noch bis zum 16. August 2019 können sich Organisationen und Interessenten bei der Behörde in dieser Sache zu Wort melden, teil das Copyright Tribunal auf seinen Onlineseiten mit.