chartwoche.de

Singles suchen neue Charts

Die Singlescharts sind zuletzt unter Druck geraten, sie seien nicht mehr zeitgemäß, zu langsam oder anfällig für Manipulationen, war zu hören. MusikWoche fragte, welche Änderungen man vornehmen sollte, damit die Charts auch künftig relevant bleiben und verrät, welche tatsächlichen Änderungen ab August in Kraft treten.

24.07.2019 10:02 • von Jonas Kiß
War einst Teil der Chartsermittlung bei den Singles: eine Jukebox (Bild: Pxhere.com)

Die Singlescharts sind zuletzt unter Druck geraten, sie seien nicht mehr zeitgemäß, zu langsam oder anfällig für Manipulationen, war zu hören. MusikWoche fragte, welche Änderungen man vornehmen sollte, damit die Charts auch künftig relevant bleiben und verrät, welche tatsächlichen Änderungen ab August in Kraft treten.

»Die Charts zeigen in zunehmendem Maße weniger den Kauf als mehr die Nutzung von Musik, und da hat die Musik mit intensiver Nutzung einen deutlichen Vorteil«, weiß Heiko Spaarmann, Head of Sales & VMI GoodToGo. »Dass daraus geschlossen werden kann, dies wäre der Lauf der Dinge und die Musik mit geringerer Nutzung müsse sich damit abfinden, kann nicht als Argument bestehen. Wir kommen von einem System, das ausschließlich den Kauf gewertet hat. Die Nutzung ist später erst entsprechend der veränderten Konsumgewohnheiten mit in die Wertung aufgenommen worden und wird in den Wertecharts in 'Kauf' übersetzt. Nutzung ist jedoch kein Kauf.«

ALBUMTRACKS IN DEN SINGLESCHARTS

In den Singlescharts führe dies dazu, dass mitunter einzelne Alben mit allen Titeln in den Top 20 stattfinden. »Ich denke, das war ursprünglich so nicht geplant. Die Frage ist nun, wie sinnvoll nachjustiert oder ein völlig neuer Ansatz gewählt werden kann. Klar ist nämlich, dass es nicht nur eine 'richtige' Lösung für die Ermittlung der Charts gibt«, betont der Chartsexperte. Alternative Ansätze seien zum Beispiel die Höreranzahl in einem Erhebungszeitraum zu werten oder auch den tatsächlich investierten Geldbetrag im Sinne der Wertecharts auf die tatsächliche individuelle Nutzung umzu- legen.

»Da aus meiner Sicht sehr sympathische Ideen wie diese an der Abwesenheit dazu notwendiger Daten scheitern, wird mit dem bestehenden System vorerst weiter gearbeitet werden müssen. Ziel sollte für uns als Branche ein Trendbarometer sein, das auch für neue Künstler durchlässig ist. Schließlich sind wir neben den etablierten Stars auch darauf angewiesen, regelmäßig neue Künstler durchzubringen.«

Die Charts seien dafür in der Vergangenheit ein Baustein gewesen - und den sollte die Branche unbedingt erhalten. »Die anstehenden Veränderungen, die in den zuständigen Gremien des Bundesverbands während der vergangenen Wochen erarbeitet wurden, geben einen guten Weg vor: Die tatsächlich als Single vom Konsumenten wahrgenommenen Titel finden ihren Weg in die Singlescharts, die offensichtlichen Albumtitel können ihren Beitrag in der Wertung für das Album leisten. Dafür müssen sie aber nicht gleichzeitig auch in den Singlescharts Plätze belegen, die aus Marketingperspektive sowieso nicht sinnvoll genutzt werden können.«

Wie Michael Pütz (Director Market Strategy Sony Music GSA), Bettina Wohlgefahrt (Geschäftsführerin Artist & Labelmanagement), Nils Hollmann (Director Sales & Marketing Music & Audiobooks Zebralution) Paul Grauwinkel (Geschäftsführer Paper Plane Records), Danny »D-Bo« Bokelmann (Geschäftsführer Wolfpack Entertainment Family), Stefan Strüver (General Manager PIAS Germany) und Ken Otremba (Geschäftsführer Telamo) die Entwicklung einschätzen, lesen Abonnenten in MusikWoche, Vol. 30/31 2019, oder hier.