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ICE, PRS, STIM und GEMA gehen mit TikTok vors Copyright Tribunal

Die britische Schiedsstelle für Urheberrechts- und Lizenzstreitigkeiten befasst sich derzeit mit einer Auseinandersetzung zwischen den Betreibern des TikTok-Netzwerks einerseits und andererseits der Lizenzplattform ICE und den Verwertungsgesellschaften PRS, STIM und GEMA.

23.07.2019 13:01 • von
"Jede Sekunde zählt", wirbt die TikTok-Plattform auf ihren Onlineseiten, doch für die Autoren, Textdichter und Musikverleger hinter der oftmals eingesetzten Musik auf der Kurzvideoplattform gilt das bislang nur sehr bedingt. (Bild: tiktok.com, Screenshot)

Das Copyright Tribunal, als britische Schiedsstelle für Urheberrechts- und Lizenzstreitigkeiten quasi das Gegenstück zum Deutschen Patent- und Markenamt, befasst sich derzeit mit einer Auseinandersetzung zwischen einerseits den Betreibern des TikTok-Netzwerks von Beijing ByteDance Technology und andererseits der Lizenzplattform ICE und den Verwertungsgesellschaften PRS, STIM und GEMA. Noch bis zum 16. August 2019 können sich Organisationen und Interessenten bei der Behörde in dieser Sache zu Wort melden, teil das Copyright Tribunal auf seinen Onlineseiten mit.

In der Auseinandersetzung, von der zuerst "Music Ally" berichtete, geht es, nur wenig verwunderlich, um Lizenzfragen. Schließlich spielt Musik für die Kurzvideo-Plattform TikTok eine bedeutende Rolle. Das belegen zahlreiche Lip-Synch-Clips oder Tanz-Challenges zu ausgewählten Songs und deren Musikvideos. Die Plattform startete 2016 zunächst unter dem Namen Douyin in China, 2017 kam es zur Übernahme des Mitbewerbers Musical.ly, der bald danach unter dem Namen TikTok neu positioniert wurde.

Ein direkter Mitbewerber von abobasierten Streamingdiensten wie Spotify, Apple Music oder Amazon Music Unlimited ist TikTok zwar bislang nicht, doch zuletzt hieß es gerüchteweise, die Beijing ByteDance Technology stehe kurz vor dem Einstieg ins Musikstreaming. Bereits im Herbst 2019 könnte der chinesische Konzern demnach ein kostenpflichtiges Angebot für Musik und Musikvideos per App ans Netz bringen, und dabei vor allem Wachstumsregionen ins Visier nehmen, in denen bezahlte Musikabos den Massenmarkt noch nicht erreicht haben. Passend dazu soll ByteDance bereits erste Lizenzdeals mit indischen Rechteinhabern geschlossen haben, hieß es im Mai.

Mit den nun in der Sache aktiven Verwertungsgesellschaften allerdings sind offenbar noch keine Verträge geschlossen:

"Die TikTok-Plattform ist nicht lizenziert, und wir bei ICE sind enttäuscht, dass bislang keine Einigung über die Nutzung der Millionen von Musikwerken der von uns vertretenen Songwriter, Komponisten und Verleger erzielt werden konnte", bestätigt ein ICE-Sprecher auf Nachfrage von MusikWoche. Anbieter, die Musik nutzen und von deren Einsatz profitieren würden, müssen dazu eine Lizenz erwerben, heißt es aus dem Hause ICE. "Wir freuen uns darauf, die Interessen unserer Rechteinhaber zu vertreten und einen angemessenen Wert für die umfassende Nutzung ihres Repertoires auf der Plattform zu gewährleisten." Ziel sei es, im Zuge dieses Rechtsstreits zu einer Lizenzvereinbarung mit TikTok zu kommen, "die den Wert der Musik unserer Rechteinhaber angemessen widerspiegelt".