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Indies wünschen sich von Europa mehr Rückhalt für die Kultur

Nach der Wahl von Ursula von der Leyen an die Spitze der Europäischen Kommission melden sich nun bei VUT und Impala die Repräsentanten der unabhängigen Musikunternehmen zu Wort.

19.07.2019 16:51 • von
Rückt als erste Frau an die Spitze der Europäischen Kommission: Ursula von der Leyen, die hier nach der Abstimmung die Glückwunsche des deustchen Europaparlamentariers Christian Ehler entgegennimmt (Bild: EP, Christian Creutz)

Nach der Wahl von Ursula von der Leyen an die Spitze der Europäischen Kommission melden sich nach der GEMA nun auch die Repräsentanten der unabhängigen Musikunternehmen zu Wort.

"Der denkbar knappen Wahl ging eine durchaus engagierte und pro-europäische Bewerbungsrede voraus", analysiert Jörg Heidemann, Geschäftsführer des Verbands unabhängiger Musikunternehmen (VUT). "Wir begrüßen ihre Entschlossenheit, mit der sie sich für eine gendergerechte Gesellschaft, Politik und Wirtschaft einsetzt. In unserem Mentoring-Programm Music Industry Women tragen wir selbst einen kleinen Baustein zu diesem Ziel bei. Es an prominenter Stelle vertreten zu wissen, freut uns daher", fasst Heidemann zusammen.

Ebenso wichtig sei für den Verband und seine Mitglieder aber, dass Ursula von der Leyen "die Bedeutung kleiner und mittelständischer Unternehmen als Rückgrat der Wirtschaft in Europa klar vor Augen" habe, betont Heidemann. "Wir werden genau beobachten, inwieweit sie hier ihrem erklärten Ziel gerecht wird, einen leichteren Marktzugang zu schaffen. In diesem Zusammenhang erhoffen wir uns auch, dass sie ihr Versprechen im Hinblick auf die digitale Welt einlöst und sich konsequent für erweiterte Haftungs- und Sicherheitsbestimmungen von internationalen Tech-Giganten ausspricht." Mit der Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie wäre aus Sicht unabhängiger Musikunternehmen bereits ein großer Schritt getan.

"Die künftige Kommissionspräsidentin versprach zudem, das Budget des Erasmus-Programms zu verdreifachen, jedoch sagte sie kein Wort zum Programm Creative Europe", beobachtete der VUT-Geschäftsführer. "Wir sind schon enttäuscht, dass in ihrer gesamten Rede kein einziges Mal die Kreativwirtschaft, Kultur oder Musik erwähnt wurden. So wird sie deren bedeutsamer Stellung für die europäische Gesellschaft sowie als europäischer Wirtschaftsmotor keinesfalls gerecht."

Beim Impala-Dachverband der unabhängigen Musikunternehmen Europas heißt derweil Geschäftsführerin Helen Smith die frisch gewählte Politikerin herzlich an der Spitze der EU-Kommission willkommen: "Wir hoffen, dass die Kommission unter ihrer Leitung an das bisherigen Engagement für eine Stärkung des Kultursektors in Europa anknüpft", sagt Smith. Unter anderem seien ehrgeizigere Aktivitäten und Programme und vor allem bessere Finanzierungsmöglichkeiten für kleinere und mittelständische Unternehmen nötig im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft gefordert, denn diese seien schließlich das Rückgrat des gesamten Sektors:

"Kultur und Kreativität sind eine der größten Stärken Europas. Sie schaffen einen wirtschaftlichen Mehrwert, stehen für 4,4 Prozent des gesamten Bruttoinlandprodukts der EU und für zwölf Millionen Vollzeitarbeitsplätze, und transportieren zudem perfekt die europäischen Werte und das, wofür die EU steht: Nämlich eine vielfältige, aber dennoch vereinte Gruppe von Ländern, die durch ihre Kultur zusammengehalten werden."