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Achim Esser-Mamat: "Kein zweites Mal zu finden"

Die MasterClasses von MediaSoundHamburg (9.-18. August) sind gespickt mit großen Namen aus den Bereichen Filmmusik, Sound Design oder Foley. Mitbegründer und Leiter Achim Esser-Mamat erklärt, was den Erfolg seiner Sommerakademie ausmacht.

19.07.2019 07:50 • von Barbara Schuster

Die MasterClasses von MediaSoundHamburg sind gespickt mit großen Namen aus den Bereichen Filmmusik, Sound Design oder Foley. Mitbegründer und Leiter Achim Esser-Mamat erklärt, was den Erfolg seiner Sommerakademie ausmacht.

Bei MediaSound Hamburg kann man von den Großen der Branche lernen. Benennen Sie uns doch Ihre diesjährigen Highlights...

Der Sound Designer und zweifache Oscar-Gewinner Randy Thom ist erneut zu Gast in Hamburg. Er wird die MasterClass Sound Design leiten. Ich freue mich außerdem riesig, dass mit Sue Harding nicht nur eine Emmy-Preisträgerin in die Hansestadt kommt, sondern auch eine der bedeutendsten Foley-Künstlerinnen weltweit. Sie gibt ihr Wissen zusammen mit Adam Méndez in der MasterClass Foley weiter. Der Komponist Bob Zimmerman wird die MasterClass Orchestrierung leiten, die Gamemusic-Spezialisten John Broomhall und Alastair Lindsay leiten die diesjährige MasterClass GameMusic und der dänische Filmkomponist Kristian Eidnes Anders, der vor allem durch seine Arbeit mit Lars von Trier bekannt geworden ist, kommt für die MasterClass FilmMusik nach Hamburg-Blankenese. Neben diesen hochkarätigen MasterClasses gibt es noch zahlreiche Foren und Workshops unter anderem mit Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten. Er entwickelt in seinem Forum "Radical Soundtracks" Strategien gegen Stereotype Filmmusik. Spannend ist außerdem das Forum "The Magical of Musical Collaboration". Der dänische Komponist Jonas Struck und der Sound Designer Peter Albrechtsen erläutern, wie Musik und Sound das Drehbuch, die Aufnahme und auch die Bildbearbeitung beeinflussen können. Und bereits vor der eigentlichen Internationalen Sommerakademie Design findet in Kooperation mit der Hochschule für angewandte Medien in Hamburg (HAW) vom 5. bis 8. August der "Music Production Workshop" statt. Thomas Görne und Made Indrayana geben Einblicke in die Produktion eines Tonträgers mit der Band Sahad & The Nataal Patchwork aus dem Senegal. Mit dieser großartigen Band und mit Tofa Jaxx und Eric Wainaina gibt es am 10. August ein öffentliches Konzert im resonanzraum.

Die Veranstaltung gibt es nun schon neun Jahre. Aus welchem Bestreben wurde sie damals gegründet und welchen Stellenwert genießt sie heute?

MediaSoundHamburg zunächst FilmSoundHamburg wurde von der Komponistin Gudrun Lehmann und mir ins Leben gerufen. Wir hatten damals festgestellt, dass es nur wenige hochkarätige Weiterbildungsangebote für Filmkomponist*innen gibt. Seit 2015 gehen wir getrennte Wege und aus FilmSoundHamburg ist MediaSoundHamburg geworden. Wir finden, dass der Begriff Media ein umfassenderes Spektrum abdeckt als der Begriff Film. Ich selber organisiere seit mehr als 30 Jahren Aus- und Weiterbildungsangebote u.a. im Bereich Ton (Musik, Sounddesign, Geräusche/Foley). Durch die Digitalisierung bekommt dieser Teil der Bewegtbildproduktion eine immer größere Bedeutung. Mit MediaSoundHamburg ist in den letzten neun Jahren vor allem ein internationales Netzwerk von Teilnehmer*innen und Dozent*innen entstanden, wie es kein zweites Mal zu finden ist. In den vergangenen Jahren kamen unter anderem Patrick Doyle, Michael Nyman, Chris Huelsbeck, Christopher Young, Annette Fochs, Ben Burtt, Alva Noto, Michel van Dyke und Hauschka nach Hamburg. Für einige unserer Teilnehmer*innen war MediaSoundHamburg auch der Start ihrer beruflichen Karriere.

Zielt MediaSound Hamburg eher auf den Nachwuchs ab oder kommen auch "alte Hasen", die sich Tipps von Hollywood-Granden holen möchten?

Es kommt sowohl der Nachwuchs, aber auch Firmen aus ganz Europa schicken ihre Mitarbeiter*innen zur Weiterbildung nach Hamburg, und hier insbesondere in die MasterClasses. Interessant ist unsere Sommerakademie auch für Musiker*innen im Allgemeinen, die nach neuen Einnahmequellen für ihre künstlerische Tätigkeit suchen.

Und allgemein: wie ist denn die Ausbildungssituation bei Filmmusik und Sounddesign in Deutschland?

Es gibt in Deutschland einige öffentliche und private Institutionen, wo man Filmmusik oder Sounddesign studieren kann, wie z.B die HAW und die SAE in Hamburg, die Filmhochschulen in Babelsberg und Ludwigsburg oder die Musikhochschule in München. Vergleichbare Weiterbildungsveranstaltungen wie MediaSoundHamburg gibt es in Europa und darüber hinaus nicht - wo Menschen aus aller Welt über einen Zeitraum von zehn Tagen zusammen leben, an Projekten arbeiten und ihre eigenen kulturellen Besonderheiten miteinander austauschen.

Es sind ja auch Berufe, die sehr von Männern dominiert sind... oder liege ich da falsch?

Ja, das ist richtig. Es gibt wenige Frauen in der Branche. Das muss dringend geändert werden. Bei der Vergabe der Stipendien richten wir in jedem Jahr ein besonderes Augenmerk auf die Förderung von talentierten jungen Frauen. In diesem Jahr haben wir von zehn Stipendien vier an Frauen aus Kenia, Südafrika, der Ukraine und den Niederlanden vergeben. Leider ist auch der Anteil an Dozentinnen bei MediaSoundHamburg immer noch relativ gering. Aber wir bemühen uns! Sue Harding habe ich bereits erwähnt, Kirsi Ihalainen aus Finnland leitet das Forum "Bezaubernde Klänge aus der Natur" und in unserem Werkstattgepräch am 17. August wird sich das Komponistinnen-Kollektiv Track 15 vorstellen.

Barbara Schuster