Unternehmen

Acast steigt mit Stefan Zilch in den deutschen Markt ein

Als Regional Managing Director heuerte Stefan Zilch kürzlich bei Acast an, und bringt das schwedische Unternehmen nun nach Deutschland. Für die Podcast-Spezialisten sieht er auch hierzulande großes Potenzial.

12.07.2019 16:17 • von
Sieht den Podcast als "die Mediengattung mit dem höchsten Klebefaktor": Stefan Zilch (links, Regional Managing Director Acast Deutschland), hier mit Paulus Yezbek, der als Director Of Content fungiert (Bild: Inka Junge)

Als Regional Managing Director heuerte Stefan Zilch kürzlich bei Acast an, und bringt das schwedische Unternehmen nun nach Deutschland. Für die Podcast-Spezialisten sieht er auch hierzulande großes Potenzial:

»Ein großes Interesse an gesprochenen Audionhalten war im deutschen Markt schon immer da«, analysiert Stefan Zilch. Im Gespräch mit MusikWoche verweist der ehemalige Deutschlandchef von Spotify darauf, dass zum Beispiel »Die drei ???« beim Streamingdienst »die Charts gesprengt« hätten.

In fünf Jahren erwartet Zilch deshalb »einen etablierten und hoch professionellen Markt« in Sachen Podcasts: »Und alle machen mit: Von den Fernsehanstalten und Radiosendern über Medienhäuser mit ihren Printmarken bis zu Hörbuchverlagen und Musiklabels, die derzeit bereits alle ihre Podcast-Abteilungen aufbauen.«

An dieser Entwicklung will Zilch mit Acast von Berlin aus mitwirken, hat dazu bereits Paulus Yezbek an Bord geholt, der als Director Of Content fungiert, und peilt bis zum Jahreswechsel die Marke von fünf Mitarbeitern an. »Wir sind international bereits sehr erfolgreich und gehören zu den führenden Unternehmen in der Distribution und Vermarktung von Podcasts«, sagt Zilch. »Wir haben bereits über 7000 Shows im Angebot.« Zu den Partnern von Acast zählen unter anderem große Medienmarken wie die BBC, der »Guardian« oder die »Times«, aber auch »gestandene Indie-Podcaster«.

Derzeit expandiert Acast nach Deutschland und Frankreich - und betritt damit erstmals Märkte außerhalb des englischen Sprachraums. Ziel ist es laut Zilch, möglichst bald ein breites Spektrum an deutschsprachigen Inhalten anbieten zu können. Das Unternehmen biete dazu »eine umfassende Infrastruktur für Podcasts«. Zum Paket gehöre ein Content Management System für die redaktionelle Arbeit, hinzu komme die Distribution: »Wir haben Partnerschaften mit den wichtigsten Plattformen, auf denen Podcasts gehört werden wie Spotify, Apple Music oder sämtliche spezialisierten Podcast-Apps - Produzenten können ihre Podcasts mit einem Mausklick auf alle diese Plattformen verteilen.«

Die größte Baustelle im deutschen Markt sieht Zilch in der Vermarktung von Podcasts: »Auf der Content-Seite sind in Deutschland längst viele wirklich tolle Angebote am Start, aber wir sind weit zurück hinter den USA oder auch anderen großen europäischen Märkten wie UK oder Schweden, was die Monetarisierung betrifft.« Hier gebe es noch großes Potenzial, auch weil Werbung von Podcast-Hörern durchaus angenommen werde. Er sehe deshalb keinen Grund, warum es in Deutschland nicht eine ähnliche Entwicklung geben könne wie in Großbritannien.

In Hinblick auf die erzielten Werbeerlöse sei Acast bereits ganz vorn mit dabei: »Seit der Firmengründung 2014 haben wir allein in Europa mehr als 50 Millionen Euro aus Werbegeldern an die Produzenten von Podcasts ausgezahlt.« Auf den deutschen Markt entfalle davon allerdings bislang nur ein Bruchteil. »Unser Bestreben ist es, auch hierzulande ein unabhängiges und funktionierendes Podcast-Ökosystem aufzubauen.« Dabei müsse es darum gehen, »Podcasts als eigenständige und unabhängige Mediengattung zu begreifen«, sagt Zilch.

»Der Podcast ist die am günstigsten herzustellende Mediengattung mit dem höchsten Klebefaktor.« Nutzer würden neue Folgen der von ihnen abonnierten Podcasts schließlich direkt auf ihr Smartphone bekommen. »Einfacher geht es nicht.«

Mit dem Markteintritt in Deutschland baut das 2014 von CEO Mans Ulvestam aus der Taufe gehobene Acast seinen zehnten Standort auf. Mitte Dezember 2018 hatte Acast im Zuge einer dritten Finanzierungsrunde 33 Millionen Dollar an Geldern eingesammelt, um damit die internationale Expansion anzuschieben. Insgesamt steckten Investoren bislang rund 67 Millionen Dollar in das Unternehmen.