Unternehmen

Deutscher Musikmarkt wächst zum Halbjahr sprunghaft

Der deutsche Musikmarkt kommt wieder in Schwung: Nach Zahlen des Bundesverbands Musikindustrie erzielte die Branche im Geschäft mit Recorded Music im ersten Halbjahr 2019 ein Umsatzplus von 7,9 Prozent - der höchste Zuwachs seit 1993. Zwei Drittel der Einnahmen entfielen aufs Digitalgeschäft.

11.07.2019 10:02 • von
Zwei Drittel digital, ein Drittel physisch: der Wandel vom Verkauf von Musik hin zum Streaming setzte sich auch im ersten Halbjahr 2019 fort. Zum Halbjahr 2018 lag der Digitalanteil noch bei 58,9 Prozent. (Bild: Bundesverband Musikindustrie; GfK Entertainment)

Der deutsche Musikmarkt kommt nach zwei bestenfalls durchwachsenen Jahren wieder in Schwung: Das belegen die Zahlen, die der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) am 11. Juli mit seinem Halbjahresreport auf Basis der Erhebungen von GfK Entertainment vorlegte. Demnach erzielten die Musikunternehmen im Geschäft mit Recorded Music in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 ein Umsatzplus in Höhe von 7,9 Prozent - der höchste Zuwachs seit 1993.

Tatsächlich weisen alte Jahrbücher des einstigen Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft für das Jahr ein nominales Umsatzplus von 8,7 Prozent aus.

Im ersten Halbjahr 2019 nun kletterten die Einnahmen aus der Vermarktung von Musik über Streamingdienste sowie durch den Verkauf von CDs, Downloads und Vinyl auf 783,2 Millionen Euro. Der Vergleichswert für den Zeitraum von Anfang Januar bis Ende Juni 2018 lag noch bei 725,9 Millionen Euro.

Verantwortlich für dieses dynamische Ergebnis ist das Audiostreaming, das im Vorjahresvergleich nach Angaben aus Berlin um 27,7 Prozent zulegte.

Vor gerade einmal zwölf Monaten stiegen Streamingdienste hierzulande erstmals zum größten Umsatzbringer der Plattenfirmen auf, im ersten Halbjahr 2019 durchbrach der Umsatzanteil des Bereichs nun auch die 50-Prozent-Marke: Audiostreaming steuerte demnach nunmehr 56,4 Prozent zu den Einnahmen der Musikunternehmen im Segment Recorded Music bei. Mit 66 Prozent entfallen zudem zwei Drittel der Einnahmen aufs Digitalgeschäft, das im Vorjahresvergleich um 21,1 Prozent wuchs.

Zur eindrucksvollen Trendwende trug aber auch bei, dass die Einbrüche im physischen Bereich im ersten Halbjahr 2019 nicht mehr ganz so dramatisch ausfielen wie noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damals waren die CD-Umsätze um fast ein Viertel eingebrochen, nun lag das CD-Umsatzminus bei 11,7 Prozent - damit habe sich die Rückgangsrate gegenüber dem Vorjahreszeitraum halbiert und "leicht stabilisiert", wie es aus Berlin heißt. In der Nische Vinyl ging es nach einem Durchhänger derweil wieder um 7,4 Prozent bergauf.

Downloads gaben hingegen mit einem Umsatzminus von 16,3 Prozent erneut deutlich nach, jedoch ebenfalls etwas weniger als noch im ersten Halbjahr 2018, als auch hier fast ein Viertel der Einnahmen wegbrach.

Formatübergreifend ging das physische Geschäft im ersten Halbjahr 2019 um elf Prozent zurück. CD-Alben kamen dabei auf einen Umsatzanteil von 28,2 Prozent am Gesamtmarkt - rund sechs Prozentpunkte weniger als noch vor Jahresfrist, die LPs lagen wie schon Mitte 2018 bei 4,4 Prozent.

Unter dem Strich präge damit neben der deutlich wachsenden Bedeutung des Streamings auch weiterhin eine große Formatvielfalt den Musikmarkt hierzulande, heißt es aus Berlin: "Streaming entfaltet jetzt auch in Deutschland die Hebelwirkung", analysiert auch Florian Drücke, der Vorstandsvorsitzende des BVMI. "Mit einem Digitalanteil von zwei Dritteln zeigt die Branche, wie weit sie bereits auf dem Weg des digitalen Turnarounds ist." Als Gründe für "die hohen Wachstumsraten beim legalen Audiostreaming" verweist Drücke auf die attraktiven Angebote, aber auch auf "die mehr oder weniger flächendeckende Verbreitung" von Smartphones und Flatrates.

"Erfreulicherweise nehmen wir ein zunehmendes Verständnis dafür wahr, dass die Rechte von Künstlern und ihren Partnern auch online zur Geltung kommen müssen und Onlineplattformen in diesem Zusammenhang ebenfalls in die Pflicht zu nehmen sind, also Verantwortung tragen müssen", ergänzt Drücke, und schlägt damit eine Brücke zur Politik: "Verlässliche Regeln im Markt bleiben zentral im digitalen Lizenzgeschäft. Bei der Umsetzung der europäischen Urheberrechtsreform ist daher wichtig, dass der deutsche Gesetzgeber vor dem Hintergrund der hitzigen Debatte um die Verabschiedung der Richtlinie nun in eine sachliche Auseinandersetzung eintritt."

Passend dazu streicht man beim BVMI auch die Differenz zwischen den Einnahmen der Branche aus Musikabos einerseits und den Musikabrufen über Videodiensten andererseits heraus: "Die aktuellen Zahlen des BVMI illustrieren ein weiteres Mal, wie gering nach wie vor die Summe ist, die der Musikkonsum über Videostreaming zum Branchenumsatz beiträgt - über Dienste also, die der Branche bisher nur einen Bruchteil dessen zahlen, was durch Spotify und andere Audiostreaming-Anbieter eingenommen wird, die reguläre Lizenzen erwerben", heißt es in einer Mitteilung aus Berlin.

Hier stünden "weniger als drei Prozent des Gesamtumsatzes 56,4 Prozent gegenüber, die durch Audiostreaming erlöst werden." Den größten Anteil an der Musiknutzung über Videodienste habe YouTube, laut BVMI "de facto größter Musik-on-Demand-Dienst der Welt mit nach eigenen Angaben monatlich mehr als 1,9 Milliarden angemeldeten Nutzerinnen und Nutzern". Zum Vergleich erinnert der BVMI auch an die Spotify-Zahlen zum Endes des ersten Quartals 2019 mit rund 100 Millionen Abokunden und monatlich rund 217 Millionen aktiven Nutzern.