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GVL-Einnahmen sinken um ein Viertel

Bei der GVL sorgten ZPÜ-Nachzahlungen 2016 und 2017 für Rekordjahre. 2018 entfiel dieser Sondereffekt, die Einnahmen brachen prozentual zweistellig ein. Daneben kündigt die GVL unter anderem eine Unterstützung des Opus Klassik an, und sieht sich durch eine Entscheidung des Berliner Kammergerichts bestätigt.

24.06.2019 17:00 • von
Zeigen sich trotz deutlich gesunkener Einnahmen zufrieden mit der Jahresbilanz der GVL für 2018: die Geschäftsführer Tilo Gerlach (links) und Guido Evers (Bild: GVL / Lotte Ostermann)

Bei der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) hatten ZPÜ-Nachzahlungen aus der Geräteabgabe für Mobiltelefone und Tablets 2016 und 2017 für Rekordjahre gesorgt. 2018 entfielen diese Sondereffekte, die Einnahmen der GVL brachen prozentual zweistellig ein - "erwartungsgemäß", wie es aus Berlin heißt.

Das Ergebnis hatte sich bereits angedeutet, als der internationale IFPI-Dachverband Anfang April seine Jahresbilanz fürs weltweite Geschäft mit Recorded Music vorstellte - und darin dem deutschen Musikmarkt für 2018 einen "dramatischen Einbruch" und ein Minus von 9,9 Prozent attestierte.

Diese Entwicklung, die sich nicht mit der Darstellung des Bundesverbands Musikindustrie deckte, sei unter anderem auf Sondereffekte aus dem Jahr 2017 im Bereich der Leistungsschutz- und Aufführungsrechte zurückzuführen, erläuterte ein IFPI-Sprecher Anfang April. Damals hatte die GVL eine Rekordbilanz aus dem Jahr 2016 mit einem Plus von mehr als 67 Prozent bei den Einnahmen im folgenden Jahr 2017 noch einmal um weiter 14 Prozent verbessern können.

Tatsächlich meldet die GVL nun im Anschluss an die Gesellschafter- und Delegiertenversammlung vom 18. Juni für das vergangene Jahr Einnahmen in Höhe von 229,8 Millionen Euro und einen Rückgang um 25,9 Prozent zum Vorjahr. 2017 wies die Gesellschaft noch Einnahmen in Höhe von 310 Millionen Euro aus.

Die höchsten Erträge erzielte die GVL im Bereich der Sendevergütungen, wo die Einnahmen 2018 um 5,9 Prozent auf rund 92,1 Millionen Euro wuchsen. Bei den Geldern aus Vervielfältigungsrechten ging es hingegen bergab: Für 2018 meldet die GVL in diesem Bereich Erlöse von 83,9 Millionen Euro - im Vorjahr waren es noch 169,3 Millionen Euro. Der Verwaltungsaufwand belief sich auf 22,1 Millionen Euro und lag damit um rund drei Prozent oder rund 700.000 Euro unter dem Vorjahr, angesichts der rückläufigen Einnahmen lag der Kostensatz für 2018 mit 9,6 Prozent allerdings deutlich über dem Vorjahresniveau von 7,4 Prozent.

Die Entwicklung sei, "bedingt durch den Rückgang der hohen Nachzahlungen des Vorjahres durch die ZPÜ" erwartungsgemäß ausgefallen: "Insgesamt sind wir zufrieden mit unserer Bilanz für das Jahr 2018", erklären denn auch die Geschäftsführer der GVL, Guido Evers und Tilo Gerlach. "Das Ergebnis ist deutlich höher ausgefallen, als wir ursprünglich erwartet haben. Es liegt weit über den Durchschnittseinnahmen der vergangenen zehn Jahre und deutlich über der Schwelle von 200 Millionen Euro."

Zudem freue man sich darüber, "dass wir in 2018 insgesamt 287 Millionen Euro an unsere Hersteller und Künstler ausschütten konnten", wie Guido Evers betont, der die Verteilungen 2018 zudem als "Testlauf für die neuen GVL-Systeme" wertet: "Nach der intensiven Entwicklungs- und Programmierungsarbeit in den vergangenen Jahren haben wir 2018 erstmalig alle Verteilungen auf der neuen Systemwelt durchgeführt."

Im Rahmen der Schlussverteilung für die Künstler hätte die GVL dabei "hohe Rückstellungen auflösen" und "an unsere Berechtigten überweisen" können, ergänzt Tilo Gerlach. Die Herausforderung liege für die GVL nun weiterhin darin, den digitalen Transformationsprozess für unsere Berechtigten abzuschließen. "Natürlich muss bei einem so umfassenden Neubau der IT-Architektur, wie er in der GVL stattgefunden hat, noch manches für einen reibungslosen Verteilprozess verbessert werden, aber wir befinden uns auf einem guten Weg", so Gerlach weiter.

Daneben meldet die GVL, rund 3,6 Millionen Euro für die Förderung kultureller Projekte aufgewendet zu haben - und kündigt weitere Zuwendungen für acht Projekte an, darunter der Opus Klassik, der in den kommenden beiden Jahren mit jeweils einem hohen fünfstelligen Betrag unterstützt werden soll.

Schließlich verweist die GVL noch auf eine Entscheidung des Berliner Kammergerichts. Nachdem zunächst Anfang 2017 der Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) beim Deutschen Patent- und Markenamt eine Beschwerde gegen den neuen Gesellschaftsvertrag der GVL eingereicht hatte, reichten später fünf Indies eine Klage ein. In diesem "Verfahren einzelner Tonträgerhersteller" sei nun am 19. Juni vom Kammergericht Berlin "die Stimmrechtsgewichtung nach wirtschaftlicher Bedeutung rechtskräftig bestätigt" worden, heißt es aus dem Hause der GVL.