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Heker sieht trotz Erfolgen noch viel Arbeit vor der GEMA liegen

Jüngst kamen die Mitglieder der GEMA in München zusammen. Eine milliardenschwere Jahresbilanz und die abgesegnete Direktive zum Urheberrecht konnten frühere Sorgenfalten ein wenig glätten. Doch der Vorstandsvorsitzende Harald Heker machte auch klar, dass die Erträge im Onlinebereich trotz Zuwächsen noch nicht das angepeilte Niveau erreicht haben.

28.05.2019 17:08 • von
Bei der Mitgliederversammlung der GEMA in München: der Vorstandsvorsitzende Harald Heker (Bild: Sebastian Linder)

Vom 23. Mai bis 25. Mai kamen die Mitglieder der GEMA zu ihrer alljährlichen Hauptversammlung zusammen, die diesmal wieder in München stattfand. Eine milliardenschweren Jahresbilanz und die auf europäischer Ebene abgesegnete Direktive zum Urheberrecht konnten frühere Sorgenfalten ein wenig glätten, und sorgten durchaus für eine entspannte Atmosphäre.

Das war beim Bericht des Vorstandsvorsitzenden Harald Heker und des Aufsichtsratschefs Ralf Weigand am Samstagvormittag vor den rund 500 versammelten Textdichtern, Komponisten und Verlegern im Hotel Westin Grand zu spüren, soll aber auch am Vortag bei den Diskussionen der drei sogenannten Kurien kaum anders gewesen sein.

"Jahrelang habe ich Ihnen im politischen Teil meiner Hauptversammlungs-Rede das gleiche Lied vorgesungen", erinnerte Harald Heker zu Beginn seiner Rede an die Bemühungen der Verwertungsgesellschaft um die europäische Urheberrechtsrichtlinie sowie an Themen wie die Providerhaftung oder die Value-Gap- Wertschöpfungslücke. Nun aber könne er "endlich" eine neue Strophe singen, "denn die Richtlinie ist beschlossen", sagte Heker in den Applaus der GEMA-Mitglieder hinein. "Die europäische Politik hat den Takt vorgegeben und sich als handlungsfähig erwiesen."

Mit der beschlossenen Reform "stärkt die Politik die Position der Kreativschaffenden gegenüber den global agierenden Onlineplattformen wie YouTube", betonte Heker. Diese seien nun verpflichtet, Urheber über Lizenzverträge für die Nutzung ihrer Werke zu vergüten: "Das ist ein geradezu historischer Paradigmenwechsel hin zu einem fairen Internet." Der Anfang vom Ende der Wertschöpfungslücke werde nun Realität:

"Wir streiten mit den Digitalkonzernen künftig nicht mehr darüber, ob sie eine Vergütung bezahlen müssen, sondern wir verhandeln nur noch über deren Höhe - was ein fundamentaler Unterschied ist."

In der Diskussion ums Urheberrecht samt wie Demonstrationen und Shitstorms aber habe man auch "eine Kostprobe davon erhalten, was es bedeutet, wenn die Internetgiganten ihre Macht ausüben". Angesichts dieser Macht wäre die Diskussion "ohne die aktive Unterstützung der Kreativschaffenden - mit Klarnamen und mit Haltung" wohl kaum so positiv ausgegangen, strich Heker das Engagement einiger GEMA-Mitglieder anerkennend heraus - auch hier applaudierten die anwesenden Textdichter, Komponisten und Musikverleger: "Es war unbequem und es gab Gegenwind. Sie aber haben sich nicht unterkriegen lassen. Ihre Stimme war wichtig und wurde gehört." Heker appellierte an die Mitglieder, angesichts der anstehenden Umsetzung der Direktive in nationales Recht nicht nachzulassen: "Wir werden weiterhin viel Überzeugungsarbeit leisten müssen."

POSITIVE BILANZ FÜR 2018

Anschließend erläuterte der Vorstandsvorsitzende Details der GEMA-Bilanz für 2018, in dem die Verwertungsgesellschaft wie erstmals im Jahr zuvor erneut Erträge von mehr als einer Milliarde Euro erwirtschaften konnte. Das im Vergleich 2017 etwas schwächere Ergebnis habe sich aus dem Wegfall des Sondereffekts aus der rückwirkenden ZPÜ-Ausschüttung für Smartphones und Tablets ergeben: "Bereinigt um diese Ausschüttung sind die Erträge 2018 sogar gestiegen", sagte Heker. "Alles in allem war 2018 also ein sehr erfolgreiches Jahr."

Das zeigte auch der Blick auf die einzelnen Ertragssäulen der GEMA, die unter anderem im Onlinebereich mit Einnahmen von 105,5 Millionen Euro laut Heker "eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte" erzielte: "105 Millionen Euro sind kein Selbstläufer, denn die GEMA hat im Onlinebereich schon lange kein Monopol mehr", mahnte der Vorstandschef indes. "In Anbetracht dessen ist das Ergebnis des Jahres 2018 umso positiver zu bewerten: Erstmals in der Geschichte der GEMA über 100 Millionen Euro."

Positiv vermerkte Heker zudem die erwirtschafteten Erträge aus dem Geschäft mit Onlinevideodiensten. Hier habe man unter anderem Abschlüsse mit Netflix und Maxdome erzielt, derzeit verhandele man mit Amazon, weshalb man mit weiteren Zuwächsen rechnen könne.

"Aber wir sollten nicht vergessen, dass diese immer noch nicht die tatsächliche Nutzung von Musik im Internet abbilden, bei weitem noch nicht. Auch hier liegt noch viel Arbeit vor uns", betonte Heker.

VERLEGERBETEILIGUNG VERTEILT NUR DREI PROZENT NEU

Heker erinnerte zudem an die Verlegerbeteiligung sowie den Hohen Aufwand an Arbeit und Kosten, die das Thema in den vergangenen Jahren mit sich gebracht habe: Zum Stichtag Anfang November 2018 habe die GEMA rund 25 Millionen Euro umverteilt, "und das bezogen auf sämtliche Ausschüttungen zwischen Juli 2012 und Dezember 2016", bilanzierte Heker. "Das sind weniger als drei Prozent des Gesamtbetrags, der in dieser Zeit an die GEMA-Verlage ausgeschüttet wurde." Anders herum blieben also 97 Prozent der Ausschüttungen unangetastet. "Wenn ich dann sehe, was es gekostet hat - nicht nur Geld, auch eine Menge Arbeit, Zeitverlust, Konflikte und viel Ärger über den administrativen Aufwand für alle Beteiligten." Heker dankte nicht nur in diesem Zusammenhang den Mitarbeitern der GEMA, den Vorstandskollegen, dem Aufsichtsrat und den Mitgliedern.

Über das Engagement der Verwertungsgesellschaft in Sachen Kultur - Stichwort Deutscher Musikautorenpreis oder Fred Jay Preis - kam Heker zum Ausblick auf die Zukunft, und sprach von guten Aussichten für 2019: "Obwohl keine Sondererträge zu erwarten sind, gehen wir davon aus, wieder hohe Erlöse zu erwirtschaften." In den meisten Inkassobereichen sei mit einem Plus bei den Einnahmen zu rechnen, zum Beispiel bei Online und im Außendienst. "Deshalb wird auch die Verteilungssumme für dieses Jahr wohl höher ausfallen als im letzten Jahr." Angesichts des weiterhin rasanten Wandels im Musikgeschäft aber würden auch die Herausforderungen für die GEMA weiter wachsen. "Deswegen haben Aufsichtsrat und Vorstand beschlossen, unsere bewährte dreijährige Unternehmensplanung um eine Langfriststrategie zu erweitern." Dabei habe man Handlungsfelder wie den sich ändernden Medienkonsum in Bereichen wie TV und Radio oder auch einen weiter wachsenden Wettbewerb um Lizenzen und deren Verwertung erkannt, aber auch in Hinblick auf rasant wachsende Datenmengen.

Als eine Initiative konnte die GEMA bereits das sogenannte Dashboard bei der Mitgliederversammlung präsentieren, das den Mitgliedern künftig digitalen Zugriff auf Informationen und Dienstleistungen rund um anstehende Abrechnungen oder Stammdaten gewähren soll.

Im Anschluss an die Rede von Harald Heker berichtete der Vorsitzende Ralf Weigand aus dem Aufsichtsrat, dankte den Mitgliedern der GEMA für ihren Einsatz in der Debatte ums Urheberrecht: "Dieses wichtige Etappenziel in Brüssel konnte durch die gemeinsame Kraft der Musikautoren und Verleger erreicht werden. Gestärkt durch diesen Zusammenhalt müssen wir die nationale Umsetzung der Richtlinie ähnlich erfolgreich gestalten. Denn wir sind das Gesicht des Vereins."Die Mitgliederversammlung hatte zuvor bereits einzelne Anpassungen des Regelwerks der GEMA beschlossen, zum Beispiel in Hinblick auf die Satzung, den Vereinszweck, den Verteilungsplan und die Geschäftsordnung. Dabei ging es unter anderem um die Verteilung der Einnahmen für die Nutzung von Musik über Plattformen wie YouTube. "Die jetzt verabschiedeten Regelungen sollen zunächst für die Verteilung bis einschließlich 2022 gelten, um die Nutzungsrealität auf solchen Online-Plattformen weiter zu beobachten und zu analysieren", heißt es dazu aus dem Hause GEMA.