Events

Future Music Camp misst zum Zehnten der KI und Algorithmen den Puls

Am 16. Mai startete in Mannheim die zehnte Ausgabe des Future Music Camps. Dieses Jahr steht die Verbindung zwischen Medien, Musikbranche und Künstlicher Intelligenz im Fokus der Zukunftskonferenz an der Popakademie Baden-Württemberg.

17.05.2019 09:59 • von Jonas Kiß
Bei der Eröffnung des Future Music Camps (von links): Alexander Endreß (Studiengangsmanager Musikbusiness Popakademie Baden-Württemberg), Steffen Geldner (Projektmanager Digitale Innovation Popakademie Baden-Württemberg) und Hubert Wandjo (Business Direktor & Geschäftsführer Popakademie Baden-Württemberg) (Bild: MusikWoche)

Am 16. Mai 2019 startete in Mannheim die zehnte Ausgabe des Future Music Camps. Dieses Jahr steht die Verbindung zwischen Medien, Musikbranche und Künstlicher Intelligenz im Fokus der Zukunftskonferenz an der Popakademie Baden-Württemberg.

Hubert Wandjo, Geschäftsführer & Studiengangsleiter Musikbusiness der Popakademie Baden-Württemberg, eröffnete die Veranstaltung am Donnerstagmorgen mit einer Begrüßungsrede, in der er unter anderem auf die laufende Mannheim Music Week verwies. Bei der Premiere der Mannheim Music Week finden vom 13. bis 19. Mai in der "Unesco City of Music" mehr als 70 Konzerte auf über 30 Bühnen statt.

Es folgte ein Keynote-Interview, bei dem Steffen Geldner, Projektmanager Digitale Innovation Popakademie Baden-Württemberg, mit dem Künstlermanager Björn Deparade (Wasted Talent, unter anderem Management von Milky Chance und Gurr) sprach.

Geldner, der das Future Music Camp seit einigen Jahren organisiert, erklärte zunächst, dass es nicht einfach war, Speaker zu finden, da der Begriff Künstliche Intelligenz von vielen Leuten ganz unterschiedlich verstanden wird. Trotzdem ging es in den Gesprächsrunden des Tages um einige innovative Ideen und neueste Trends aus dem Bereich der Digitalisierung im Musikgeschäft.

So erzählte Björn Deparade etwa, dass er inzwischen sowohl zuhause als auch im Büro Smart Speaker von Sonos und die Sprachsteuerung von Amazons Alexa nutzt. Für die international erfolgreiche Band Milky Chance aus Kassel, die er als Manager betreut, plant er nun auch einen sogenannten Alexa-Skill.

Künstliche Intelligenz hätte laut Deparade durchaus Potenzial, etwa als Hilfsmittel für den Produktionsprozess im Studio. Aber wie verhält es sich rechtlich, wenn die Maschinen Melodien und Songs komponieren?

Diese Frage versuchte wenig später der Rechtsanwalt Ralf Kitzberger zu beantworten, der in Sachen Urheberrecht unter anderem Künstler wie Andrea Berg oder Cro betreut. Laut deutschem Urheberrechtsgesetz könne der Urheber eines Kunstwerks immer nur eine natürliche Person sein, betonte Kitzberger. Außerdem greife die Künstliche Intelligenz meistens auf Werke zurück, die vorher bereits von Menschen komponiert wurden. Letztlich käme es deshalb, wie oft bei Rechtsfragen, sehr auf den Einzelfall an.

Etwas Licht ins Dunkel des Algorithmus von YouTube zu bringen, versuchte anschließend Tom Dreiseitel, Manager Content Partnerships YouTube & Google Play Music. Am Beispiel der Videoplattform und des damit verbundenen Streamingdienstes zeigte er die verschiedenen Mechanismen, die dazu führen, welche Musik dem Nutzer empfohlen wird. Nach Google sei YouTube laut Dreiseitel weltweit die zweitgrößte Suchmaschine, was die Anzahl der eingegebenen Suchbegriffe betrifft.

"Ich kenne den genauen Algorithmus von YouTube auch nicht", erklärte Dreiseitel: "Den kennen vielleicht maximal fünf Leute. Das ist ein Geheimrezept wie bei Coca-Cola und wird nicht verraten."

Viel wichtiger als ein abstrakter Algorithmus sei aber laut Dreiseitel auch, dass man als Künstler seine Fans genau kennt und sieht, wo sie sich bei YouTube bewegen.

Am Nachmittag ging das Future Music Camp in die Sessions über, die von den Teilnehmern selbst organisiert wurden. Am Konferenzfreitag stehen in der Popakademie weitere Sessions auf dem Plan, während in der angrenzenden Jungbuschhalle die Keynotes stattfinden.