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Klassikfestivals: Festliche Events mit Strahlkraft

14.05.2019 10:19 • von Jonas Kiß
Enden mit Feuerwerk: die Händel-Festspiele in Halle (Bild: Thomas Ziegler)

Zu den größten und renommiertesten Klassikfestivals in Deutschland gehört das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF), das in diesem Jahr vom 6. Juli bis 1. September stattfindet. »Wir haben in diesem Sommer wieder ein vielfältiges Programm, sowohl im Bereich der Klassik wie auch in Jazz, Pop oder Crossover-Bereichen«, bekräftigt Pressesprecherin Laura Hamdorf gegenüber MusikWoche. Die Künstlerschar umfasse »große Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Mariss Jansons, Ton Koopman und Giovanni Antonini, die zum SHMF zurückkehren. Nach 25 Jahren ist außerdem Evgeny Kissin, einer der bedeutendsten Pianisten der Gegenwart, wieder dabei.« Zu Gast sind unter anderem auch Hilary Hahn, Nigel Kennedy, Daniel Hope, Edita Gruberová, Ivo Pogorelich, Sir Andras Schiff und Víkingur Ólafsson.

Konzerte im Kuhstall

»Wir möchten mit jedem Konzert Hemmschwellen abbauen und Türen zur Musik öffnen«, so Laura Hamdorf. »Das gelingt uns schon allein durch ganz besondere Spielstätten - denn ein Streichquartett in einem Kuhstall zu hören, ist sicherlich eine andere und viel nahbarere Erfahrung als in einem großen Konzertsaal. Wir reisen durch ganz Norddeutschland, um einzigartige und unkonventionelle Konzertorte wie Werften, Reithallen, Gutshöfe oder Biogewächshäuser zu finden und die großen Stars dort auftreten zu lassen.« Musik nicht nur in den Metropolen anzubieten, sondern »auch zu den Menschen aufs Land zu bringen«, sei der Anspruch, »den wir seit der Gründung des Festivals durch Justus Frantz im Jahr 1986 verfolgen«.

Der Reiz des SHMF liege darüber hinaus »in seinen programmatischen Säulen«: »Seit 2014 rücken wir jährlich einen Komponisten in den Mittelpunkt des Programms. Diese Retrospektive wird in diesem Jahr Johann Sebastian Bach gewidmet, sodass seine Musik beziehungsweise die Musik anderer Komponisten, die stark von ihm beeinflusst waren, in insgesamt 120 Konzerten erklingen wird. Das Publikum folgt den Ideen der Komponisten-Retrospektive mit großer Aufgeschlossenheit, was uns sehr freut und uns darin bestärkt, immer wieder nach spannenden, unbekannten Seiten unserer Schwerpunktkomponisten zu suchen.«

Als zweite programmatische Säule nennt Hamdorf das Künstlerporträt, bei dem ein Musiker zehn bis 20 Konzerte gestaltet und frei über das Programm und die Besetzung entscheiden darf. »Diese Künstler haben nicht nur viel Freude daran, die unterschiedlichen Facetten ihres Instruments vorzustellen, sondern entwickeln auch während ihrer Wochen in Schleswig-Holstein einen besonderen Bezug zum Land wie auch zum Publikum.« 2019 werde sich die niederländische Geigerin Janine Jansen in zehn Konzerten dem norddeutschen Publikum vorstellen.

»Im letzten Jahr hatten wir bei 202 Konzerten 191.000 Besucher und eine Auslastung von 91 Prozent. Das war ein riesiger Erfolg«, so Laura Hamdorf. In diesem Jahr sind für 223 Konzerte rund 207.000 Tickets im Verkauf. »Wir hoffen, an die Erfolge des letzten Jahres anknüpfen zu können.« Der vom Stiftungsrat genehmigte Haushalt für das SHMF beläuft sich 2019 auf rund 11,5 Millionen Euro. Der Landeszuschuss beträgt 1,233 Millionen Euro. »Verträge mit den Haupt-, Konzert- und Sachsponsoren sowie Spenden und Zuschüsse sichern die Finanzierung ab«, erklärt Hamdorf.

Das SHMF finanziere sich zu 58 Prozent aus Karteneinnahmen, zu 32 Prozent aus Spenden und Sponsoring und zu zehn Prozent durch den Landeszuschuss. Tickets können online über die Festivalhomepage www.shmf.de erworben werden, per Post über die SHMF-Kartenzentrale, per Fax, telefonisch über eine Tickethotline und über die örtlichen Vorverkaufsstellen. Seit Dezember 2018 bietet das SHMF zudem Mobile-Ticketing an. »Dieser Verkaufskanal konnte nicht früher eingerichtet werden, da wir zunächst die Herausforderung lösen mussten, bei der großen Menge an Spielstätten - in diesem Jahr sind es 117 - den Einlass vor Ort zu gestalten, zum Beispiel Powerbanks bereitzuhalten für Besucher, deren Handyakkus leer sind. Noch liegen uns keine belastbaren Zahlen vor, wie hoch der Anteil von Online- und Mobile-Ticketing in Bezug auf den Gesamtverkauf ist«, so Hamdorf.

Auf die Frage, inwieweit das SHMF auch auf Angebote außerhalb der Klassik setze, meint die Pressesprecherin: »Christian Kuhnt verabschiedete mit Beginn seiner Intendanz im Jahr 2014 nicht nur die Länderschwerpunkte und führte an ihrer Stelle die Komponisten-Retrospektive und das Künstlerporträt ein, er etablierte außerdem die Kategorie "Luustern" (plattdeutsch für "Lauschen") für Musik abseits der Klassik. Darunter zählen beispielsweise Jazz, Pop, Soul und Klezmer.«

»Luustern« habe seither an Umfang zugelegt, die Sparte der klassischen Musik allerdings auch - »von damals insgesamt 164 Festivalkonzerten sind wir in diesem Jahr bei 223«. 2019 habe man in punkto »Luustern« unter anderem Jamie Cullum, Supertramps Roger Hodgson, das David Orlowsky Trio, die New York Gypsy All-Stars und Joy Denalane zu Gast. Musikalische Lesungen gestalten Nora Tschirner, Axel Milberg und Ulrich Tukur.

Das SHMF sei zudem mit unterschiedlichen Angeboten bestrebt, jüngere Publikumsschichten für die Klassik zu gewinnen: »Eine Reihe von etablierten und neuen SHMF-Formaten bauen Brücken zur Klassik. Mit "Zoom" etwa bieten wir dem Publikum die Gelegenheit, ein Orchester aus nächster Nähe zu erleben. Die Zuhörer dürfen frei wählen, ob sie sich neben eine Geigerin, einen Trompeter oder eine Flötistin setzen wollen, um ihm oder ihr beim Spielen über die Schulter zu schauen. Mit großer Begeisterung angenommen werden unsere Workshops, bei denen jugendliche Hobby-Musikerinnen und -Musiker dazu eingeladen sind, mit großen Stars zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen. 2019 bietet das SHMF Workshops mit der Breakdance-Truppe Flying Steps und mit Percussionstar Martin Grubinger an.«

Am Ende werden die Ergebnisse jeweils im Rahmen von Workshopkonzerten vor Publikum präsentiert. »Wer nicht am Workshop teilnimmt, aber sich einen Eindruck der Probenatmosphäre verschaffen möchte, kann an dem SHMF-Format "Backstage" teilnehmen. Dabei blicken die Besucher hinter die Kulissen der musikalischen Arbeit, treffen Workshopteilnehmer wie Profikünstler beim Grillen und dürfen Fragen bei einem anschließenden Podiumsgespräch stellen.« Motivierte Sängerinnen und Sänger aus Norddeutschland finden sich zudem jährlich zum Schleswig-Holstein Festival Chor zusammen und bringen große Chorwerke unter professioneller Anleitung zur Aufführung. Die jüngsten Festivalbesucher seien bei den Familienkonzerten gut aufgehoben - in diesem Jahr werden sie unter anderem von Nora Tschirner und Juri Tetzlaff gestaltet - sowie beim Kindermusikfest auf Gut Wotersen. Neu ist das Kinderkulturfest »Ei der daus!« in Rendsburg-Büdelsdorf, bei dem Kinder nicht nur kurze Konzerte erleben, sondern in Workshops und speziellen Kinderführungen auch spielerisch an die Bildende Kunst herangeführt werden.

Besucher aus aller Welt

Michael Herrmann, Intendant des Rheingau Musik Festivals, das 2019 vom 22. Juni bis 31. August dauert, nennt als Höhepunkte des Festivalsommers unter anderem »die Konzerte unseres Artist in Residence, Daniil Trifonov, und unserer Fokus- Künstler Christiane Karg und Curtis Stigers sowie unseres Orchestra in Residence, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen«. In einem Konzert dieses Orchesters werden Igor Levit und Gabriela Montero erstmals gemeinsam auftreten. Rund 20 Konzerte des Sommers stehen unter dem Leitgedanken »Courage«. »Damit nehmen wir ein sozial, gesellschaftlich und politisch zentrales Thema unserer Zeit in den Fokus, das sich mit Begriffen wie Mut, Engagement, Toleranz und Menschlichkeit umschreiben lässt«, so Herrmann.

»Unser Blick richtet sich auf die ehemalige Sowjetunion (Dmitri Schostakowitsch in der Stalin-Ära) und nach Berlin (30 Jahre Mauerfall), aber vor allem hin zu gesellschaftlich-politisch engagierten Musikern und interkulturellen Orchester-Projekten aus der ganzen Welt, etwa mit dem israelisch-palästinensischen Pianisten Saleem Ashkar, in dessen Konzert mit dem Galilee Chamber Orchestra Wisam Gibrans Komposition "Overcoming", ein Auftragswerk zum Thema "Courage", aufgeführt wird«, das erst wenige Tage vorher beim Festival Young Euro Classic 2019 im Konzerthaus Berlin Uraufführung hat. Mit Sir Simon Rattle gebe »einer der bedeutendsten gegenwärtigen Dirigenten« sein Festivaldebüt beim Rheingau Musik Festival. »In über 30 Jahren sind der Rheingau und sein Festival in einem einzigartigen Zusammenspiel von Kultur und Natur, Musik, Genuss und Lebensfreude zum Anziehungspunkt für Musikbegeisterte aus aller Welt geworden«, bekräftigt Herrmann.

»Einmalige Kulturdenkmäler wie Kloster Eberbach, Schloss Johannisberg, Schloss Vollrads und das Kurhaus Wiesbaden sowie pittoreske Weingüter verwandeln sich jeden Sommer in Konzertbühnen für Stars der internationalen Klassikszene und interessante Nachwuchskünstler von Klassik über Jazz bis hin zu Kabarett und Weltmusik«. Man rechne 2019 mit rund 120.000 Besuchern. Dabei gelte es, acht Millionen Euro zu erwirtschaften, »um die Kosten zu decken«. Das Festival finanziere sich jeweils rund zur Hälfte aus Sponsorengeldern und aus Kartenverkäufen. Das Land Hessen fördere das Festival lediglich mit 25.000 Euro. So erreiche man eine Eigenfinanzierungsquote von 99,69 Prozent. Lotto Hessen engagiert sich seit über 20 Jahren als Sponsor und seit 2005 als Hauptsponsor des Rheingau Musik Festivals. Medienpartner sind der Hessische Rundfunk, Deutschlandradio und die Deutsche Welle.

»Bei uns auf der Website können die Kunden ihre Karten sitzplatzgenau buchen«, berichtet Michael Herrmann. Darüber hinaus könne man Karten schriftlich und telefonisch »bei unserem Vorverkaufsbüro, der Rheingau Musik Festival Service GmbH, bestellen«. Bei einigen Vorverkaufsstellen wie der Tourist Information Wiesbaden, der TicketBox Wiesbaden und der TicketBox Mainz kann man ebenfalls Tickets erwerben sowie für ausgewählte Konzerte bei CTS Eventim. Zur musikalischen Ausrichtung meint Herrmann: »Vom Grunde her ist das Rheingau Musik Festival ein Festival mit Konzerten mit klassischer Musik. Sinfonik, Chorsymphonik und Kammermusik. Seit vielen Jahren veranstalten wir aber auch Konzerte mit Jazz, Musik-Kabarett in den Rheingauer Weingütern, Konzerte mit Weltmusik und Kinderkonzerte.«

Der Anteil der Musik von Genres außerhalb der Klassik hat sich laut Herrmann in den vergangenen Jahren nicht verändert, wenngleich das Genre Jazz etwas ausgeweitet wurde«. Man habe mittlerweile zudem auch Künstler wie Max Giesinger, Max Mutzke, Johannes Oerding oder Milow im Angebot. »Wir versuchen, ein junges Publikum an Klassik heranzuführen zunächst durch unsere Kinderkonzerte und unser Kinderfest«, erläutert der Intendant. »Jüngere Erwachsene versuchen wir mit Konzerten von Künstlern wie Martin Grubinger oder durch andere Konzertformate wie unser Schlossfest, unsere Seebühnenkonzerte und die Konzerte im Kurpark Wiesbaden zu gewinnen. Einige Konzerte vereinigen wir aber auch unter dem Titel "Rosinen" in einer kleinen Sonderpublikation in einem Sonderformat, um gezielt ein anderes und jüngeres Publikum zu erreichen.«

Beethoven in seiner Geburtsstadt

Vom 6. bis 29. September steigt in Bonn das Beethovenfest 2019. Als Höhepunkte nennt Intendantin Nike Wagner neben Beethoven-Kompositionen wie den Sinfonien 1,2,3,6 und 7, den Klavierkonzerten 2,3 und 5 und dem Violinkonzert auch Aufführungen von Werken anderer Komponisten wie Schumann oder Haydn. Solo-Abende bestreiten unter anderem Christian Gerhaher, Pierre-Laurent Aimard, Carolin Widmann oder Viviane Hagner. Zudem gastieren renommierte Orchester wie das NDR-Elbphilharmonieorchester, die Philharmonie Zürich oder die Akademie für Alte Musik in Bonn. Die Besonderheit des Festivals sei das Erlebnis, Ludwig van Beethovens Musik in seiner Geburtsstadt genießen zu können. Wagner rechnet in diesem Jahr mit rund 25.000 Besuchern, macht indes keine Angaben zu Budget und Finanzierung.

Tickets sind via www.beethovenfest.de, eine Ticket-Hotline sowie über BonnTicket und CTS Eventim zu beziehen. Neben Klassik hat das Beethovenfest im Rahmenprogramm auch Jazz zu bieten mit rund 20 Konzerten in der Post Tower Lounge bei freiem Eintritt. Unter dem Motto »Ludwig + Du« gibt es auch einen speziellen Programmteil mit Veranstaltungen für Kinder und junge Leute mit Workshops und Konzerten. Ein junges Publikum ansprechen soll unter anderem ein Auftritt des Komponisten Koka Nikoladze, das Beat-Machines und Streicher zusammenführt.

Die Händel-Festspiele in Georg Friedrich Händels Geburtsstadt Halle an der Saale gehen in diesem Jahr vom 31. Mai bis 16. Juni mit über 100 Veranstaltungen an 22 Spielorten über die Bühne.

»Die Händel- Festspiele finden jährlich immer unter einem zentralen Motto statt«, erläutert Maria Scheunpflug, Referentin für Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing der Stiftung Händel-Haus. In diesem Jahr lautet es »Empfindsam, heroisch, erhaben - Händels Frauen«. Sängerinnen wie Vivica Genaux, Karina Gauvin oder Carolyn Sampson, aber auch Countertenöre wie Valer Sabadus oder Lawrence Zazzo widmen sich diesem Thema. Im Schnitt locken die Händel-Festspiele um die 50.000 Musikliebhaber an. »Im vergangenem Jahr hatten wir mit 58.000 Besuchern sogar einen Rekord. Das wird aber schwer, wieder zu erreichen«, so Maria Scheunpflug.

Die Frage nach dem Budget lasse sich »schwer beantworten - da wir eine Stiftung sind und neben den Händel-Festspielen auch noch zwei Museen mit drei Dauerausstellungen und einer wechselnden Sonderausstellung und noch das kleine Festival "Händel im Herbst" sowie Archiv und Restaurierungsatelier für Instrumente unter einem Dach vereinen«. Die Finanzierung der Festspiele erfolge durch Ticketerlöse, Sponsorengelder und Zuschüsse von Bund und Land gemeinsam mit der Stadt Halle. Der Bund stellt in diesem Jahr 190.000 Euro zur Verfügung. »Die Stadt Halle ist aber unsere Hauptstifterin. Auch die verschiedenen Sponsorengelder sind sehr wichtig für uns«, so Scheunpflug. Tickets sind online via haendelfestspiele-halle.de sowie bundesweit bei den CTS-Eventim-Vorverkaufsstellen, in Sachsen-Anhalt bei TiM Ticket, in den Service-Centern der »Mitteldeutschen Zeitung« und der Galeria Kaufhof Passage Halle zu beziehen.

Als Dienstleistung für bereits ausgebuchte Veranstaltungen wird ein kostenloser Wartelisten-Service von Roßdeutscher & Bartel angeboten. Ab 29. Mai 2019 sind Tickets auch im Gästebüro der Händel-Festspiele im Händel-Haus erhältlich. »Online- und Mobile-Ticketing werden gut genutzt. Zahlen erhalten wir aber vom Dienstleister aus Gründen des EU-Datenschutzgesetzes leider nicht«, ergänzt Scheunpflug. Das Programm beschränke sich laut Intendant Clemens Birnbaum beileibe nicht nur auf barocke Musik, sondern auch »interkulturelle Konzerte« und »Brücken zu Rock, Jazz und elektronischer Musik«. Die »Baroque Lounges« führen Barockmusik mit modernen Musikformen zusammen, wenn hier etwa die hallesche Folkband Horch Händel-Kompositionen mittels besonderen Klangeffekten und Improvisationen ganz neu interpretiert. Das Programm umfasst auch ein »Fest für die ganze Familie«, einen Poetry-Slam zum Festspielthema »Händel und die Frauen« oder ein Symphonic-Rockkonzert »mit einem besonderen Gast aus der Rockmusikszene «.

Den Künstlern nah

Viermal im Jahr gibt es Festspiele im Festspielhaus Baden-Baden, nach den Osterfestspielen, die in diesem Jahr vom 13. bis 22. April stattfanden, dann noch die Pfingstfestspiele (7. bis 10. Juni), die Sommerfestspiele (6. bis 14. Juli) sowie die Herbstfestspiele (27. September bis 5. Oktober). Als diesjährige Highlights nennt Rüdiger Beermann, Direktor Medien und Kommunikation beim Festspielhaus Baden-Baden und Mitglied der Geschäftsleitung, »aufwändig produzierte Opern« wie »Otello« (Osterfestspiele), »Simon Boccanegra « (Sommerfestspiele) und »Orphée et Euridice« (Herbstfestspiele) »in Star-Besetzung« - unter anderem mit den Berliner Philharmonikern, Placido Domingo oder dem Hamburg Ballett John Neumeier.

Den besonderen Reiz mache aus, dass man »den Künstlern in dieser kleinen Stadt sehr nah« komme. »Das moderne Festspielhaus mit seinen 2500 Plätzen ermöglicht großes szenisches Denken, aber auch beste Arbeitsbedingungen für Weltklasse-Orchester und -Solisten.« Beermann rechnet in diesem Jahr mit rund 160.000 Besuchern im Festspielhaus - inklusive der vier nicht einzeln ausgewiesenen saisonalen Festspiele. Das Jahresbudget für das Haus betrage insgesamt rund 20 Millionen Euro. Für die Finanzierung sorgen zu 70 Prozent »Ticketverkäufe und andere Erlöse« und zu 30 Prozent private Förderung und Sponsoring. Es gebe keine öffentlichen Subventionen für das Programm durch Stadt oder Land, wie Beermann bestätigt.

Der Kartenverkauf erfolge über ein »eigenes Call-Center mit hoher Beratungsqualität « sowie online via CTS Eventim und Vorverkaufskassen wie das Baden-Badener Tourismus-Büro. Die Klassik stehe in Baden-Baden »klar im Vordergrund«, »mitunter« habe man auch Jazz und Tango im Angebot sowie Musicals zwischen den Festspiel-Phasen. »Durch unser eigenes Kinder- und Jugendprogramm erreichen wir rund 15.000 junge Menschen pro Jahr«, führt Rüdiger Beermann aus. Seit drei Jahren sei man zudem dabei, das Thema Erwachsenenbildung - unter anderem »in Kooperation mit HR-Abteilungen von Sponsoren« - professionell weiterzuentwickeln für Menschen ab 30 Jahren.