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Rekordandrang beim Heidelberger Frühling

Mit einem Konzert der Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev mit Sopranistin Anja Harteros ist am 13. April der Heidelberger Frühling 2019 zu Ende gegangen. Das internationale Musikfestival zog bei seiner 23. Ausgabe 47.700 Besucher an und erzielte damit eine neue Rekordmarke.

15.04.2019 15:48 • von Frank Medwedeff
Boten zum Abschluss des Festivals noch einen Höhepunkt: die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev mit Anja Harteros (Bild: studio visuell)

Mit einem Konzert der Münchner Philharmoniker unter Leitung von Valery Gergiev mit Sopranistin Anja Harteros als Solistin ist am 13. April der Heidelberger Frühling 2019 zu Ende gegangen. Das internationale Musikfestival zog bei seiner 23. Ausgabe 47.700 Besucher an und erzielte damit eine neue Rekordmarke. Das Festival umfasste insgesamt 141 Veranstaltungen. "Mit einer Weltpremiere des Schweizer Komponisten David Philip Hefti, der Uraufführung der Festivalproduktion 'Castor&&Pollux', einer deutschen Erstaufführung, neun Radiomitschnitten, Livestreams mit über 28 000 Zuschauern weltweit und einer umfassenden Berichterstattung in regionalen, nationalen und internationalen Medien zieht der Heidelberger Frühling 2019 eine hervorragende Bilanz", heißt es aus der Stadt am Neckar.

Das Festival stand 2019 unter der Leitfrage "Wie wollen wir leben?". Damit habe man die 2017 begonnene Trilogie zu Kernmotiven der Aufklärung beschlossen und programmatisch einen diskursorientierteren und offeneren Blick in die Zukunft geworfen. Festivalintendant Thorsten Schmidt kommentiert: "Dass wir in diesem Jahr mehr Menschen erreicht haben als je zuvor, ist fantastisch. Was mich besonders glücklich macht, sind die zahlreichen Gespräche und Diskussionen über das Konzerterlebnis hinaus, die in unserem Publikum - angeregt durch die Kunst - entstanden sind. Nicht zuletzt bei unserem Musiktheater 'Castor&&Pollux', das entscheidende Zukunftsfragen gestellt hat. Genau das möchte der Heidelberger Frühling sein: Ein Ort der Begegnung, des Austauschs und Diskurses, ein Impulsgeber zum Weiterdenken, auch nachdem der letzte Ton verklungen ist."

Vor dem Hintergrund der diesjährigen Leitfrage dankte der Heidelberger Frühling den Musikerinnen und Musikern auf der Bühne in dieser Festivalsaison nicht mit Blumensträußen, sondern "mit dem Einsatz für saubere Weltmeere" in Form nur einer einzelnen Rose und eines karitativen Armbandes vom Startup-Unternehmen 4Ocean. Das grüne Band aus recyceltem Kunststoff mit Perlen aus recycelten Glasflaschen unterstützt die Entsorgung von Müll, insbesondere Plastik, aus den Weltmeeren.

Der Festivaljahrgang 2019 war die vorerst letzte Ausgabe in der Hauptspielstätte, dem Kongresshaus Stadthalle Heidelberg: Das Haus wird in den kommenden drei Jahren umfassend saniert. Nach der Wiedereröffnung im Jahr 2022 wird der "Frühling" die Stadthalle wieder bespielen.

Auf den Bühnen des Heidelberger Frühlings 2019 waren internationale Künstler- und Ensemblegrößen zu Gast wie Khatia Buniatishvili, Yefim Bronfman, Avi Avital, Renaud Capuçon, David Fray, Nils Mönkemeyer, Alban Gerhardt, das Mahler Chamber Orchestra - als Orchestra in Residence - mit Mitsuko Uchida oder Alexander Melnikov und Pablo Heras-Casado, das Bergen Philharmonic Orchestra mit Truls Mørk, die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, die Amsterdam Sinfonietta mit Harriet Krijgh, Anima Eterna Brugge oder Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit Maximilian Hornung und David Zinman.

Das Schwerpunktwochenende "Neuland.Lied" beschäftigte sich 2019 vor dem Hintergrund der Leitfrage "Wie wollen wir leben?" mit dem politischen Lied. Gemeinsam mit renommierten Sängern wie Daniel Behle, Julian Prégardien oder Benjamin Appl wurden eigens für das Festival entwickelte Programme aufgeführt, die "die universelle Kraft des Liedes beleuchten" sollten. Direkt im Anschluss an das Lied-Wochenende wurde Georg Friedrich Händels Oratorium "Israel in Egypt" mit dem Collegium 1704 aufgeführt, dessen "Exodus-Geschichte" gerade in diesen Tagen von höchster politischer Brisanz sei. In der einführenden Podiumsdiskussion sprach der 2018 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnete Ägyptologe Jan Assmann.

Das Kammermusikfest "Standpunkte" stand unter der Überschrift "Lebensentwürfe". In Zusammenarbeit mit dem langjährigen Freund und Partner des Festivals Igor Levit sind Programme entstanden, die mit musikalischen Mitteln individuelle Lebensentwürfe aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet haben. Dafür verbanden sich Stipendiaten der Kammermusik Akademie des Heidelberger Frühlings und Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker mit arrivierten Künstlern wie Igor Levit, Markus Hinterhäuser, Alisa Weilerstein, Tianwa Yang, Alexej Gerassimez, Mavie Hörbiger oder Sebastian Koch.

Die Festival Akademien luden zu öffentlichen Meisterkursen, Workshops und Podiumsdiskussionen im direkten Austausch mit dem Publikum ein. Leiter der Festival Akademien 2019 waren Thomas Hampson (Lied), Igor Levit (Kammermusik) und Eleonore Büning (Musikjournalismus), die unter anderem von Cellist Leonard Elschenbroich, Geigerin Tianwa Yang oder Pianist und Professor für Liedgestaltung Hartmut Höll als Mentoren flankiert wurden.

Das multimediale Musiktheater "Castor&&Pollux" über Liebe und Unsterblichkeit feierte seine Uraufführung am 2. April in der Alten Aula der Universität Heidelberg. In insgesamt acht ausverkauften Vorstellungen setzte sich die Produktion vor rund 1100 Besuchern durch die Verwebung zweier Mythen - dem der griechischen Antike und dem der futuristischen Utopie des Transhumanismus - mit der Vision der menschlichen Unsterblichkeit auseinander. Die gleichnamige Barockoper von Jean-Philippe Rameau traf auf ein interaktives "4DSound"-System, "Mensch auf Maschine, antiker Mythos auf posthumanes Zeitalter". Die Produktion ist aus dem festivaleigenen "LAB" entstanden, das seit 2017 jungen Kreativschaffenden Raum für Ideen und Visionen gibt, um die Zukunft der musikalischen Aufführung zu gestalten.

Den mit 10.000 Euro dotierten Musikpreis des Festivals für 2019 erhielt John Gilhooly, Künstlerischer Leiter der Londoner Wigmore Hall und Vorsitzender der Royal Philharmonic Society. Die Laudatio hielt Intendant Thorsten Schmidt. Die Auszeichnung wird jährlich an Persönlichkeiten vergeben, die sich substanziell und nachhaltig für die Vermittlung von klassischer Musik einsetzen. Der Preis wird von HeidelbergCement gestiftet. Das Unternehmen ist Gründungspartner des "Heidelberger Frühling" und dem Festival seit 1997 als Hauptförderer verbunden. Frühere Preisträger sind der Klarinettist und Komponist Jörg Widmann, die Musikjournalistin Eleonore Büning, der Pianist und Kulturmanager Markus Hinterhäuser, der Bariton Christian Gerhaher, Klaus Lauer, ehemaliger Intendant der Badenweiler Musiktage, und die Pianistin Gabriela Montero.

Der 24. Heidelberger Frühling findet vom 21. März bis zum 25. April 2020 statt.